Can Dündar (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Siebenpfeiffer-Preis geht an Can Dündar

  12.11.2017 | 13:35 Uhr

Der türkische Journalist Can Dündar hat am Sonntag in Homburg den Siebenpfeiffer-Preis 2017 erhalten. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in der Regel alle zwei Jahre an Journalisten vergeben, die sich für demokratische Grundwerte einsetzen.

Der Journalist, Dokumentarfilmer und Buchautor Dündar war im Mai 2016 in der Türkei zu einer fast sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Zusammen mit seinem Kollegen Erdem Gül hatte er über geheime Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien berichtet, was die türkische Justiz als Geheimnisverrat wertete. Seit Sommer 2016 lebt er im Exil in Deutschland.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 12.11.2017, Länge: 2:48 Min.]
Siebenpfeiffer-Preis geht an Can Dündar

Mit der Auszeichnung würden auch alle Kollegen geehrt, die mit ihm im Kampf für Demokratie und Pressefreiheit seien, sagte Dündar bei der Preisverleihung in Homburg. "Gleichzeitig ist es für diejenigen, die uns als Terroristen bezeichnen, eine Warnung." An die Jury gerichtet erklärte der Journalist: "Herzlichen Glückwunsch für den Mut, dass Sie einen Terroristen ausgesucht haben."

Der Vorsitzender der Jury, SR-Intendant Prof. Thomas Kleist, bezeichnete Dündar in der Jury-Begründung als einen Kämpfer, wie es einst Siebenpfeiffer gewesen sei. Und auch er habe einen hohen persönlichen Preis dafür gezahlt. Deshalb sei sich die Jury schnell einig gewesen, dass Can Dündar, ein würdiger Preisträger sei.

Siebenpfeiffer-Preis geht an Can Dündar

"Mit unserer Entscheidung, Can Dündar, den türkischen Journalisten, der nach Deutschland fliehen musste - und nun von hier aus unter schwierigsten Bedingungen weiter arbeitet - mit dem Siebenpfeiffer-Preis 2017 zu ehren, wollten wir ein starkes Signal setzen", so Prof. Thomas Kleist am Sonntag in Homburg.

Asselborn hielt bei der Preisverleihung die Laudatio

"Wir pflanzen die Freiheit" - Siebenpfeifferpreis geht an Can Dündar
Audio [SR 2, Studiogespräch: Frank Hofmann / Sabine Wachs, 12.11.2017, Länge: 05:12 Min.]
"Wir pflanzen die Freiheit" - Siebenpfeifferpreis geht an Can Dündar

Der luxemburgische Außenminister und Laudator Jean Asselborn lobte Dündar für seinen "kompromisslosen Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit". Innerhalb eines Jahres habe er viel verloren: seine Familie, sein Zuhause, seine Arbeit. Denn Dündars Frau und sein Sohn seien weiterhin in der Türkei und dürften das Land nicht verlassen. "Aus dem Schreiber Can Dündar ist gezwungenermaßen ein Aktivist für Freiheit und Demokratie geworden."

1987 wurde der Siebenpfeiffer-Preis erstmals an den Fernsehjournalisten Franz Alt verliehen. Weitere Preisträger waren unter anderem Heribert Prantl, Ralph Giordano, Carola Stern und zuletzt 2015 der US-Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald, der die NSA-Affäre aufgedeckt hat.

Erinnerung an Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar
Audio [SR 2, Sabine Wachs, 13.11.2017, Länge: 03:05 Min.]
Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar

Der Siebenpfeiffer-Stiftung gehören unter anderem der Saarpfalz-Kreis und die Stadt Homburg an. Mit dem alle zwei Jahre in Homburg verliehenen Preis wird auch an Philipp Jakob Siebenpfeiffer erinnert. Der Freiheitskämpfer zählte 1832 zu den Haupt-Initiatoren des Hambacher Fests, eine der größten Massenkundgebungen der damaligen Zeit für nationale Einheit und Freiheitsrechte. Das Hambacher Schloss in der Pfalz, zentraler Ort der Kundgebung, gilt als Wiege der deutschen Demokratie.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 12.11.2017 berichtet.

Artikel mit anderen teilen