Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

„Verschlimmbesserung"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 19.05.2017 15:20 Uhr

und Samstag, 20.05.2017 in "Der Morgen"

Nr. 624

Nicht dass Sie denken, ich sei ein Sprach-Nationalist. Hielte die deutsche Sprache irgendwie für den anderen überlegen. Oder zählte gar voll Stolz die deutschen Worte, die von anderen Sprachen übernommen wurden. Dass der finnische Klugscheißer dort „Besserwisser“ heißt, die Engländer ihrem Sprachschatz „Bratwurst, Blitzkrieg und Gemütlichkeit“ einverleibt und unsere französischen Nachbarn sich neben ebenfalls dem Blitzkrieg auch das „Berufsverbot“ ausgeliehen haben, scheint mir nicht eben ein Anlass zu Überheblichkeit.

Zu den Worten, die es schon aus Aussprachegründen vermutlich nie in eine andere Sprache schaffen werden, gehört das schöne deutsche Verb „verschlimmbessern“. Jene weitverbreitete Übung also, im verzweifelten Bemühen um die Korrektur von Fehlern aus dem schon angerichteten Schaden ein komplettes Fiasko zu machen. Folgt man meiner Nachbarin Barscheck, habe auch ich ein gewisses Talent für diesen Sport. Ich verzichte hier auf eine Gegenrede – das würde alles nur noch schlimmer machen.

„Verschlimmbessern“, sagen die Sprachspezialisten, sei sogar unübersetzbar. Gehört also ganz uns, den Deutschen. Ist doch auch schon was. Und das, obwohl der unangefochtene Meister dieser Kunst nicht in unserem Heimatland zu finden ist. Der Titel des „Godfather of Verschlimmbesserung“ gebührt einzig und allein dem besten Präsidenten, den die USA je zu ertragen hatten, Donald Trump. Der es immer wieder zuverlässig schafft, sich mit einem beherzten Tweet noch tiefer in den shit zu reiten, den er vorher produziert hat.

Er habe Geheiminformationen leichtfertig an den russischen Außenminister ausgeplaudert? Aber nicht doch! Das sei „falsch“ muss der Sprecher des Goldenen Hauses verkünden. Noch in der gleichen Nacht rumpelt der beleidigte Präsidentendarsteller per Twitter, es sei sein „absolutes Recht“ geheime Informationen wem auch immer zu geben. Worauf sein armes Sprecher-Würstchen tags darauf mit hermeneutischer Spitzfindigkeit erläutern muss, dass er nicht den Tatbestand als solchen für falsch erklärt habe, sondern falsch sei, dass das dem Präsidenten vorzuwerfen sei.

Offenbar war das noch nicht peinlich genug. 24 Stunden später hieß die offizielle Version dann: Trump sei nicht darüber informiert gewesen, das Geheiminformationen geheim seien. Er wusste nicht, was er tat. Ein Verdacht, den viele schon lange hegen.

Manchmal, so sein Pressesprecher, hätten sie einfach keine Gelegenheit, mit dem Chef zu sprechen. Und das ist gut so! Ein weiterer Beleg für die unglaublichste Arbeitsleistung, die je ein amerikanischer Präsident vollbracht hat! In Trumps schlichten Worten: Er sei eben ein so aktiver Präsident, bei dem soviel geschehe, dass seine Mitarbeiter nicht immer mit perfekten Statements an die Öffentlichkeit gehen könnten. Yes! Selbst seine Fehler sind die besten Fehler der Welt. Und seinen FBI-Chef hat er ja nur gefeuert, weil der einen schlechten Job gemacht hat und weil ihm das seine Mitarbeiter empfohlen hätten. Gutes Statement, wenn das präsidiale Plappermaul nicht noch am gleichen Abend  im Fernsehen großgekotzt hätte, er habe den Mann schon lange feuern wollen. The Master of Verschlimmbesserung!

Das Wort soll übrigens von Georg Christoph Lichtenberg stammen. Dem wir auch die folgende Erkenntnis verdanken:  „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.“ Besser kann man es nicht sagen.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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