Simone Peter im Interview der Woche

Peter räumt Fehler in ihrer Zeit als Grünen-Chefin ein

Im Interview der Woche: Simone Peter (Bündnis 90/Die Grünen)

Andrea Müller / Onlinefassung: Uli Hauck/Axel Burmeister   13.01.2018 | 10:00 Uhr

Am vergangenen Montag wurde bekannt, dass die Saarländerin Simone Peter nicht mehr für den Bundesvorsitz der Grünen kandidieren wird. Während Cem Özdemir seinen Rückzug schon im vergangenen Jahr angekündigt hat, wollte die 52-Jährige lange Zeit erneut auf der Bundesdelegierten-Konferenz der Grünen antreten. Jetzt also der Abschied von der Parteispitze.

Sendung: Samstag 13.01.2018 12:45

Rückblickend sagt Simone Peter im SR-Interview, sie habe in ihrer gut vierjährigen Zeit als Grünen-Chefin viel erreicht. Sie habe die Themen Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit vorangebracht und die Partei besser vernetzt. Außerdem habe sie sich für die Flüchtlinge eingesetzt. Peter sagte, sie sei an vielen Orten gewesen wo es wirklich weh tut, wo Europa keine menschliche Neigung zeigt. Auf diese schwierige Situation will sie auch weiterhin aufmerksam machen.

Zu ihren Fehlern habe gehört, dass sie sich bei der Ur-Wahl als es um die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ging nicht beteiligt hat. "Da hätte ich die Machtfrage stellen sollen." Außerdem habe sie sich manchmal zu lange mit sich selbst beschäftigt, bevor sie in Beratungen mit anderen gegangen ist. Zum angespannten Verhältnis zum dominanten Co-Vorsitzenden Cem Özdemir wollte sich Peter nicht konkret äußern. Nur so viel: "Es war nicht immer einfach!" Jetzt werde man eine gute Verabschiedung auf dem Parteitag organisieren und dann wird jeder seinen Weg suchen. Zu ihren künftigen politischen Zielen hat sich Peter nicht geäußert. Sie will erst mal durchatmen und die spannenden letzten vier Jahre reflektieren: "Das ist gut und dann kommt irgendwas Neues."

Grüne nach Jamaika-Sondierungen gut aufgestellt

Trotz des Scheiterns von Jamaika, hätten die Grünen von den Gesprächen profitiert. Es sei eine Stärke gewesen, dass sich die Partei in den Jamaika-Sondierungen kompromissbereit gezeigt habe, ohne die Glaubwürdigkeit abzugeben. Man habe gezeigt, dass man bei Klima, Bürger- und Menschenrechten und Europa die progressive Kraft sei. Das sehe man jetzt auch an den aktuellen Umfragen, die Grünen seien gestärkt hervorgegangen. Trotz der Annäherung an die CDU sollten die Grünen auch weiterhin daran arbeiten mit SPD und Linkspartei bündnisfähig zu sein.

„Ich halte alle drei Kandidaten für sehr geeignet.“

"Mein Anliegen war es immer, dass sich alle Meinungen und Strömungen in der Parteispitze wiederfinden", sagt Peter zur personellen Neuaufstellung. Deshalb finde sie es richtig, wenn auch in der Partei weiter - wie in der Fraktion auch - beide Flügel berücksichtigt werden.

Die Bundestagsfraktion hatte am Freitag Katrin Göring-Eckardt vom Realo-Flügel und den Partei-Linken Anton Hofreiter als Fraktionsvorsitzende bestätigt. Aus Sicht von Simone Peter sind Flügel Kernbestandteile jeder Partei. Ihren Rückzug habe sie sich in der Weihnachtspause überlegt.  Sie habe gemerkt, dass es vielen Mitgliedern nicht nur um eine Auswahl an Kandidaten für den Parteivorsitz geht, sondern um einen personellen Neuanfang. Das akzeptiere und das respektiere sie, so Peter im Interview der Woche.

Hintergrund:

Interview zur Lage der Grünen
Simone Peter gibt Parteivorsitz auf
Simone Peter und Cem Özdemir werden nicht mehr um den Bundesparteivorsitz der Grünen kandidieren. Das Rennen um die dadurch frei werdenden Plätze ist zurzeit noch offen, meint Hauptstadtkorrespondentin Angela Ulrich im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

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