JazzNow: Allein vorm Publikum

Allein vorm Publikum

JazzNow

Mit Thomas Kreutzer  

Sendung: Sonntag 19.03.2017 20.04 bis 22.30 Uhr

Der Jazz ist weiter Kosmos. Und selbst jemandem, der sich intensiv mit dem Jazz beschäftigt, passiert es immer wieder, dass er exzellenten Jazz hört und den Namen des Interpreten noch nie gehört hat. Chano Domínguez? Kenne ich nicht!

Man zählt den andalusischen Pianisten Chano Domínguez zu den Begründern des Flamenco Jazz. Und tatsächlich verbindet Chano Domínguez auch in einigen seiner Projekte Jazz und Flamenco. Jetzt ist er in der Königsdisziplin Soloklavier angetreten, sein gerade erschienenes Album "Over the Rainbow" ist live im Konzert eingespielt.

Er sagt, es sei in einem Studio sehr schwer, die Energie zu generieren, die man für ein Soloalbum braucht. Daher habe er sich entschlossen, das Album während eines Konzerts aufzunehmen – durch die Interaktionen des Spielers und des Publikums sei es leichter, Energie zu schöpfen. In seinem neuen Album "Over the Rainbow" ist von Flamenco übrigens wenig zu spüren – dies ist moderner Jazz. Die Stücke sind Eigenkompositionen, einige Standards sind auch dabei und auch einige Stücke, die dadurch überraschen, dass sie jazzfern sind, etwa "Gracias a la vida" von Violeta Parra.

Jasmin Tabatabai (Foto: Stefan Klueter)
Jasmin Tabatabai

Sankt Ingbert wirft seine Schatten voraus: vom 30. März bis zum 2. April findet dort das 31. Internationale Jazzfestival unter dem Motto "Experience" statt. In den vier Tagen gibt es einiges zu hören, explosiven Balkan-Sound, das Lucia Cadotsch Trio, Sinti-Jazz mit dem Geiger Sandro Roy und noch einiges mehr. Das genaue Programm findet man bei experience-jazz.de. JazzNow gibt einen Vorgeschmack auf Sankt Ingbert mit Musik der Vokalgruppe "Manhattan Transfer" und der Sängerin Jasmin Tabatabai.

PLURISM (Foto: Pressefoto)
PLURISM

Die Band "Plurism" des Schlagzeugers Dominic Egli besteht aus drei Schweizern und dem südafrikanischen Trompeter Feya Faku. Das neue Album "More Fufu" ist eine bunte Liebeserklärung an den afrikanischen Kontinent, ohne allzu sehr in Folklore zu verfallen. Durch die zwei Bläser und das fehlende Harmonieinstrument wirkt die Klangästhetik des Albums auf das Wesentliche beschränkt, fast asketisch – was im Kontrast steht zum opulenten Erfindungsreichtum und Improvisationsvermögen der vier Musiker.

Afrika ist noch lange nicht zur Ruhe gekommen, aber zumindest gibt es dort keine staatlich verordnete Rassentrennung mehr. Vor 25 Jahren – am 17. März 1992 – kam in Südafrika ihr Ende. An diesem Tag war das entscheidende Referendum, bei dem Präsident de Klerk ermächtigt wurde, die Apartheid abzuschaffen. JazzNow sendet aus diesem Anlass Musik des südafrikanischen Pianisten Abdullah Ibrahim. Er ist gleichermaßen beeinflusst von den Kompositionen Duke Ellingtons wie von Klängen aus den südafrikanischen Townships. Einige Stücke von Abdullah Ibrahim waren zeitweise inoffizielle Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika.

Der Pianist Yaron Herman ist Israeli, hat in Berkeley und in Paris studiert und lebt in seiner Wahlheimatstadt Paris. Sein Klaviertrio-Jazz ist angereichert mit allerhand elektronisch generierten Klängen. Bei ihm klingt Elektronik nicht als hinzugefügtes Additiv, sondern sie ist integraler Teil des Ganzen, ist Teil schon der Komposition. JazzNow stellt sein neues Album "Y" vor.

Lauma (Foto: Musikverlag)
Espoo Big Band

Espoo ist nach Helsinki die zweitgrößte Stadt Finnlands. Dort gibt es eine Big Band, die sich sehen lassen kann – die Espoo Big Band. Der Leiter Marzio Nyman ist auch Gitarrist in dem Jazzrockquartett "Husband". Auf ihrem neuen Album "Lauma" präsentiert die Espoo Big Band Musik von "Husband". Marzi Nyman sagt von seinem Quartett: "Wir spielen sehr laut, mit einem dicken Sound. Nun wollte ich diese vierköpfige Familie mit meiner anderen Familie, der Big Band, kombinieren, um die beiden Arten von Energie zusammenzubringen. Und das hat sehr gut funktioniert.“

Der Kornettist Ruby Braff ist kein Vertreter des Dixieland-Revivals, nein, er ist original old fashioned, schon immer. Seine Tragik liegt darin, dass er sein Leben lang die Musik seiner Elterngeneration gespielt hat, an etwas anderem hatte er einfach kein Interesse. Er wirkt anachronistisch, wie ein Zeitreisender, der bei seiner Rückkehr im falschen Jahrzehnt gelandet ist, wie ein etwas wunderlicher, durchaus sympathischer, schrulliger Eigenbrötler. Letzte Woche wäre er 90 Jahre alt geworden, JazzNow würdigt ihn.

Curtis Stigers (Foto: dpa)
Curtis Stigers

Der Sänger Curtis Stigers hatte in den 90er Jahren große Erfolge mit Pop-Balladen und Filmmusiken. Ab den nuller Jahren gab es dann eine Wende zum Jazz hin, so hatte er auch einst angefangen. Am 19. Januar war Curtis Stigers zusammen mit der SWR Big Band hier an der Saar im Rahmen von Jazz live with Friends in der Gebläsehalle Neunkirchen. Sein Programm trug den Titel "The Las Vegas Show", mit vielen Stücken aus dem Great American Songbook. JazzNow sendet den zweiten Teil des Konzerts, den ersten Teil hatten wir schon letzen Sonntag im Programm.



JazzNow

Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

Sie können die komplette Sendung auch bis zum darauffolgenden Sonntagabend online hören - wir stellen den Mitschnitt spätestens im Laufe des ersten Werktags nach der Sendung in die SR-Mediathek.

JazzNow gehört dem aktuellen Jazz. Hier werden Musiker und Musikerinnen in Specials gewürdigt und die regionale Jazzszene abgebildet. Auch die Aufnahmen der Veranstaltungsreihe "Jazz live with friends" kann man hier wiederfinden, und meistens gibt es auch einen CD-Tipp.

Redaktion: Johannes Kloth

Moderation: Thomas Kreutzer, Manuel Krass, Johannes Kloth

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