Französische und deutsche Literatur (1968/69)

  20.11.2006 | 18:22 Uhr

Begegnung in Saarbrücken. Französische und deutsche Literatur Eugen Helmlé und René de Obaldia bei dessen Aufnahme in die Académie Française

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Französische und deutsche Literatur. René de Obaldia, Paris und Eugen Helmlé, Saarbrücken (1969/68)

"familiengeist das gericht fragte den verbrecher warum ermorden sie systematisch die greise mit bart der angeklagte zog seine jacke aus und zerriß sein hemd auf seinem oberkörper tief eintätowiert ein sterbender christus am kreuz er antwortete mit fester stimme wir haben den sohn gekriegt wir werden eines tages auch noch den vater kriegen"  

Zur Person René de Obaldia

René de Obaldia wurde 1918 in Hongkong als Sohn des Konsuls von Panama und einer französischen Mutter geboren und wuchs in Frankreich auf. 1940 bis 1944 war er in Kriegsgefangenschaft. 1949 veröffentlichte er den ersten Gedichtband "Midi", 1952 die Prosasammlung "Les Richesses naturelles" ("Die Reichtümer der Natur"). 1952 bis 1954 war er Generalsekretär des "Centre culturel international" in Royaumont. Dann leitete er einen Verlag und war Mitglied im Programmkomitee des französischen Fernsehens.

1956 erschien der erste Roman "Tamerlan des cœurs" ("Tamerlan der Herzen"). Für den zweiten Roman "Le Centenaire" ("Der Hundertjährige") erhielt der Autor 1960 den prix Combat. Im selben Jahr bekam er den prix de la Critique dramatique für das Theaterstück "Génousie". Er ist seither vor allem als Dramatiker bekannt. Besonders erfolgreich war das Stück "Du vent dans les branches de Sassafras" ("Wind in den Zweigen des Sassafras") von 1966. 1999 wurde René de Obaldia als Nachfolger Julien Greens in die Académie Française gewählt. 

Zur Person Eugen Helmlé

Eugen Helmlé ist 1927 in Ensdorf/Saar geboren. Er lebte seit 1949 im saarländischen Sulzbach. Er studierte Romanistik an der Universität des Saarlandes und hatte dort 1970 bis 1982 einen Lehrauftrag für Spanisch. Längere Aufenthalte in Spanien und regelmäßige Reisen nach Paris wechselten einander ab.

Bekannt wurde er 1960 mit der Übersetzung von Raymond Queneaus "Zazie in der Métro". Seine wichtigsten französischen Autoren waren Emil Ajar, Pierre Albert-Birot, Louis Aragon, Albert Cohen, Alfred Jarry, René de Obaldia, Georges Perec, Christian Rochefort, Georges Simenon, Philippe Soupault, Boris Vian. Aus dem Spanischen übersetzte er Max Aub, Pere Gimferrer und zeitgenössische Lyriker.

1972 erhielt er den Kulturpreis des Saarlandes. Eugen Helmé starb im Jahr 2000. Der Saarländische Rundfunk und die Stiftung ME Saar würdigen sein Werk durch den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, der seit 2005 jährlich abwechselnd an einen deutschen und einen französischen Übersetzer verliehen wird.

Die Sendung: Öffentliche Lesung aus dem Werk René de Obaldias, abwechselnd lesen der Übersetzer Eugen Helmlé und der Autor. 
Aufnahme: 18. 12. 1968, Funkhaus Halberg, M 3
Nachträglich eingeblendete Zwischenmusik von Jacques Leduc (geb. 1932) und Jean Françaix (1912-1997)
Nachträgliche Ansagen: Arnfrid Astel
Aufnahmeleitung: Nestor Xaidis
Erstsendung: 12. 6. 1969, 20.30-22.00 Uhr, SR 2, Reihe "Donnerstagsstudio Literatur"

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