Steharbeitsplatz im Büro (Foto: dpa)

Abspecken durch Aufstehen

  15.02.2018 | 00:00 Uhr

Wer weniger sitzt, tut nicht nur seinem Rücken etwas Gutes. Er kann auch abnehmen - ganz nebenbei. Das haben US-Forscher herausgefunden.

Im Büro abnehmen, ganz nebenbei - klingt traumhaft und ist tatsächlich möglich. Der Trick: einfach im Stehen arbeiten. "Beim Stehen werden mehr Kalorien verbrannt. Nicht sehr viel mehr, aber genug", sagen Forscher der Mayo Clinic in Minnesota. Bis zu zwei Kilo könne das im Jahr ausmachen.

Dazu müsste man allerdings jeden Tag konsequent sechs Stunden lang auf den Beinen sein, gibt der Kardiologe Dr. Francisco Lopez-Jimenez zu. Aber ein wenig Bürostuhl-Diät ist nicht verkehrt. Denn langes Sitzen versetze den Körper in eine komplette Ruhehaltung, erklärt der Forscher. "Unsere Muskeln scheinen für solche längeren Phasen einfach nicht geschaffen zu sein."

Bevor jetzt alle Schreibtische durch Stehpulte ersetzt werden: Auch das sei auf Dauer nicht so gesund, warnten zuletzt kanadische Wissenschaftler. Die Lösung ist - wie so oft - der goldene Mittelweg. Alles in Maßen, nichts übertreiben, so der Rat der Mediziner. "Schon geringe Aktivitäten haben einen Effekt", sagt Dr. Lopez-Jimenez. Es bringe schon erstaunlich viel, nur wenige Minuten pro Stunde aufzustehen. Dadurch werde der Zuckerstoffwechsel im Körper angeheizt. "Selbst wer sich kleine Ziele setzt, tut seinen Muskeln und dem Herzkreislaufsystem Gutes", so der Forscher. Ein paar Schritte zum Papierkorb oder zum Kopierer sind schon ein guter Anfang. Danach könne man die Stehphasen langsam steigern.

Tipps fürs Abspecken im Büro
Audio
Tipps fürs Abspecken im Büro
Im Büro abnehmen, ganz nebenbei - klingt traumhaft und ist tatsächlich möglich. Der Trick: einfach im Stehen arbeiten. "Beim Stehen werden mehr Kalorien verbrannt. Nicht sehr viel mehr, aber genug", sagen Forscher der Mayo Clinic in Minnesota. Bis zu zwei Kilo könne das im Jahr ausmachen.

Sitzen ist das neue Rauchen

Wir sitzen und sitzen und sitzen. Im Auto, in der Schule, am Arbeitsplatz, vor dem Fernseher oder dem Computer usw. Gerade stundenlanges Sitzen, wie es ein Bürojob zum Beispiel mit sich bringt, schadet unserer Gesundheit. Der Körper schaltet auf Sparflamme, wir verbrauchen weniger Kalorien. Mit gravierenden Folgen für die Muskulatur, die Durchblutung, den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel. Der Körper reagiert mit Nackenschmerzen, Rückenproblemen, schweren Beinen, Krampfadern, Trombosen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs.

Richtig sitzen: Rücken gerade, Bildschirm in Augenhöhe, Arme und Beine rechtwinklig, Füße flach auf dem Boden (Foto: Pixabay/Morgan888)

Eine falsche Sitzposition kann Haltungsschäden wie Nackenschmerzen und Wirbelsäulenbeschwerden auslösen. Die Beinmuskulatur verkümmert. Deshalb nicht nach vorn gebeugt sitzen mit rundem Rücken, sondern gerade und so, dass die Lehne den unteren Rücken stützt, mit dem Bildschirm in Augenhöhe oder knapp darunter, Beine und Arme rechtwinklig und die Füße flach auf dem Boden. Und mindestens alle 20 Minuten sollte man seine Sitzposition ändern. Und immer wieder aufstehen.

Langes Sitzen schadet darüber hinaus den Blutgefäßen. Ihre Funktion nimmt ab. Das Blut fließt langsamer, staut sich, wenn man sitzt, der Sauerstoffgehalt sinkt, der Stoffwechsel in den Zellen kommt zum Erliegen, unbenutzte Muskeln werden schlapp. Wer sich dagegen zwischendurch immer wieder ein paar Minuten lang bewegt, beim dem bleibt die Gefäßfunktion unverändert, das haben Studien ergeben.

Unser Körper ist für die Bewegung geschaffen. Bewegung hilft zu entspannen und dem Alltagsstress zu entkommen. Der Bewegungsmangel durch langes Sitzen lässt sich allein durch Aktivitäten am Abend oder am Wochenende - so gesund sie auch sind - nicht einfach ausgleichen. Vielmehr ist es wichtig, schon das Sitzen so häufig wie möglich zu unterbrechen, aufzustehen, ein paar Minuten zu gehen. Schon ein wenig Bewegung jede Stunde kann sehr viel bewirken.

Deshalb am besten die Treppe nehmen statt den Aufzug; zu den Kollegen gehen und persönlich mit ihnen sprechen statt E-Mails zu schicken; den Schreibtischstuhl durch einen Gummiball ersetzen, und immer wieder zwischendrin aufstehen! Und nach Feierabend den Bürostuhl nicht durch den Fernsehsessel ersetzen, sondern aktiv bleiben. ;-)

Auch Thema auf SR 1 am 15.02.2018 in der Sendung 'Balser & Mark.Dein Morgen'.

Artikel mit anderen teilen