Der französische Präsident Emmanuel Macron (Foto: dpa/Kamil Zihnioglu)

Macron in Forbach ausgebuht

  04.09.2017 | 15:50 Uhr

Zum Schulanfang in Frankreich hat Präsident Macron am Montag eine Schule im Forbacher Problemviertel Wiesberg besucht. Empfangen wurde der Präsident von etwa 150 Menschen. Anhänger bejubelten Macron, Gegner buhten ihn aus.

Video [aktueller bericht, 04.09.2017, ab Minute 13:48]
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Es war wahrscheinlich nicht der Empfang, den Macron sich gewünscht hatte. Vor allem Menschen, die gegen den Abbau von Kohlegas in der Region sind, buhten den Präsidenten aus und verhöhnten ihn. Die knapp 30 En-Marche-Anhänger, die ebenfalls gekommen waren, kamen kaum gegen die Gegner an.

Der Präsident nahm morgens am Unterricht in der Ecole Primaire (Grundschule) Louis-Houpert teil. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die neue Maßnahme der Halbierung von Klassen in Problemschulen vor allem mit hohem Ausländeranteil auf zwölf Schüler pro Klasse.

Frankreichs Präsident Macron besucht Forbach
Audio [SR 3, Sabine Wachs, 04.09.2017, Länge: 03:51 Min.]
Frankreichs Präsident Macron besucht Forbach

Durch die kleineren Klassen sollen die Lehrer auch mehr Zeit für die Kinder haben, allerdings müssen dafür aber auch genügend Lehrer da sein. Das sei derzeit noch ein Problem, erzählt eine Mutter. Sechs Klassen mit zwölf Schülern gebe es zwar in der ersten Klasse, danach gebe es aber weiterhin nur drei Klassen. Das heißt, die Klassenstärke steigt ab der zweiten Klasse erneut an, da es in Forbach bislang noch nicht genügend Lehrer gibt.

Außerdem fordern die Eltern, dass nicht nur die Lehre, sondern auch die Lernbedingungen verbessert werden müssen. Es seien größere Räume und bessere Turnhallen nötig.

Schulbesuch mit Tradition

Teil der neuen Schulreform ist auch, dass es mehr Inklusionsklassen in Frankreich geben soll, in denen Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen können. Auch in so einer Klasse war Emmanuel Macron am Morgen an der Schule am Wiesberg zu Gast.

Der Besuch des französischen Staatspräsidenten in einer Schule zur „Rentrée“ ist Tradition, bisher wurden dafür allerdings vorrangig Schulen in den Problemvierteln der Pariser Vorstädte ausgewählt. Mit seinem Besuch in Forbach setzt der Präsident ein Zeichen, dass er sich nicht nur für Paris, sondern auch für alles außerhalb von Paris interessiert.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 04.09.2017 berichtet.

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