Ein kleines Mädchen steht mit einem Teddybär in der Hand an einer spiegelden Scheibe (Foto: dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)

Sorgerechtsverfügung für den Ernstfall

Anne Schubert   12.08.2017 | 08:42 Uhr

Wer bekommt das Sorgerecht, wenn das eigene Kind plötzlich zum Vollwaisen wird? Die wenigsten Eltern wollen sich mit dieser Frage beschäftigen. Um aber für geordnete Verhältnisse zu sorgen, hilft es, eine Sorgerechtsverfügung aufzusetzen. Allerdings muss der Richter nicht dem Wunsch der Eltern folgen.

Es ist eine Horrorvorstellung für jedes Paar, das ein Kind hat: Was, wenn sowohl Mutter als auch Vater sterben und das Kind zum Vollwaisen wird? Was passiert mit dem eigenen Kind? Wer wird das Sorgerecht übernehmen? Christian Maurer, Anwalt für Familienrecht, erklärt, dass Eltern durchaus auf die Entscheidung Einfluss nehmen können.

"Es gibt die Möglichkeit, eine Sorgerechtsverfügung oder treffender gesagt eine Sorgerechtsempfehlung zu verfassen. Darin können Eltern zusammen einen Wunsch äußern und Argumente aufschreiben, warum eine bestimmte Person die Vormundschaft für ihr Kind übernehmen soll", sagt Maurer.

Für die Erklärung braucht es nicht viel: Eine notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig. Es reicht, wenn die Sorgerechtsempfehlung handschriftlich festgehalten wird und mit Ort, Datum und Unterschrift beider Elternteile versehen ist. "Es spielt auch keine Rolle, ob es ein separates Schreiben ist oder im Testament steht. Da gibt es mehrere Wege", erklärt der Anwalt.

Nicht bindend für Gericht

Maurer betont allerdings, dass die Sorgerechtserklärung der Eltern nicht bindend für das Gericht ist. "Wer künftig das Kind betreut, legt immer das Familiengericht fest. Jedwede vertragliche Festlegung im Vorfeld ist nur eine Empfehlung. Das Gericht hat zwar den Wunsch zu berücksichtigen, jedoch ist dieser nicht bindend", erklärt der Anwalt.

In den meisten Fällen versuche der Richter allerdings, dem Wunsch der Eltern gerecht zu werden. "Es ist natürlich das Ziel, dem Willen der Eltern zu entsprechen. Es sind immerhin die Erziehungsberechtigten und die werden sich schon etwas dabei gedacht haben", sagt Maurer. Nur wenn das Gericht durchgreifende Bedenken habe, wähle es eine andere Person aus. "Das Gericht hat alle Erwägungen, auch unter Zuhilfenahme des Jugendamtes, zu berücksichtigen. Dazu gehört natürlich die Meinung der Eltern, aber auch die Meinung des Kindes und desjenigen, der das Kind zukünftig aufziehen soll." Das alles könne die Entscheidung ausmachen.

Sorgerechtsempfehlung sinnvoll

Auch wenn die Sorgerechtserklärung nicht bindend ist, hält der Anwalt sie für sinnvoll: "Liegt eine Verfügung nicht vor, muss das Gericht auch versuchen, das bestmögliche Ergebnis für das Kind zu erzielen. Allerdings ist es dann schwieriger, den Wunsch der Eltern zu verwirklichen", betont Maurer. "Unter Umständen wird dann auf Familienmitglieder zurückgegriffen, die eventuell berichten können, wie der Wunsch der Eltern war. Allerdings ist eine solche Exploration natürlich aufwändiger, als wenn von den Eltern eine Stellungnahme vorliegt."

Daher rät Maurer Eltern, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich ein paar Gedanken zu machen. "Auch wenn die Gerichte bei solchen Konstruktionen gute Ergebnisse erzielen und Eltern ein gewisses Vertrauen in die richtige Entscheidung des Richters haben können, sollten Eltern ihren Wunsch schriftlich fixieren. Dann hat man es und es gibt hinterher keinen Streit."

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