Wahlplakate im Abstimmungskampf zum Saarstatut 1955 (Foto: picture alliance / dpa)

Was wäre, wenn das Saarland eigenständig wäre?

"Statut": Eine Dokufiktion über ein souveränes Saarland

Renate Wanninger / Interview mit Michael Koob / Onlinefassung: Raphael Klein   13.04.2018 | 16:25 Uhr

1955 stimmten die Saarländer für den Beitritt zur Bundesrepublik und gegen die Eigenständigkeit. Aber was wäre wenn, die Saarländerinnen und Saarländer damals anders entschieden hätten? Dieser Frage geht der Filmemacher Michael Koob in seinem aktuellen Filmprojekt nach.

Interview: "Fiktiv und in gewisser Weise absurd"
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer / Michael Koob, 13.04.2018, Länge: 02:45 Min.]
Interview: "Fiktiv und in gewisser Weise absurd"

"Es lebe die Republik des Saarlandes": Der saarländische Filmemacher Michael Koob spielt in seiner Dokufiktion "Das Statut" durch, wo das Saarland heute stünde, hätte das Saarstatut 1955 die Unabhängigkeit des Landes gebracht. "Reich und schön": Eine große Kulturregion und ein Steuerparadies hätte ein eigenständiges Saarland durchaus werden können, sagt Koob.

Das Spannenende, was er mit dem Film zeigen wolle, sei die Internationalität der Saarländer und zugleich: ihre unprätentiöse Mentalität. Ende 2018 soll der Film, in dem auch die erste Garde der Saar-Politik rund um "Joho" Johannes Hoffmann & Co mitspielt, fertig sein. Gefördert wird das Projekt im Wesentlichen von der Saarlandmedien GmbH und dem Kultusministerium mit 30.000 Euro.

"Fiktiv und in gewisser Weise absurd"

In seinem Film dreht Koob die historische Realität um und spielt "dieses Gedankenspiel" konsequent durch, welchen Weg die saarländische Identität genommen hätte, wäre hier ein europäischer Zwergstaat à la Luxemburg entstanden. "Fiktiv und in gewisser Weise absurd" sei die Mischung aus Fakten, realen Figuren, Schauplätzen und Fiktion, sagt Koob. Ziel des Films sei es auch, einen Link zur aktuellen Lage in Europa zu schaffen, so der Filmemacher.

Realsatire um Saarexit und Europa

Die Planungsphase des Projektes ist abgeschlossen und einige Inhalte stehen schon fest: Klar ist schon, wohin sich der am Ende wohl 90-minütige Kinofilm dramaturgisch entwickeln soll: Im Staate Saarland steht im Jahr 2018 eine erneute Abstimmung an, in der es um die Frage "Austritt aus Europa oder nicht?“ geht. Pro-Europa-Aktivisten treffen da auf europamüde "Saarexit“-Anhänger.

Weil Kolb und sein Team mehr als eine trashartige Satire planen, sollen Interviews mit dem Saarbrücker Historiker Rainer Hudemann, der Politologin Ulrike Guerot oder dem Brüsseler Ex-ARD-Journalisten Rolf-Dieter-Krause eine Brücke zwischen Realität und Fiktion schlagen und die Zukunft des Projekts Europa problematisieren - besonders im Kontext von Brexit, Trump und eines wachsenden Nationalismus. "Diese politische Dimension braucht der Film, um nicht nur im Regionalen stecken zu bleiben“, umreißt Koob das Konzept.

Filmaufnahmen aus dem Saarland gesucht

Michael Koob sucht für sein Projekt noch Filmaufnahmen aus dem Saarland. Kontakt zu ihm können Sie über seine Internetseite www.koob.film mit ihm aufnehmen.


Historischer Hintergrund

Multimediale Webdoku
35, 45, 55 - Ein langer Weg nach Europa
Zwei Mal haben die Menschen an der Saar ihr Schicksal in den eigenen Händen getragen. Eine Volksabstimmung am 13. Januar 1935 ergab, dass das zu diesem Zeitpunkt zum Völkerbund gehörige Saargebiet wieder an das Deutsche Reich angegliedert wurde. Auch 1955 entschieden sie sich für eine Zugehörigkeit zu Deutschland. SR.de erinnert in einer multimedialen Webdokumentation an die Jahrestage.

60 Jahre Saarland
Saarländer lehnen Saar-Statut ab
Am 23. Oktober 1955 stimmte die saarländische Bevölkerung über das Saar-Statut ab, das dem Land dauerhaft einen europäischen Status gegeben hätte. Mehr als zwei Drittel der Saarländer lehnten das Statut ab. Nun musste der Weg zurück zur Bundesrepublik vorbereitet werden.

Über dieses Thema wurde in der "Region am Nachmittag" am 13.04.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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