Stimmzettelmuster der saarländischen Wahlkreise zur Bundestagswahl 2017 (Foto: Landeswahlleiterin im Saarland)

Jeder Wähler hat zwei Stimmen

  21.09.2017 | 22:54 Uhr

Am 24. September 2017 entscheiden die Bundesbürger darüber, welche Abgeordneten im neuen Bundestag ihre Interessen vertreten sollen. Dazu dürfen sie bei der Wahl zwei Stimmen abgeben. Mit der Erststimme entscheidet sich der Wähler für einen Direktkandidaten, mit der Zweitstimme bestimmt er die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag.

Derzeit umfasst der Deutsche Bundestag mindestens 598 Abgeordnete. Die Hälfte davon, also 299 Abgeordnete, werden mit der Erststimme direkt in den Wahlkreisen gewählt. Die übrigen Abgeordneten werden über die Landeslisten der Parteien gewählt. Wie viele Gesamtsitze jeder Partei im Bundestag zustehen, dafür ist die Zweitstimme maßgeblich.

Erststimme - Zweitstimme: Was entscheidet man damit?
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Erststimme - Zweitstimme: Was entscheidet man damit?
Bei der Bundestagswahl darf man zwei Stimmen abgeben: Mit der Erststimme entscheidet man sich für einen bestimmten Politiker, mit der Zweitstimme für eine Partei. Was das für die Zusammensetzung des neuen Bundestages bedeutet, erklären wir Euch hier.

Die Erststimme

Mit der Erststimme entscheiden die Wähler über die Direktkandidaten.

Damit jede Region in Deutschland mit mindestens einem Abgeordneten vertreten ist, wurde Deutschland in Wahlkreise eingeteilt. In jedem leben durchschnittlich etwa 250.000 Menschen. Im Saarland gibt es vier Wahlkreise - Saarbrücken, Saarlouis, Homburg und St. Wendel - deutschlandweit sind es 299.

In jedem Wahlkreis darf jede Partei oder Wählergruppe einen Kandidaten aufstellen. Auch unabhängige Einzelbewerber sind möglich. Mit der Erststimme entscheiden sich die Wähler eines Wahlkreises für einen dieser Kandidaten. Derjenige, der die meisten Stimmen erhält, zieht für diesen Wahlkreis direkt als Abgeordneter in den Bundestag ein.

Die Zweitstimme

Mit der Zweitstimme entscheiden die Wähler über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag.

Bei den Hochrechnungen am Wahlabend geht es um die Zweitstimmen. Damit entscheidet sich der Wähler nicht für eine Person, sondern für die Landesliste einer Partei. Je mehr Zweitstimmen diese Partei bei der Wahl auf sich vereinen kann, umso stärker ist sie im Bundestag vertreten. Mit den Zweitstimmen entscheidet sich also, wie viele Sitze im Bundestag jeweils einer Partei zustehen. Hat eine Partei zum Beispiel 35 Prozent der Zweitstimmen erhalten, stehen ihr dafür 35 Prozent der Sitze im Bundestag zu. Die Plätze besetzt sie dann mit den Personen, die auf der Landesliste aufgeführt sind.

Es gibt allerdings eine Mindestanforderung: Parteien müssen mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, damit sie überhaupt im Bundestag vertreten sein dürfen. Damit soll verhindert werden, dass zu viele kleine Parteien die Bildung einer Koalition und die Parlamentsarbeit erschweren.

Bei der Bundestagswahl 2017 stehen im Saarland 15 Parteien auf dem Stimmzettel, bundesweit treten 42 Parteien und Vereinigungen an, wenn auch vielfach nicht in allen Bundesländern.

Übrigens:

Man darf auch nur eine Erststimme oder nur eine Zweitstimme abgeben. Mehr als zwei Kreuze darf man allerdings nicht machen, sonst ist die Stimmabgabe ungültig. Auch wer gar kein Kreuz macht, wählt ungültig, genauso wie alle die Positionen durchstreichen, Kommentare auf den Stimmzettel schreiben, Bildchen darauf malen und ähnliches.

Die Grundlage für Sitzverteilung im Bundestag bilden die bei der Wahl gültig abgegebenen Stimmen.

Die Sitzverteilung im Bundestag

Zunächst werden die Plätze an die Direktkandidaten einer Partei vergeben. Stehen einer Partei über die Zweitstimmen aber mehr Sitze zu, werden die übrigen Plätze mit den Kandidaten der Landesliste besetzt.

Stehen einer Partei dagegen weniger Plätze zu, als sie Direktmandate gewonnen hat, dann ziehen dennoch alle Direktkandidaten in den Bundestag ein. Dann spricht man von Überhangmandaten. Damit das prozentuale Verhältnis nach Zweitstimmen aber erhalten bleibt, bekommen die anderen Parteien dafür so genannte Ausgleichsmandate.


Weitere Informationen

Video [aktueller bericht, 14.09.2017, Länge: 4:08 Min.]
Das Wahlsystem bei der Bundestagswahl
Am 24. September geht es um mehr als nur die Frage, wer den Kanzler oder die Kanzlerin stellt. Es wird außerdem beschlossen, wer als Abgeordneter im Bundestag unsere Wähler-Interessen vertreten wird. Dafür kann jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen vergeben. Der aktuelle bericht erklärt, wie das genau funktioniert und warum gerade kleine Parteien sich benachteiligt fühlen.


Relevanz der Wahlentscheidung
Jede Stimme zählt - ein bisschen
Besser nicht wählen als AfD wählen, mit dieser Aussage hat Kanzleramtsminister Peter Altmaier für Wirbel gesorgt. Auch rund um die Satirepartei "Die Partei" wird derzeit heftig diskutiert, welchen Sinn es macht, eine vermutlich chancenlose Kleinstpartei zu wählen.


Auch Thema auf SR 1 am 20.09.2017 bei 'Balser & Mark. Dein Morgen'

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