Georges Perec und Eugen Helmlé (1969)

  20.11.2006 | 18:40 Uhr

Georges Perec, Paris, und Eugen Helmlé, Saarbrücken (1969)

Archiv

Begegnung in Saarbrücken. Georges Perec, Paris, und Eugen Helmlé, Saarbrücken (1969)

"sie lebten in einer fremden schillernden welt im spiegelnden universum der merkantilen zivilisation in den gefängnissen der fülle in den faszinierenden fallen des glücks"

Zur Person Georges Perec

Georges Perec wurde als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen 1936 in Paris geboren. Der Vater starb im Krieg, die Mutter wurde in Konzentrationslager deportiert. Das Kind wuchs bei Verwandten auf. Perec studierte Geschichte, Literatur und Soziologie an der Sorbonne, ohne Abschluß. 1958/59 leistete er Militärdienst, 1961 lebte er in Tunis.

Für seinen ersten Roman "Les Choses", ("Die Dinge"), erhielt Perec 1965 den prix Renaudot. Die Erzählung "Quel petit vélo à guidon chromé au fond de la cour?", ("Was für ein kleines Moped mit verchromter Lenkstange steht dort im Hof?") erschien 1966. Perec gehörte seit dieser Zeit der Pariser Gruppe OuLiPo an, "Ouvroir de Littérature Potentielle", ("Werkstatt für potentielle Literatur"). 1969 erschien "La Disparition", ("Anton Voyls Fortgang"), ein Roman ohne den Buchstaben e, 1972 "Les Revenentes", ("Dee Weedergenger"), mit e als einzigem Vokal. Für "La Vie mode d’emploi", ("Das Leben Gebrauchsanweisung") erhielt Perec 1978 den prix Médicis. Erst dieser Erfolg ermöglichte ihm, den Brotberuf in einem medizinischen Archiv aufzugeben. Georges Perec schrieb auch Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher, Kreuzworträtsel. Er starb 1982.

Zur Person Eugen Helmlé

Eugen Helmlé ist 1927 in Ensdorf/Saar geboren. Er lebte seit 1949 im saarländischen Sulzbach. Er studierte Romanistik an der Universität des Saarlandes und hatte dort 1970 bis 1982 einen Lehrauftrag für Spanisch. Längere Aufenthalte in Spanien und regelmäßige Reisen nach Paris wechselten einander ab.

Bekannt wurde er 1960 mit der Übersetzung von Raymond Queneaus "Zazie in der Métro". Seine wichtigsten französischen Autoren waren Emil Ajar, Pierre Albert-Birot, Louis Aragon, Albert Cohen, Alfred Jarry, René de Obaldia, Georges Perec, Christian Rochefort, Georges Simenon, Philippe Soupault, Boris Vian. Aus dem Spanischen übersetzte er Max Aub, Pere Gimferrer und zeitgenössische Lyriker.

1972 erhielt er den Kulturpreis des Saarlandes. Eugen Helmé starb im Jahr 2000. Der Saarländische Rundfunk und die Stiftung ME Saar würdigen sein Werk durch den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, der seit 2005 jährlich abwechselnd an einen deutschen und einen französischen Übersetzer verliehen wird.

Die Sendung: Öffentliche Lesung aus dem Werk Georges Perecs, abwechselnd lesen der Übersetzer Eugen Helmlé und der Autor.
Aufnahme: 24. 2. 1969, Funkhaus Halberg, M 3
Erstsendung: 26. 6. 1969, 20.30-21.30 Uhr, SR 2, Reihe "Donnerstagsstudio Literatur"

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