Die Saarbahn steht an einer Haltestelle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Kostenloser Nahverkehr in Deutschland?

  14.02.2018 | 15:04 Uhr

Einfach in Bus und Bahn einsteigen, ohne auch nur einen Cent zu bezahlen? Das wäre sicher für viele ein Traum - der Realität werden könnte, denn die deutsche Luft muss sauberer werden. Das verlangt die EU-Kommission. Eine Lösung für dieses Problem sieht die Bundesregierung im kostenfreien Nahverkehr.

Die Idee klingt fast unglaublich: Gratis im Nahverkehr von Großstädten unterwegs sein. Nachdem die EU-Kommission fordert, dass die Luft in Deutschland sauberer werden soll, entwickelte die Bundesregierung verschiedene Lösungsansätze. Für die Umsetzung für Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität verspricht Bundeskanzlerin Merkel den Kommunen ein Sofortprogramm von einer Milliarde Euro. Denn sollte es nicht gelingen, die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden einzuhalten, droht Deutschland eine Klage.

So einfach ist die Idee mit dem kostenlosen Nahverkehr zwar nicht, da die zuständigen Bundesländer und Kommunen mitziehen müssen. Ziel ist es jedoch, dass sich die Zahl privater Autos verringere. Das versprechen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) dem EU-Umweltkommissar Karmenu Vella.

Geteilte Meinungen zum kostenfreien Nahverkehr

Die Maßnahme soll in fünf Städten getestet werden: Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim. Wenn die Idee dort funktioniert, soll sie bundesweit umgesetzt werden. Doch am Nahverkehr muss noch nachgebessert werden, wie der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft Alexander Kirchner kritisiert, da Ausfälle, Verspätungen und überfüllte Züge in Stoßzeiten die Regel seien. "Das ermuntert niemanden, das Auto stehen zu lassen, selbst wenn die Fahrt mit dem Nahverkehr nichts kostet." Verdi-Chef Frank Bsirske hingegen sieht einem kostenfreien Nahverkehr positiv entgegen. Er halte das für eine "hervorragende Initiative". Das helfe sowohl der Umwelt als auch den Bürgern.

"Wir haben da noch sehr viele Hausaufgaben zu machen"

Kostenloser Nahverkehr im SaarVV?
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Kostenloser Nahverkehr im SaarVV?

Elke Schmidt vom SaarVV sieht einerseits "steigende Fahrgastzahlen", was positiv für den ÖPNV wäre, aber auf der anderen Seite stehen viele Baustellen auf dem Weg, die behoben werden müssten, bevor ein kostenfreier ÖPNV eingeführt werden könnte. Durch einen solchen Vorstoß müssten diverse Angelegenheiten geregelt werden, wie die Frage der Finanzierung und eine Überarbeitung des Liniennetzes sowie der Fahrpläne. "Wenn einem der Bus vor der Nase wegfährt, bringt einem das auch nichts", erklärt Schmidt.

Auch in der Infrastruktur müsste sich, so Schmidt, einiges ändern. Damit zum Beispiel Busse schneller vorankommen, wären Busspuren nötig und für Fahrgäste bräuchte die Stadt Park & Ride Plätze. Außerdem müsste der SaarVV zahlreiche neue Fahrzeuge kaufen, aber auch neue Fahrer einstellen, um die steigenden Fahrgastzahlen überhaupt stemmen zu können. "Auf dem Arbeitsmarkt gute Busfahrer zu bekommen, ist sehr schwierig." Es gebe "noch sehr viele Hausaufgaben zu machen in der Qualitätssicherung und in der Tarifstruktur", so Schmidt.

Kostenloser Nahverkehr
> Wer soll das bezahlen?


Auch Thema auf SR 1 in der Sendung "Hallo Saarland" am 14.02.2018.

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