Energiewende (Foto: dpa)

Mit Windkraft zur Energiewende?

Oliver Buchholz   13.05.2017 | 08:30 Uhr

Eine neue Photovoltaikanlage in Jägersfreude, eine geplante Biomasseanlage in Ensdorf und etliche Windkraftprojekte machen deutlich: Der Ausbau erneuerbarer Energien im Saarland schreitet voran. 20 Prozent des saarländischen Stromverbrauchs sollen bis 2020 aus erneuerbaren Energien stammen. Von dem Ziel ist das Land aber noch ein gutes Stück entfernt und einem der Hauptantreiber, der Windkraft, soll künftig ein kleiner Riegel vorgeschoben werden.

CDU und SPD halten an dem Ziel fest: Bis 2020 sollen 20 Prozent des saarländischen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. 2014 lag der Anteil bei 10,3 Prozent. Mehr als ein Drittel davon steuerten Windräder bei. Aktuellere Zahlen sind laut Energiebeirat, der die Landesregierung im Hinblick auf die Umsetzung der Energiewende auf regionaler Ebene berät, noch nicht veröffentlicht.

Es ist aber davon auszugehen, dass der Anteil der Windenergie in der Zwischenzeit gestiegen ist und weiter steigen wird. Mehr als ein Drittel der bislang 209 Genehmigungen wurden nach 2014 erteilt. Darüber hinaus laufen aktuell 38 weitere Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA). Bei 16 wird derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung (Vorstufe zum Genehmigungsverfahren) durchgeführt.

Besonderer Schutz für alte Wälder

Ob mit dem bereits geplanten und prognostizierten Windkraftausbau bis 2020 die 20-Prozent-Hürde gemeistert werden kann, ist indes noch unklar: Der Energiebeirat geht aktuell davon aus, dass in den nächsten drei Jahren die Gesamtenergieleistung der Windräder um rund 70 Prozent (von 300 auf 500 Megawatt) steigen wird, solange sie auch weiterhin im Wald gebaut werden.

Dem hat die neue Landesregierung im Koalitionsvertrag aber einen kleinen Riegel vorgeschoben: „Wir wollen auf Flächen des Staatswaldes die besondere Schutzwürdigkeit historisch alter Waldstandorte mit den Zielen der Energiewende in einen Ausgleich bringen“, heißt es dort. Das bedeutet, in jahrhundertealten Wäldern wie dem Warndt, dem Saarkohlewald und dem Hochwald soll der Windkraftausbau genau unter die Lupe genommen werden. Dort sollen Windräder nur noch errichtet werden dürfen, wenn es sich „um besonders windhöffige Standorte“ handelt, die bereits gut erschlossen oder vorbelastet sind.

Aus Sicht des Energiebeirats kommt es im Saarland aber auf den Windkraftausbau an, um die 20 Prozent zu erreichen. Andere Potenziale scheinen vorerst ausgeschöpft: Im Bereich Wasserkraft geht der Energiebeirat von keiner Steigerung aus, auch bei Strom aus Biomasse bestehe kein großes Entwicklungspotenzial. Die geplante Ensdorfer Biomasseanlage, die ab 2021 Strom liefern soll, ist eine Ausnahme. Bleibt neben der Windkraft noch der Strom aus Sonnenenergie. Der Solarausbau geht im Saarland allerdings langsamer voran, als noch 2014 angenommen. Die aktuellen Baupläne der Photovoltaikanlage auf dem Grubengelände in Jägersfreude werden daran kaum etwas ändern. Der Energiebeirat geht davon aus, dass der Solarstrom bis 2020 maximal um zwölf Prozent steigen wird.

Energieverbrauch als weitere Stellschraube

Eine weitere Stellschraube, um die 20-Prozent-Marke zu erreichen, brachte Energieministerin Anke Rehlinger (SPD) bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags ins Spiel. „Wir haben immer nur darüber gesprochen, wo, mit welcher Quelle soll der Strom erzeugt werden? Man kann auch durch Energieeffizienz, Energieeinsparung dieses Ziel erreichen“, sagte sie. Dazu will die Regierung beispielsweise finanzielle Anreize bei Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebestand der Industrie schaffen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 13.05.2017 berichtet.

Artikel mit anderen teilen