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Richtiges Verhalten bei Gewitter

  01.08.2017 | 10:18 Uhr

Zuhause sollte man nicht telefonieren und auf das Baden verzichten. Und für den Aufenthalt im Freien gibt es Sprüche wie: "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen." Um Gewitter ranken sich zahlreichen Mythen und Unwahrheiten. Doch wie verhalte ich mich richtig, wenn es blitzt und donnert? Wir haben einige Tipps zusammengestellt.

Trockene Gewitter sind gefährlicher

In den vergangenen Wochen gab es in den Medien immer wieder Meldungen, dass Menschen quasi aus "heiterem Himmel" von einem Blitz getroffen wurden. Diese Trockengewitter werden von Blitzen begleitet. Der Regen bleibt dagegen wegen der geringen Luftfeuchtigkeit aus.

Sicher durchs Gewitter
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Sicher durchs Gewitter

Duschen, Telefonieren, Fernsehen

In Gebäuden ohne Blitzschutzsystem an den Strom- und Versorgungsleitungen sollten Sie bei Gewitter auf Kontakt zu Metallleitungen, das Duschen und das Telefonieren mit einem Schnurapparat verzichten sowie die Stecker der Elektrogeräte herausziehen", rät der deutsche Feuerwehrverband.

Auch in Neubauten gibt es aus Expertensicht keinen 100-prozentigen Schutz vor Blitzeinschlägen. Denn heute finde man eigentlich keine Gebäude ohne Metallleitungen mehr, so Prof. Dr. Marc Klemm von der HTW Saar.

Schutz für empfindliche Elektro-Geräte

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt: "Nehmen Sie empfindliche Geräte vom Netz oder verwenden Sie einen Überspannungsschutz." Die entsprechenden Geräte gibt es im Handel. Eine lohnende Investition. Denn gerade empfindliche Elektro-Anlagen können durch einen Blitzschlag auch in weiterer Entfernung kaputt gehen. Dieser Überspannungsschutz ist übrigens sogar empfehlenswert für Häuser mit Blitzableiter. Denn ein Blitzschlag ist immer mit enormen Stromstärken verbunden.

Schutz für Tiere

Haus- oder Nutztiere können durch Unwetter stark verängstigt werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät den Besitzern deshalb, zu versuchen, die Vierbeiner zu beruhigen. Zudem sollten sie darauf achten, dass die Tiere den geschützten Bereich nicht verlassen können.

Auch das Auto ist sicher

"Ein festes Gebäude ist der sicherste Platz bei einem Unwetter", steht für den Deutschen Feuerwehr Verband fest. Alternativ biete sich auch ein geschlossenes Kraftfahrzeug Schutz. Denn sein Metallgehäuse bildet einen sogenannten Faradayschen Käfig, der den Blitzstrom abhält. Allerdings ist das Auto bei einem Blitzschlag nur so lange unbedenklich, wie eine Berührung des Metalls von Innen ausgeschlossen ist. Zudem sollten Fenster und Schiebedächer geschlossen werden.

Weitere Tipps für den Aufenthalt im Freien

Die gefährlichste Situation ist, wenn man sich allein auf freier Fläche, etwa einer großen Wiese, befindet. Denn dann ist ein Mensch der höchste Punkt und ein Blitz sucht sich in der Regel immer den einfachsten Weg. Dr. Jörg Honerla, Physiker und Blitzexperte von der Universität Duisburg-Essen, rät in so einem Fall: „Man sollte versuchen, sich immer einen Graben oder eine Kuhle zu suchen, sich dort hinein zu hocken, die Füße aneinander zu halten, sich nicht mit den Händen abzustützen und so hingekauert hocken zu bleiben.“ Auf keinen Fall solle man sich flach auf den Boden legen. Denn im Falle eines Blitzschlags fließt der Strom dann durch den ganzen Körper.

Zudem sollte man sich nicht direkt unter einen großen Baum stellen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens, die herumfliegenden Holzsplitter, falls der Baum getroffen wird und zweitens könne der Blitz vom Baum auf einen direkt darunter stehenden Menschen überspringen, erklärt der Blitzexperte. So könne der Mensch durch den Strom verletzt werden. Klar ist: Masten, Metallzäune und andere Metallkonstruktion sollte man auch auf jeden Fall meiden, denn die ziehen Blitze an! 

Mitten im Wald ist es nach Einschätzung von Jörg Honerla etwas weniger gefährlich, schließlich habe der Blitz bei den hunderten oder gar tausenden Bäumen eine größere Auswahl. Zu besonders hohen Bäumen solle man aber möglichst zehn Meter Abstand halten. Und der Blitzforscher rät außerdem, sich auch hier wieder hinzukauern. Ebenso wie der Deutsche Feuerwehrverband, der darauf hinweist, das „mindestens drei Meter von Bäumen oder Astspitzen entfernt“ zu tun.

Um welchen Baum es sich handelt ist laut Professor Marc Klemm von der Saarbrücker HTW übrigens egal. Er hat eine Ergänzung für das alte Sprichwort:

"Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen, das Ergebnis wird sich gleichen: Du gehörst zu den Leichen."

Über dieses Thema wurde auch in "Dein Vormittag im Saarland" am 01.08.2017 auf SR 1 berichtet.

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