Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (Foto: dpa)

Brandenburgs Innenminister zum Abschiebeminister gekürt

  28.11.2016 | 20:16 Uhr

Die Flüchtlingsorganisation "Jugendliche ohne Grenzen" hat am Montag in Saarbrücken den brandenburgischen Innenminister Karl-Heinz Schröter zum "Abschiebeminister 2016" gewählt. Den Negativpreis erhält der SPD-Politiker unter anderem für seine unangekündigten Abschiebungen.

Mit dem Abschiebekoffer 2016 wird Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter gekürt. (Foto: Jugendliche ohne Grenzen)
Der Abschiebekoffer soll Schröter am Mittwoch übergeben werden.

Schröter soll am Mittwoch zum Abschluss der in Saarbrücken tagenden Innenministerkonferenz den "Abschiebekoffer" erhalten - gefüllt mit "Hausaufgaben, die er zu erledigen habe", teilte der Sprecher der Jugendorganisation, Nelli Foumba, dem SR mit. Schröter folgt damit auf den sächsischen Innenminister Markus Ulbig, der im vergangenen Jahr zum Abschiebeminister gekürt worden war.

"Betroffenen eine eigene Stimme geben

Junge Asylsuchende hatten 2005 "Jugendliche ohne Grenzen" ins Leben gerufen. Ziel der Jugendorganisation ist es nach eigenen Angaben, den Betroffenen eine eigene Stimme zu geben und keine "stellvertretende Betroffenen-Politik" zu betreiben." Rund 300 Jugendliche nehmen in diesem Jahr an der Konferenz in Saarbrücken teil, sagte Sprecher Foumba. Die Organisation begleitet jährlich die Herbstkonferenz der Innenminister mit einer eigenen Veranstaltung und Protestaktionen.

Flüchtlingsprotest gegen Innenministerkonferenz
Audio [ SR 2 KulturRadio, 29.11.2016, Länge: 3:36 Min.]
Flüchtlingsprotest gegen Innenministerkonferenz

Initiativpreise für regionale Flüchtlingsorganisationen

Neben dem Negativtitel Abschiebeminister haben die Jugendlichen in diesem Jahr auch drei positive Auszeichnungen an Initiativen aus der Region vergeben. So wurden die "Refugee Welcome Box Saarland", das "Multikulturelle Zentrum Trier" und das "LGBTI Refugees Networt Saarland" für ihr ehrenamtliches Flüchtlingsengagement ausgezeichnet.

"Refugee Welcome Box Saarland" bietet den Angaben zufolge jungen Flüchtlingen eine Geschenkbox, wenn sie ankommen. Da das Saarland zurzeit keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge mehr aufnimmt, stattet das Projekt junge Geflüchtete mit Schulranzen und einem Schulstarterpaket aus. Das "Multikulturelle Zentrum Trier" bietet seit 25 Jahren für alle offene Deutschkurse an. Das "LGBTI Refugees Network Saarland" kümmert sich um schwule, lesbische, transgender und intersexuelle Flüchtlinge.

Video [aktueller bericht, 28.11.2016, Länge: 4:44 Min.]
Faktencheck Flüchtlinge: Abschiebung
Im Saarland stagniert die Zahl der abgeschobenen Flüchtlinge. Rund 1000 Menschen sind aktuell geduldet und müssen jederzeit mit einer Abschiebung rechnen. Zu diesen gehören Nehat Grabovci und seine Familie. Der aktuelle bericht hat sich die Situation der Familie genauer angesehen.

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