Pauls Frischekiste  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Wo Region draufsteht, muss nicht immer Saarland drin sein

Lisa Betzholz   30.07.2017 | 08:32 Uhr

Regionale Produkte liegen im Trend – und die Nachfrage nach ihnen steigt ständig. Jedoch ist der Begriff "Regionalität" Auslegungssache. Verbraucher sollten deshalb genau hinsehen.

Dass es einen Trend hin zu regionalen Produkten gibt, hat Biobauer Mathias Paul aus Piesbach schon vor 20 Jahren erkannt und für sich genutzt.  „Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Direktvermarktung verbessern können. Und da nicht all unsere Kunden zu uns auf den Hof kommen, haben wir eben gedacht: Bringen wir die Produkte doch zu unseren Kunden.“ So war „Pauls Frischekiste“ geboren: regionale Bioprodukte, die die Kunden auch per Online Shop bestellen können.

Regionale Bioprodukte per Lieferdienst

Regionalität steht an erster Stelle

Regionale Produkte bequem per Lieferdienst
Video [SR.de, Lisa Betzholz, Pasquale D'Angiolillo, 26.07.2017, Länge: 00:35 Min.]
Regionale Produkte bequem per Lieferdienst

Bei allen Produkten, die im Shop angeboten werden, achtet Paul darauf, dass sie möglichst regional sind und immer Bioqualität haben. „Haben wir die gewünschten Produkte selbst nicht, gehen wir immer in die nächst größere Region. Also wir schauen beispielsweise erst in Piesbach, dann im Saarland und dann im südwestlichen Raum, dann deutschlandweit und so weiter.“ Im Shop ist immer gekennzeichnet, wo das Produkt herkommt.

Im Supermarkt lieber genau hinschauen

So sicher können sich die Kunden im Supermarkt nicht immer sein. Der Begriff „Region“ ist kein gesetzlich geschützter Begriff. „Er kann nicht fest definiert werden, weil der räumliche Umfang einer Region immer Auslegungssache ist. Er kann weit oder eng gefasst sein. Er kann sich auf die Herkunft der Zutaten oder auf den letzten Verarbeitungsschritt beziehen“, sagt Lena Blanken von der Organisation Foodwatch.

Durch diese schwammige Regelung besteht die Gefahr, dass der Verbraucher irrtümlich glaubt ein regionales Produkt zu kaufen, obwohl es nicht so ist. Verbrauchertäuschung ist in Deutschland verboten. Da der Begriff „Region“ gesetzlich aber nicht genau definiert ist, können ihn Unternehmen nach ihrem Ermessen einsetzen. Auch die Verbraucherzentrale Saarland sieht hier Handlungsbedarf. „Wir würden uns wünschen, dass zumindest die Hauptzutaten verpflichtend und eindeutig gekennzeichnet werden“, fordert Verbraucherschützerin Barbara Schroeter. Bisher gibt es eine solche verpflichtende Kennzeichnung nur bei Obst, Gemüse und unverarbeitetem Fleisch.

Regionale Prüfsiegel

Um etwas mehr Sicherheit zu haben, können Verbraucher beispielsweise auf das „Regionalfenster“ achten. Das Fenster beschreibt, aus welcher Region das Produkt kommt, wo es verarbeitet wurde, wie groß der Anteil an regionalen Zutaten ist und welcher Betrieb es geprüft hat. Allerdings ist das Regionalfenster bisher noch eine freiwillige Angabe. Eine eindeutige Auskunft über die Herkunft gibt das EU-Kennzeichen „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Produkte, die dieses Siegel tragen, müssen auf EU-Ebene eingetragen sein und in einem festen Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden.

Ähnliche Richtlinien nur auf Landesebene gilt für das "Qualitätszeichen Saarland". Damit dürfen nur Produkte gekennzeichnet werden, die nachweislich aus dem Saarland stammen und bestimmte Qualitätskriterien hinsichtlich der Erzeugung und der Produkteigenschaften erfüllen. Wer aber ganz sicher gehen will, dass Obst, Gemüse oder Wurst aus der Region kommen, sollte auf Direktvermarktung zurückgreifen. Das heißt im Hofladen, auf dem Wochenmarkt oder per Lieferdienst direkt beim Erzeuger einkaufen.

Mathias Paul ist davon überzeugt, dass die Nachfrage nach regionalen Produkten weiter steigen wird.  „Gerade beim Gemüse haben die Kunden bei uns den direkten Weg vom Feld in die Küche beziehungsweise auf dem Teller.“ Da dieser Gedanke gut bei den Kunden ankommt, ist Paul optimistisch, dass sich auch in Zukunft Konzepte wie die Frischekiste weiter etablieren werden.

Tipps für Verbraucher

  • Auf das Regionalfenster achten: Es gibt an, woher die Hauptzutaten des Produktes stammen und wo sie verarbeitet wurden.

  • Auf Direktvermarktung setzen:  Auf Wochenmärkten oder in Hofläden einkaufen oder bei Gemüse-Kisten-Anbietern bestellen. So kann der Verbraucher direkt nachfragen, woher das Produkt kommt.

  • Auf Angaben des Erzeugers achten: Bei unverarbeiteten Lebensmitteln, wie etwa Obst oder Gemüse, sollte der Erzeuger mit Adresse oder zumindest der Ort oder die Region genannt sein.

  • g.U.-Kennzeichnung: Bei Lebensmitteln mit "geschützter Ursprungsbezeichnung" stammen die Rohstoffe aus der angegebenen Region und wurden dort verarbeitet.

Artikel mit anderen teilen