Till Brönner (Foto: Andreas Bitesnich)

Ein Danaergeschenk

JazzNow

Mit Thomas Kreutzer  

Sendung: Sonntag 16.04.2017 20.04 bis 23.00 Uhr

Buster Williams ist auch ein erfolgreicher Komponist und Bandleader, aber als Bassist ist er eine Ikone. Man erkennt ihn an seinem Klang, seinem Groove und seiner Herangehensweise, niemand spielt wie er. Er liebt es, als Bassist in der zweiten Reihe zu spielen. "Ein Sideman zu sein ist das Beste, dann lernst du nämlich etwas.  Es ist schwer etwas zu lernen, wenn du der Chef bist, dann sagt dir nämlich niemand was." Buster Williams wird er 75 Jahre alt, JazzNow würdigt ihn.

Eliane Elias (Foto: CMS Source)
Eliane Elias

Die brasilianische Pianistin und Sängerin Eliane Elias gab mit 17 Jahren gibt sie ihr erstes Jazzkonzert, als jugendliches Klaviertalent spielte sie mit Antônio Carlos Jobim und Vinicius de Moraes. Mit 21 tourte sie durch Europa, anschließend machte sie sich in den USA und auch international einen Namen. Für ihr neues Album "Dance of Time" ist sie zurück in ihre Heimatstadt São Paulo gereist. Es hat sich gelohnt, auf ihrem neuen, inzwischen 24. Studioalbum glänzt sie sowohl als federnd geschmeidige Sängerin als auch als Pianistin, die weiß, was sie will.

Arne Huber  (Foto: Rene Mosele)
Arne Huber

Wie das Arne Huber Quartett als Band funktioniert, ist sicher nicht ganz unkompliziert, der Bassist Arne Huber lebt in Freiburg, der Schlagzeuger Jochen Rückert in New York, der Saxophonist und Bassklarinettist Dominic Landolf in Basel und der Pianist Rainer Böhm in Köln. Arne Huber ist derzeit auf rund zwei Dutzend CDs zu hören, zwei davon wurden mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. "Im echten Leben" ist die dritte Produktion des Quartetts, JazzNow stellt sie vor.

Der international erfolgreiche Trompeter Till Brönner träumt seit Jahren von einem Zentrum für Jazz an einem prominenten Ort in seiner Heimatstadt Berlin. Die Stars der Jazz-Szene sollen dort für Konzerte zusammenkommen, und talentierte Musiker sollen in einer Art Akademie gefördert werden. Till Brönner hat den früheren Kulturstaatssekretär von seiner Idee eines "House of Jazz" überzeugt.

Jazz und Politik

Im November des vergangenen Jahres hat der Haushaltsausschuss des Bundestages 12,5 Millionen Euro zur Sanierung der "Alten Münze" in der Nähe des Berliner Roten Rathauses bereitgestellt. Aber die Freude in Berliner Jazzerkreisen war eher gedämpft. Man war verärgert, dass Till Brönner dies alles durchgefochten hat, ohne mit jemandem von der Szene zu reden. Die Berliner Jazzer sollten ein Geschenk bekommen, bei dem sie offenbar kein Mitspracherecht hatten. Die Millionen des Bundes, mit denen ein "House of Jazz" angestoßen werden soll, sind auch nur eine Anfangsinvestition. Und wer bezahlt den Rest? Und wer finanziert danach den laufenden Betrieb? Der Kultursenator Klaus Lederer – er hat das Projekt von seinem Vorgänger auf den Schreibtisch bekommen – empfindet die Anstoßmillionen als Danaergeschenk und will die Millionen, wie er sagt, wahrscheinlich nicht annehmen. Und der Haushaltsausschuss im Bundestag hat angesichts so vieler ungeklärter Sachverhalte das Geld vorerst gesperrt. Die Situation ist verfahren, man wird sich die Hand reichen müssen, sonst geht diese einmalige Chance für den Jazz ungenutzt vorüber, und davon hat niemand etwas.

Carmen Souza (Foto: Kurt Rade)
Carmen Souza

Die Sängerin Carmen Souza hat Kapverdische Wurzeln und ist in Lissabon geboren, lebt heute in London. Ihre Muttersprache ist das Kapverdische Kreol, und auch die meisten ihrer Lieder hat sie in dieser Sprache verfasst. Mit ihren stilistischen Bezügen zur Folklore der Kapverden, zum Afro-Beat, zur Música Popular Brasileira und mit ihrer auffallend außergewöhnlichen Stimme steht sie sicher am Rande des Jazz. JazzNow stellt ihr neues Album "Creologie" vor.

Ästhetik künstlicher Klänge

Sebastian Studnitzky (Foto: Sevi Tsoni)
Sebastian Studnitzky

"Minimal-Techno-Jazz" ist wahrscheinlich der richtige Ausdruck, um die Musik des neuen Albums "KY organic" des Trompeters und Pianisten Sebastian Studnitzky zu beschreiben. Er lehrt an der Hochschule in Dresden – hat dort auch seine musikalischen Partner kennen gelernt, den Gitarristen Laurenz Karsten und den Schlagzeuger Tim Sarhan. Alle Elemente des Albums "KY organic" sind akustisch eingespielt, und trotzdem gäbe es diese Musik zumindest nicht so, wenn es keine Synthesizer und Drum-Computer gäbe. Die Elektronik hat die Ästhetik des Wahlberliners Sebastian Studnitzky ganz wesentlich geprägt.

Das neue Album der Band "Underkarl" heißt "timetunnel 25" der Titel weist auf das 25jährige Bandjubiläum hin. Herausragende Improvisationen aus der Jazzgeschichte werden von "Underkarl" zu neuen Kompositionen geformt. Das ursprünglich spontane Solo eines Jazzklassikers dient als Grundlage für neue Klangfarben und neue melodische und harmonische Strukturen. Und das überträgt sich, unabhängig davon, ob man die Jazzklassiker kennt oder nicht, ob man das zu Grunde liegende Solo innerlich mithört oder nicht.

Zen-Funk mit der hr-Bigband

hr-Bigband mit Jim McNeely (Foto: hr/Dirk Ostermeier)
hr-Bigband mit Jim McNeely (Foto: hr/Dirk Ostermeier)

Beim Jazzfest Berlin kam letzten Herbst die Big Band des Hessischen Rundfunks zusammen mit dem Schweizer Pianisten und Komponisten Nik Bärtsch und seinem Quartett Ronin. Dieses Quartett spielt Zen-Funk, spielt Musik, die Funk, neue Klassik, japanische Ritualmusik und noch mehr zu einem einheitlichen Ganzen verbindet. JazzNow sendet das ganze Konzert von Nik Bärtsch, seines Quartetts "Ronin" und die hr-Bigband bei ihrem Auftritt beim Jazzfest Berlin am 5. November 2016 im Haus der Berliner Festspiele.


JazzNow

Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

Sie können die komplette Sendung auch bis zum darauffolgenden Sonntagabend online hören - wir stellen den Mitschnitt spätestens im Laufe des ersten Werktags nach der Sendung in die SR-Mediathek.

JazzNow gehört dem aktuellen Jazz. Hier werden Musiker und Musikerinnen in Specials gewürdigt und die regionale Jazzszene abgebildet. Auch die Aufnahmen der Veranstaltungsreihe "Jazz live with friends" kann man hier wiederfinden, und meistens gibt es auch einen CD-Tipp.

Redaktion: Johannes Kloth

Moderation: Thomas Kreutzer, Manuel Krass, Johannes Kloth