Frau putzt sich die Nase (Foto: dpa)

Darf ich krank zur Arbeit gehen?

  20.10.2017 | 00:00 Uhr

Es ist wieder Erkältungszeit! Doch viele Arbeitnehmer gehen trotz Krankschreibung zur Arbeit. Ist das überhaupt erlaubt? Welche Konsequenzen kann es haben, krank zu arbeiten?

Da eine triefende Nase, dort ein Mülleimer voller Taschentücher - Alltag in vielen Büros. Aber krank zur Arbeit ist eher eine schlechte Alternative, auch wenn man die Kollegen nicht hängen lassen will. Wer krank arbeitet, steckt womöglich die noch gesunden Kollegen an. Außerdem kann man seine Krankheit nicht richtig auskurieren und fällt schlimmstenfalls noch länger aus.

Arbeiten trotz Krankenschein?

Die wichtigste Frage ist: "Darf ich arbeiten, obwohl ich einen Krankenschein vom Arzt habe?" Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitnehmer selbst entscheidet, ob er trotz Krankschreibung arbeiten geht oder eben nicht.

Ein Krankenschein ist kein Arbeitsverbot. Wer sich also fit genug fühlt, vor Ablauf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch den Arzt, darf also ohne Bedenken zur Arbeit gehen. Das führt daher nicht zu rechtlichen Konsequenzen.

Krankmeldung: Was rechtlich gilt
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Krankmeldung: Was rechtlich gilt

Der Krankenschein ist lediglich ein Nachweis, dass der Arbeitnehmer krank ist und wie lange er nicht arbeiten sollte. Da die Prognose des Arztes auch mal daneben liegen kann, ist es auch kein Problem einen Krankenschein einfach zu verlängern. Um nach der Krankmeldung wieder arbeiten zu dürfen, ist natürlich auch keine "Gesundmeldung" erforderlich.

Darf der Chef mich krank nach Hause schicken?

Wer krank zur Arbeit kommt, kann nicht davon ausgehen, dass man dann auch arbeitet. Der Chef hat gegenüber aller Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht und darf daher einen kranken Kollegen auch nach Hause schicken. Außerdem besteht im Zweifel auch eine rechtliche Haftung gegenüber Dritter, wenn diese durch einen kranken Mitarbeiter zu Schaden kommen.

Bleibt mein Versicherungsschutz bestehen?

Man verliert seinen Schutz in der gesetzlichen Unfallversicherung nicht. Das heißt, man ist sowohl auf der Arbeit als auch auf dem Weg dorthin weiterhin unfallversichert. Schwierig wird's aber, wenn ein Unfall auf Grund der Krankheit passiert. Wenn man zum Beispiel die Grippe hat, deswegen einen Schwindelanfall bekommt und in eine Maschine fällt.
Übrigens: Wer im Voraus Krankengeld von der Krankenkasse erhält und vor Ende der Krankschreibung wieder zur Arbeit geht, muss das erhaltene Geld (anteilig) wieder zurückzahlen.

Alles in allem lohnt es sich also nicht, krank arbeiten zu gehen. Weder finanziell noch gesundheitlich. In diesem Sinne: Gute Besserung ;-)

Auch Thema in der SR 1 Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen' am 20.10.2017.

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