Telefonieren im Ausland (Foto: dpa)

Keine Extra-Kosten für Roaming mehr in der EU

Kasia Hummel   15.06.2017 | 08:29 Uhr

Telefonieren, SMS-Schreiben und Surfen zu gleichen Preisen wie zu Hause – Das ist seit heute im EU-Ausland möglich. Ab sofort dürfen Anbieter grundsätzlich keine Roaming-Aufschläge mehr kassieren. Dennoch gibt es Ausnahmen, warnt die Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Roam like at home -  Im EU-Ausland gelten nun die gleichen Preise fürs Telefonieren, SMS-Schreiben und Surfen wie zu Hause. Auch Inklusiveinheiten, wie zum Beispiel Minuten- oder SMS-Pakete können im Ausland ohne Extra-Kosten genutzt werden. Gleiches gilt für das mobile Internet. Inklusivvolumen nimmt jeder automatisch mit ins Ausland. Ist das Volumen verbraucht, passiert das gleiche wie zu Hause und die Geschwindigkeit wird gedrosselt.

Video [aktueller bericht, 15.06.2017, Länge: 2:02 Min.]
Keine Extra-Kosten für Roaming mehr in der EU

So einfach alles klingt, so wichtig ist der Blick in den Vertrag. Denn auch beim Surfen gibt es laut Verbraucherzentrale Ausnahmen, die vor allem Vielsurfer betreffen: Wer zum Beispiel eine "echte" Highspeed-Flatrate ohne jede Volumenbegrenzung habe, für den sei irgendwann Schluss. So dürften die Anbieter Höchstgrenzen festlegen. Wer mehr Daten verbraucht, muss zusätzlich bezahlen. Ob es eine solche Höchstgrenze gibt, muss der Anbieter allerdings vorher mitteilen.

EU-Regelungen sollen dabei diejenigen schützen, die beim digitalen Surfen am Strand die Zeit vergessen: Werden Kosten von fast 50 Euro produziert, müssen Mobilfunkanbieter ihre Kunden warnen. Bei knapp 60 Euro müssen sie die Verbindung sogar automatisch trennen. Verbraucher können die Sperre aktiv aufheben oder von vornherein höhere oder niedrigere Grenzwerte setzen. Dieser Schutz gilt in vielen Fällen auch außerhalb der EU.

Anbieter muss handeln

Die bisherigen Roaming-Aufschläge fallen für alle Verbraucher automatisch weg. Eine Umstellung oder ein Tarifwechsel ist nicht erforderlich, erklärt die Verbraucherzentrale. Der Anbieter muss bestehende Auslandspakete automatisch beenden. Handlungsbedarf besteht nur, wenn Kunden die Auslandsoption weiterhin nutzen möchten. Dann müssen sie diese ausdrücklich beim Anbieter bestellen. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale sind solche Pakete innerhalb der EU aber nicht mehr notwendig.

Auch wer mit Prepaidkarte telefoniert, profitiert von der neuen EU-Regelung. Denn auch hier gilt der Grundsatz: Telefonieren und Surfen im EU-Ausland kostet genauso viel wie zu Hause. Aber auch hier verweist die Verbraucherzentrale auf eine kleine Ausnahme, die für sehr preiswerte Anbieter ohne Inklusivvolumen gilt: Liegt der Preis für Datenverbauch unter dem Einkaufspreis, darf der Anbieter diesen Einkaufspreis in Rechnung stellen.

EU-Regelung gilt nicht auf hoher See

Wer außerhalb der EU unterwegs ist, sollte vorher beim Anbieter nachfragen, welche Aufschläge fällig werden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es keinerlei Preishöchstgrenzen gibt. Die Preise der verschiedenen Netze seien manchmal sehr unterschiedlich. Über den Menüpunkt "Manuelle Netzwahl" kann dann am Urlaubsort das preisgünstigste Netz ausgewählt werden. Gegebenenfalls kann dann der Abschluss einer Auslandsoption sinnvoll sein.

Auch auf hoher See greifen andere Regeln: Hier gelten weder die speziellen Reisepakete der Mobilfunkanbieter noch die EU-Roaming-Verordnung. Da die an Land genutzten Mobilfunknetze die Meeresgebiete nicht abdecken, wird das Mobilfunknetz an Bord von Schiffen über Satellitentechnik ermöglicht. Der Bundesverband Verbraucherzentrale rät, sich vor Antritt einer Seereise beim Reiseanbieter oder der Reederei zu erkundigen, welcher Satellitennetzbetreiber das jeweilige Schiff versorgt. Außerdem sei es ratsam, sich die detaillierten Preise für Satellitenverbindungen des eigenen Mobilfunkanbieters zu notieren.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 15.06.2017 berichtet.

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