Die Videoplattform YouTube auf einem Smartphone (Foto: pixabay/StockSnap)

#elsagate: Kritik an verängstigenden Videos bei YouTube Kids

  06.12.2017 | 22:55 Uhr

Kinder sehen gern Filme. Deshalb ist auch YouTube bei ihnen so beliebt. Allerdings ist nicht jeder Film dort für Kinder geeignet. Sogar bei YouTube Kids landen erschreckende Comics. Die Internetplattform bemüht sich, solch fragwürdige Videos zu löschen. Letztendlich tragen aber die Eltern die Verantwortung dafür, was ihre Kinder im Internet sehen dürfen und was nicht.

Kinder lieben Filme. Kein Wunder also, das die Internetplattform YouTube zu ihren Lieblingsseiten im Netz gehört. Doch nicht alles, was es dort zu sehen gibt, ist für Kinderaugen geeignet. Und selbst bei 'YouTube Kids', das Google seit September 2017 als App anbietet, können Eltern nicht einfach darauf vertrauen, dass ihre Kinder damit keine schlimmen Sachen zu sehen bekommen.

Da kämpft plötzlich ein guter gegen einen bösen Spiderman. Micky Mouse wird angefahren und Blut fließ über die Straße. Prinzessin Elsa (die aus dem Disney-Film "Die Eiskönigin") wird von einem Vampir gebissen oder Spiderman schlägt ihr mit der Faust ins Gesicht - Videos, in denen die Lieblingsfiguren der Kinder auftauchen, die aber mit den ursprünglichen Comics oder Filmen nichts zu tun haben, und die die kindlichen Betrachter veränstigen und verstören. Unter dem Stichwort '#elsagate' tauschen sich Eltern inzwischen über solche Videos aus.

Ein Algorithmus filtert

Solche schrägen Videos mögen ihre Fans haben. Das belegen die hohen Zugriffszahlen. Die Filme wurden schon millonenfach angeklickt und viel Geld wurde mit ihnen verdient. Für Kinderaugen sind sie aber nicht geeignet und auch nicht gedacht.

Bei YouTube Kids ist daher ein Algorithmus als Filter vorgeschaltet. Er soll nur kindgerechte Inhalte durchlassen. Doch ein Algorithmus ist nun mal kein Mensch, der Videos sichtet und aussortiert; vielmehr entscheidet das Programm u.a. aufgrund von Schlagwörtern wie zum Beispiel 'Spiderman' oder der Kennzeichnung 'kindgerecht' beim Hochladen der Videos. Bilder, Handlungen und Zusammenhänge der Filmszenen kann diese Technik derzeit allerdings noch nicht auswerten und somit auch nicht als für Kinder geeignet oder ungeeignet bewerten.

'Youtube-Kids' ist kein Babysitter!
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'Youtube-Kids' ist kein Babysitter!
Online-Redakteur Thomas Braun erklärt, was es mit 'Elsagate' auf sich hat.

YouTube hat reagiert

Heftige Kritik an den unangemessenen Inhalten hat YouTube zum Handeln bewegt. Zahlreiche Kanäle seien inzwischen beendet und Tausende Videos bereits gelöscht worden, so YouTube. Und es werde weiter gelöscht. Außerdem soll mit solchen Filmen kein Geld mehr zu verdienen sein, d.h. sie bringen dem Produzenten keine Werbeeinnahmen mehr. Schließlich setzt Youtube noch auf den menschlichen Faktor: Die Zahl der "Trusted Flaggers", also jener vertrauenswürdigen Nutzer, die unangemessene Videos melden können, soll deutlich erhöht werden.

Schau hin, was Dein Kind mit Medien macht!

Damit allein ist es aber nicht getan. Denn letztendlich tragen die Eltern die Verantwortung dafür, wie ihre Kinder mit Medien umgehen, was sie dort sehen oder auch nicht. Diese Verantwortung können Eltern nicht an YouTube oder eine App abgeben. Deshalb sollten Eltern am besten dabei sein, wenn ihre Kinder zum Beispiel das Internet nutzen. Um zu verhindern, dass sie auf nicht kindgerechte Inhalte stoßen oder auch, um im schlimmsten Fall direkt reagieren, erklären und besänftigen zu können.

Ratgeber für Eltern: Schau hin, was Dein Kind mit Medien macht (schau-hin.info)
Wie kann ich mein Kind dabei unterstützen, dass es Handy, Internet & Co. sinnvoll nutzt? Der Medienratgeber für Familien gibt Orientierung und Tipps, wie Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder kompetent begleiten können.


Auch Thema auf SR 1 am 06.12.2017 in der Sendung 'Balser & Mark.Dein Morgen'.

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