St. Elisabeth Krankenhaus Wadern (Foto: Stadt Wadern)

Entsetzen über Schließungspläne

  06.06.2017 | 15:39 Uhr

Mit Wut und Entsetzen hat Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler auf die angekündigte Schließung des St.-Elisabeth-Krankenhauses reagiert. Die Stadt werde sich nicht damit abfinden. Die Landesregierung will das medizinische Angebot im Nordsaarland nun neu ausrichten.

Die Krankenhausschließung sei eine Katastrophe, unverantwortlich den Einwohnern gegenüber und unsozial gegenüber den Mitarbeitern, sagte Kuttler. Der erst im Vorjahr initiierte Krankenhausverbund mit drei weiteren Standorten sei offenbar nur eine vorgetäuschte Aktion gewesen, wirft Kuttler dem Träger vor.

Während die Unternehmensleitung das Millionendefizit der Klinik vor allem auf das für kleine Krankenhäuser schwierige Umfeld zurückführt, sieht Kuttler auch viele hausgemachte Probleme: Der Träger habe das Haus systematisch heruntergewirtschaftet.

Video [aktueller bericht, 06.06.2017, Länge: 3:34 Min.]
Interview mit Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling

Realität verkannt?

Kuttler sorgt sich nicht nur um die Arbeitsplätze, sondern auch die medizinische Versorgung der Bevölkerung. "Wer glaubt, dass er sich damit rausreden könne, dass ein Patient ja in 30 Fahrminuten das nächste Krankenhaus erreichen kann, verkennt die Realität", so Kuttler. Wadern sei als Mittelzentrum Dreh- und Angelpunkt für eine ganze Region. Für Patienten sei der Weg etwa nach Merzig, Losheim oder Hermeskeil im Notfall zu weit.

Bedauern bei der Landesregierung

Die Landesregierung bedauert die Entscheidung zur Schließung des Krankenhausstandortes Wadern. "Leider war es für den Träger nicht möglich, neue Patientinnen und Patienten zu gewinnen. Wir werden bei der laufenden Krankenhausplanung für den Zeitraum 2018 bis 2025 das medizinische Angebot im Nordsaarland auf der Basis eines von einem Sachverständigen erstellten Gutachtens neu ausrichten müssen“, erklärte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). 

Hintergrund
Waderner Krankenhaus schließt [06.06.2017]
Die Marienhausklinik St. Elisabeth in Wadern wird zum Jahresende geschlossen. Das hat die Unternehmensgruppe am Dienstag mitgeteilt. Ausschlaggebend seien alleine wirtschaftliche Gründe.

Für die Patienten liege mit Losheim ein Krankenhaus nur wenige Kilometer von Wadern entfernt. Zudem seien in einem Fahrzeitradius von maximal 30 Minuten weitere drei Grundversorger zu erreichen. Eine Taskforce unter der Leitung von Staatssekretär Stephan Kolling soll nun die Fortentwicklung des medizinischen Angebotes sektorübergreifend angehen.

Scharfe Kritik der Linken

Die Linke kritisierte die Schließung. "Gesundheit ist keine Ware. Der medizinische Bedarf und eine gute medizinische Versorgung müssen Vorrang vor der ‚Wirtschaftlichkeit‘ haben. Krankenhäuser dürfen nicht länger nach den Prinzipien von Markt und Wettbewerb organisiert werden", sagte die Landesvorsitzende Astrid Schramm. Krankenhäuser müssten angemessen finanziert werden, etwa durch eine Bürgerversicherung, in die jeder einzahle.

Tressel: Landesregierung ist in der Pflicht

Der saarländische Bundestagsabgeordnete Markus Tressel von den Grünen warnte, dass der ländliche Raum weiter an Attraktivität verlieren könnte, wenn die medizinische Versorgung nicht gesichert sei. "Schuld an der prekären finanziellen Situation der Kliniken ist auch die Landesregierung. Aufgrund zu knapper Investitionszuschüsse waren die Kliniken in der Vergangenheit bereits dazu gezwungen, Mittel für Personal- und Betriebskosten umzuschichten und beispielsweise für Sanierungsmaßnahmen zu verwenden", so Tressel. Die Landesregierung sei nun in der Pflicht, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in Wadern und Umgebung sicherzustellen.

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