Ein Kind wehrt sich mit ausgestreckten Armen. (Foto: Imago/Blickwinkel)

Missbrauchsverdacht: Was Angehörige tun können

Emil Mura   10.10.2017 | 13:15 Uhr

Der Fall eines vierjährigen Mädchens, das von einem Bekannten der Familie mehr als ein dreiviertel Jahr lang sexuell missbraucht wurde, hat Anfang der Woche bundesweit für Aufsehen gesorgt. Viele andere Vorkommnisse werden nie aufgedeckt. Doch wie sich verhalten, wenn man sexuellen Missbrauch vermutet?

Tatverdächtiger festgenommen, Kind in Sicherheit. Das ist das Ende der Leidensgeschichte eines vierjährigen Mädchens aus Niedersachsen. Mehr als neun Monate lang wurde sie von einem Bekannten der Familie immer wieder sexuell missbraucht. Am Montag wurde er nach einer bundesweiten Fahndung mit Bildern des Opfers festgenommen. Auch wenn der Fall in Niedersachsen eine Besonderheit ist - nur in Ausnahmefällen sucht die Polizei mit Opferbildern nach dem Täter - Missbrauch von Kindern ist weit verbreitet.

Allein im Saarland werden laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik jährlich mehr als 100 Fälle von sexuellem Missbrauch erfasst. "Die Delikte reichen von Exhibitionismus vor Kindern bis hin zu Vergewaltigung", erklärt Klemens Gergen vom Landespolizeipräsidium. Viele Fälle werden allerdings erst gar nicht aufgedeckt, die Kinder leiden weiter.

"Sich nicht alleine auf den Weg machen"

Die Pressestelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs warnt davor, mögliche Vorfälle selbst aufdecken zu wollen. "Es ist wichtig, dass sich Menschen, die eine Vermutung oder einen Verdacht haben, professionelle Unterstützung suchen, zum Beispiel bei spezialisierten Fachberatungsstellen, den Jugendämtern oder der Polizei", sagt Friederike Beck, Pressesprecherin des Bundesbeauftragten. Es sei vor allem wichtig, erst einmal Ruhe zu bewahren und die Kinder nicht selbst zu befragen, damit sie in ihren Aussagen nicht vorab beeinflusst werden.

"Auf die Signale von Kindern achten"

Trotzdem ist es laut Friederike Beck wichtig, aufmerksam zu sein. Zwar gebe es keine eindeutigen Signale, weil jedes Kind anders auf Missbrauch reagiere. Aber insbesondere Familienangehörigen, Lehrern, Sporttrainern und anderen Fachkräften empfiehlt sie, auf plötzliche Verhaltensänderungen der Kinder zu achten.

"Professionelle Hilfe nehmen"

"Wenn Menschen vermuten, dass Kinder sexuell missbraucht werden, sollten sie sich sofort an eine professionelle Beratungsstelle wenden." Hilfe, sagt Friederike Becke, finden Menschen entweder über die Beratungshotline des Bundesbeaftragten unter der Telefonnummer 0800 22 55 530 oder auf dem Hilfeportal-Missbrauch.de. Dort könnten Menschen auch über eine Suchfunktion Beratungsstellen in der Region ausfindig machen.

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