Der chinesische Supercompter Sunway TaihuLight (Foto: Imago/Xinhua)

Luxemburg soll Sitz für Supercomputer-Netzwerk werden

  12.01.2018 | 12:06 Uhr

Die schnellsten Computer der Welt stehen derzeit in Ländern wie China und den USA - die EU ist vorerst abgehängt. Das soll sich ändern: Eine Milliarde Euro will die EU in neue Supercomputer investieren. Der Sitz des neuen Unternehmens, das die Infrastruktur aufbauen wird, soll in Luxemburg sein.

Mit Supercomputern können riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeitet werden, etwa die Strom- und Wasserversorgung effizienter gemacht oder die Vorhersage von Wirbelstürmen, Erbeben und Klimaveränderungen verbessert werden. Im Bereich der Medizin helfen Supercomputer bereits heute, schneller Diagnosen zu stellen und die Wirkung neuer Arzneimittel zu simulieren.

Nach Angaben der EU-Kommission verarbeiten europäische Wissenschaftler und Unternehmen ihre Daten derzeit aber außerhalb der EU, weil die verfügbaren Rechenzeiten hier nicht mehr ausreichen. Dieser "Mangel an Unabhängigkeit" stelle eine Gefahr für Geschäftsgeheimnisse, den Datenschutz und das in Europa starke Recht auf Privatsphäre dar. Das soll sich mit dem nun angekündigten Investitionsprogramm verbessern.

Supercomputer vor allem in China und den USA

EU-Vizekommissionspräsident Andrus Ansip verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass von den derzeit zehn besten Supercomputern der Welt kein einziger in einem EU-Land stehe. In der aktuellen Liste der schnellsten Supercomputer führte zuletzt klar China, das die zwei derzeit schnellsten Supercomputer betreibt. Auf Platz drei folgt mit "Piz Daint" eine Anlage aus der Schweiz. "Die EU muss in diesem harten Rennen aufholen", forderte er. Finanziert werden soll das neue europäische Supercomputer-System durch 486 Millionen Euro aus dem EU-Haushalt und durch einen etwa ebenso großen Betrag aus den nationalen Haushalten europäischer Staaten. Weitere Projektgelder könnten aus der Privatwirtschaft kommen.

EU schlägt Luxemburg als Standort vor

Der Sitz der Gesellschaft, die die neuen Supercomputer erwerben, einrichten und betreiben wird, soll in Luxemburg sein. Die EU-Kommission habe das Großherzogtum als Standort vorgeschlagen, teilte Wirtschaftsminister Étienne Schneider mit. Premierminister Xavier Bettel sagte, der Vorschlag der EU-Kommission bestätige die Attraktivität Luxemburgs als innovatives Land.

In der zweiten Jahreshälfte 2018 soll das neue Unternehmen entstehen. Es soll künftig auch ein Forschungsprogramm unterstützen, über das neue Technologien und auch Software entwickelt wird, die auf diesen leistungsfähigen Supercomputern laufen kann.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 11.01.2018 berichtet.

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