Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

„Die Waffen hoch..."

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 17.03.2017 15:20 Uhr

und Samstag, 18.03.2017 in "Der Morgen"

 Nr. 615

Nicht dass Sie denken, ich sei ein unverbesserlicher Pazifist. Was gäbe es auch zu verbessern an einer, wie Wikipedia definiert, „ethischen Grundhaltung, die den Krieg prinzipiell ablehnt und danach strebt, bewaffnete Konflikte zu vermeiden“? Nur weil der Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen“ schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, ist er ja nicht gleich falsch geworden.

Zumal die Bilanz der neudeutsch gerne „Friedensmissionen“ genannten Kriegseinsätze im weltweiten „war on terror“ nicht gerade nach einer Erfolgsgeschichte aussieht. Man muss kein eingefleischter Pazifist sein, um angesichts der Opferzahlen solcher Kriege zu erschrecken. Unsere Bundesregierung aber bleibt unerschrocken.

In der Antwort auf eine große Anfrage der Linken zur Bilanz der Anti-Terror-Einsätze im Irak, in Afghanistan und Pakistan steht der lakonische Satz „Die Bundesregierung führt keine eigenen quantitativen Studien und Statistiken zu Opfern in Ländern, in denen die Bundeswehr militärisch beteiligt ist.“ Sprich, wir beteiligen uns zwar an den Kriegen, aber wir wissen nicht, wieviele Menschen dabei draufgehen. Und machen weiter unter dem Motto: Frieden schaffen mit mehr Waffen. Und natürlich besseren.

Und deswegen muss natürlich der Verteidigungshaushalt aufgerüstet werden. Wo doch der Große Dekretor im Weißen Haus die Marschroute vorgegeben hat, die da lautet: „Wir müssen wieder Kriege gewinnen!“ Und seinen Verteidigungsminister James Mattis schon mal nach good old Europe geschickt hat, um klar zu machen, wohin der Wind weht. Nämlich in Richtung deutlich erhöhter Militärausgaben.

Der alte Haudegen hat sich ja seinen Spitznamen „Mad Dog“ wahrlich verdient. Mit Sätzen wie „Also, ich muss sagen, das Kämpfen macht viel Spaß. Es macht eine ganze Menge Spaß ... Es macht Spaß, ein paar Leute zu erschießen.“ Ein verrückter Hund – mit dem man sich besser nicht anlegt. Also bekommt im neuen Bundeshaushalt, dessen Eckdaten Wolfgang „Die Schwarze Null“ Schäuble gerade vorgelegt hat, das  Bundesverteidigungsministerium den größten Nachschlag. Für 2018 schon mal 1,4 Milliarden mit der großen Suppenkelle aufs Essgeschirr geklatscht und bis 2021 nochmal 3,6 Milliarden obendrauf. Damit die Truppe von Uschi auch groß und stark wird und die „vielen neuen Aufgaben“, von denen die Truppenmutter nicht müde wird zu sprechen, auch bewältigen kann.

Zum Beispiel muss dringend Afrika „stabilisiert“ werden, sagt sie. Eine Wortwahl, die ein wenig daran erinnert, wie damals die Anleitung für das beliebte Kriegsspiel „Risiko“ modernisiert wurde: Wo es früher hieß: „Erobere“ möglichst viele Länder deiner Wahl, stand dann „befreie“ diese Länder. „Stabilisieren“ wäre auch gegangen.

Aber das macht ja jetzt Uschi, die bewährte Kampfdrohne, die den amerikanischen Spaß-Killer James Mattis vertraulich Jim nennt. Ein klitzekleines Problem hat sie höchstens damit, die frisch erhaltenen Milliarden auch auszugeben. Gar nicht so einfach, berichtet uns die Tagesschau. Neues Militärgerät steht ja nicht einfach im Laden um die Ecke. Solche Anschaffungen dauern ihre Zeit – wir erinnern uns an den „Jäger 90“, der so hieß, weil er im Jahre 1990 bei der Truppe eingeführt werden sollte, dann aber erst vor wenigen Jahren als Eurofighter bei der Bundeswehr ankam. Aber irgendwie wird unsere Uschi den Geldsegen schon unter die Rüstungsfirmen bringen.

Meine Nachbarin Barscheck jedenfalls übt schon wieder „We shall overcome“ auf der Klampfe. Und stellt sich vor, es sei Krieg und keiner ginge hin. Auch so ein alter Pazifistenspruch.



Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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