In München gab es bereits vor Jahren ein Volksbegehren zu G9. Zu sehen ist ein Plakat der zugehörigen Kampagne. (Foto: dpa)

Volksbegehrens wohl gescheitert

  11.01.2018 | 22:21 Uhr

"Gute Bildung braucht Zeit" lautet das Motto der Elterninitiative "G9-jetzt! Saarland". Mit einem Volksbegehren wollte sie eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium erreichen. Vom 4. Oktober 2017 bis zum 3. Januar 2018 konnte man dieses Ziel mit seiner Unterschrift unterstützen. Doch es kamen wohl nicht genügend Stsimmen zusammen.

G8 bedeutet zu viel Stress für die Kinder

Vor 16 Jahren hat der saarländische Landtag als erster 'G8', das achtjährige Gymnasium, eingeführt. Abitur in neun Jahren, das ist im Saarland nur noch an einer Gemeinschaftsschule oder einem berufsbildenden Gymnasium möglich. Viele Eltern sind damit nicht zufrieden. Sie kritisieren, dass das gestraffte Lernpensum am Gymnasium für ihre Kinder eine zu hohe Belastung bedeutet, die zu viel Druck und Stress verursacht.

Volksbegehren für eine Rückkehr zu G9
Audio [SR 1 Hallo Saarland 27.09.2017]
Volksbegehren für eine Rückkehr zu G9
Die Sprecherin der Elterninitiative "G9-Jetzt!", Katja Oltmanns, erläutert ihre Beweggründe

"Im Grunde haben die Kinder einen Tagesablauf, der dem eines Erwachsenen entspricht", stellt Katja Oltmanns fest; sie ist eine der Initiatoren der Elterninitiative "G9-jetzt! Saarland". Die Initiative ist der Überzeugung, dass das Lernen in der Schule viel Zeit erfordert. Und dass die Kinder darüber hinaus auch noch genügend Freizeit und Freiraum für Hobbys und private Aktivitäten brauchen. Dieser Freiraum bleibe allerdings viel zu oft auf der Strecke.

Daher will die Initiative im Saarland flächendeckend zum neunten gymnasialen Jahr zurück. Das würde, so Oltmanns, den Schülern mehr Zeit zum Selberdenken und Reflektieren ermöglichen, die Entwicklung der persönlichen Reife fördern sowie den Kindern mehr selbstbestimmte Freizeit und Freiräume außerhalb der Schule einräumen.


Per Volksbegehren zurück zu G9 im Saarland

Laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich 72 Prozent aller Eltern im Saarland für ein Abitur in neun Jahren aus. Daher sollte auch hier im Saarland gelingen, was in anderen Bundesländern bereits erreicht worden ist : Nach Niedersachsen und Bayern soll G9 auch in Nordrhein-Westfalen ab 2019/2020 wieder zur Regel werden. Für eine Änderung im Saarland kämpft die Elterninitiative "G9-jetzt! Saarland" seit Jahren und hat am 4. Oktober 2017 den nächsten Schritt unternommen und ein Volksbegehren gestartet.

Weitere Informationen:

Vom 4. Oktober 2017 bis zum 3. Januar 2018 wurden Stimmen für die Abschaffung des achtjährigen Gymnasiums im Saarland gesammelt. Die Initiative setzte dabei besonders auf die Stimmen der Eltern von Schulkindern; davon gebe es etwa 100.000 im Land, so Katja Oltmanns.

Jeder im Saarland wahlberechtigte Bürger konnte das Volksbegehren mit seiner Stimme unterstützen. 60.000 Unterschriftsbögen wurden in die 52 saarländischen Kommunen ausgeliefert. Die Bögen konnten ausschließlich bei dem Bürgeramt beziehungsweise dem Rathaus der Gemeinde, bei dem man gemeldet ist, ausgefüllt werden. Dabei musste man seinen Personalausweis vorlegen.

Nach Ablauf der Abstimmung haben die 52 Wahlämter die Unterschriften ausgezählt und das Ergebnis dem Innenministerium gemeldet. Dort wurde das Ganze noch einmal von der Landeswahlleiterin geprüft. Das endgültige Ergebnis der Abstimmung wird am 24. Januar 2018 vom Landeswahlausschuss bekanntgegeben.

Volksbegehren klar gescheitert

Nach einer ersten Einschätzung der Initiative haben aber wohl nicht genügend Saarländer das Volksbegehren unterstützt. Nur etwa die Hälfte der benötigten Unterschriften sind zusammengekommen, so das vorläufige Endergebnis.

G9-Volksbegehren
Klar gescheitert


Der Einsatz für G9 geht weiter

Die Elterninitiative will dennoch weiter Druck machen. In der Experten-Kommission der Landesregierung wird das Thema auch weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Die Elterninitiative lässt auch juristische Schritte zu den Rahmenbedingungen des Volksbegehrens prüfen; so war sie mit den Öffnungszeiten einiger Wahlämter sehr unzufrieden.

Ein weiteres Volksbegehren zu dem Thema wäre allerdings erst in zwei Jahren wieder möglich.

Landesregierung geht von Veränderungen aus

Audio [SR 1 Stand der Dinge 4.10.2017]
Veränderungen ja, aber keine Rückkehr zum alten System
Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) will Schüler mehr fördern

G8 oder G9? In dieser Frage ist selbst die Landesregierung gespalten. Daher wurde im Koalitionsvertrag vereinbart, eine Experten-Kommission einzusetzen, die über das zukünftige Schulsystem im Saarland beraten soll. Dieser Kommission gehört unter anderem auch die Elterninitiative "G9-jetzt! Saarland" an.

Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon geht daher davon aus, dass es in den nächsten Jahren sicherlich Veränderungen geben wird.

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