ARD Themenwoche "Woran Glaubst Du?" Im Kreuzgang eines Klosters hält jemand ein Pad mit der Facebook-Seite des Bistums Speyer hoch. (Foto: SR/dpa)

Die Kirche im Netz

Kasia Hummel   12.06.2017 | 08:30 Uhr

Beten bei Twitter, Papst Franziskus auf Instagram und Angebote bei YouTube: Glaube findet heutzutage nicht mehr nur „analog“ statt. Auch die Kirche im Saarland hat die Zeichen der Zeit erkannt und ist auf diversen Plattformen im Netz unterwegs. Das Ziel: Jugendliche begeistern.

ARD Themenwoche
Woran glaubst du?
So vielfältig wie das Thema „Glaube“ selbst sind die Programmangebote zur ARD Themenwoche 2017 von Sonntag, 11. Juni, bis Samstag, 17. Juni, mit dem Titel „Woran glaubst du“ in Hörfunk, Fernsehen und Online der Landesrundfunkanstalten. Alle Infos gibt es hier.

Betest du? – So lautete eine Frage, die Mitglieder der Netzgemeinde Da_ZWISCHEN an einem Montag per WhatsApp erreichte. Der Absender: Das Bistum Speyer. „Unter dem Motto Da_BEI SEIN bekommen die User montags zum Start in die Arbeitswoche eine Frage, mit der sie sich bis zum Wochenende auseinandersetzen können. Freitags beenden wir diesen Zeitraum mit einer Nachricht, die das Ganze zusammenfasst und so unter Umständen nochmal einen Denkanstoß liefert“, erklärt der Theologe Felix Goldinger im Gespräch mit SR.de. Er betreut und pflegt die Inhalte der Netzgemeinde beim Bistum Speyer.

Instawalk durch die Josefskirche

WhatsApp ist aber nur eine von vielen Plattformen, derer sich das Bistum Speyer bedient. Auch auf Facebook, Twitter, Instagram und YouTube ist die katholische Kirche präsent. „Bei Instagram haben wir den Leuten im September vergangenen Jahres zum Beispiel den Instawalk durch die Josefskirche in St. Ingbert angeboten", erläutert Goldinger. Mit dem Smartphone in der Hand erkundeten die Instagrammer besondere Orte innerhalb des Kirchenbaus. Darunter waren auch solche, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Die Fotos konnten die Teilnehmer noch während der Führung unter den Hashtags #instajosef, #instakirche und #instawalk direkt ins Netz stellen.  

Im Netz finden sich auch nicht-kirchliche Angebote, die die Online-Beichte ermöglichen

Jugendpfarrer Christian Heinz sieht solche Angebote eher skeptisch und verweist darauf, dass online nicht gebeichtet werden kann. Die Beichte lebe vom menschlichen Kontakt. "Das heißt: Man sagt einem anderen Menschen etwas, in der Hoffnung, dass der gnädig ist und einem vergibt." Im Internet vertraue der Nutzer hingegen jemandem seine Daten an, was nicht Sinn der Sache sei. "Ich kann aber verstehen, dass man im Internet ehrlicher ist und sich vielleicht mehr traut."

„Ich glaube, man darf als Kirche das Netz nicht vernachlässigen“, so Goldinger. Gerade bei dem Wochen-Impuls gebe es viele Leute, die nicht nur auf die Frage antworteten, sondern auch mit ihren ganz eigenen Themen kämen. „Von daher glaube ich, dass das Internet ein wichtiges Feld für die Kirche ist.“ Das sieht man nach Einschätzung von Goldinger täglich in der S-Bahn, wo auch die Idee zur Netzgemeinde entstanden ist.

„Ich saß morgens in der S-Bahn und sah, wie alle Leute auf ihr Handy starrten.“ Das sei der erste Impuls gewesen, sich zu überlegen, wie man die Menschen erreichen könnte, wo sie gerade sind - also auf dem Weg zur Arbeit oder Uni sowie in dem Medium, das ihnen vertraut ist, nämlich dem Internet. „Die Kirche sollte zwar nicht nur auf Internet und soziale Netzwerke setzen, aber es sind wichtige Themen", so Goldinger.

"Das Digitale wird wichtiger"

Auch im Bistum Trier setzt man schon lange auf Facebook und Co. Zudem ist sowohl die Jugendabteilung als auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend aktiv und begleitet digital das Geschehen der Kirche. „Generell kann man sagen, dass das Digitale wichtiger wird“, so der Social-Media-Redakteur beim Bistum Trier, Ernst Mettlach.

„Wir sind im Internet präsent, weil die Zielgruppe dort unterwegs ist und weil sich das Mediennutzungsverhalten ändert." In Anbetracht dessen, wie breit gefächert die Zielgruppe sei, versuche das Bistum dementsprechend auf allen Kanälen präsent zu sein.

Die Evangelische Kirche im Saarland beschränkt sich hingegen zurzeit auf ihren eigenen Internetauftritt. Facebook und Twitter seien bislang kein Thema, so Stefanie Stein von der Evangelischen Kirche Saarland. „Es gibt aber durchaus evangelische Kirchenkreise, die einen Facebook-Auftritt haben." Ein Beispiel sei die evangelische Kirchengemeinde Merzig.

Über die Themenwoche wird vom 11. bis zum 17. Juni in allen Hörfunkprogrammen des SR und im SR Fernsehen berichtet.

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