Grundschüler mit ihren Schulranzen (Foto: dpa)

Protest gegen Situation an den Schulen

Nelly Theobald / Onlinefassung: Caroline Uhl   20.03.2017 | 21:00 Uhr

Lehrer und Eltern hadern mit der Situation an saarländischen Schulen. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) startete deshalb eine Postkartenaktion. Elternvertreter richteten indes einen Brandbrief an den Bildungsminister, sie beklagen eine bedenkliche Lage an den Grundschulen im Land.

Inklusion, Kinder, die kaum Deutsch sprechen, und zu wenige Lehrer – in den saarländischen Grundschulen läuft nach Auffassung der Schulregion-Elternvertretung einiges schief. Ihren Unmut über die Situation fassten die Eltern in einem Brandbrief zusammen, den sie am Montag an Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) persönlich übergaben.

"Uns Eltern stört es im Moment, dass die Ist-Situation nicht derart gestaltet ist, wie es vielleicht sein sollte", begründet Elternvertreter Kai Werner die Initiative. "Dazu gehört zum Beispiel die Inklusion. Aber auch die fehlenden Grundschullehrer gegenwärtig und auch die schlechte Ausstattung an den Schulen", zählt er auf.

Video [aktueller bericht, 20.03.2017, Länge: 3:07 Min.]
Brandbrief von Eltern an das Bildungsministerium

Neue Grundschule für Saarbrücken

Der Bildungsminister gab sich am Montag verständnisvoll. Das Problem sei nicht das Geld, sondern es fehlten einfach Grundschullehrer. Die ersten Studenten für Lehramt an Grundschulen an der Saar-Uni seien jetzt im Referendariat. Sobald sie fertig seien, würden sie neu eingestellt. Er wolle außerdem eine neue Grundschule in Saarbrücken einrichten, kündigte Commerçon an. Außerdem verwies der Minister darauf, was er zuletzt bereits vorangebracht habe: bessere Bezahlung für Berufseinsteiger, weniger verpflichtende Schulstunden. Das aktuelle Thema sei die Entlastung der Schulleitungen.

Doch nicht nur die Eltern machen Druck, sondern auch die Lehrer. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) hatte zu Jahresbeginn eine Postkartenaktion gestartet. Mit den Karten, adressiert an den Minister, wollten die Lehrer ihre Forderungen verdeutlichen, sagte Wiebke L'Hoste. "Wir können sagen, dass es eine gute Aktion war. Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen", fasst L'Hoste zusammen. "Unsere Haupt-Forderungen sind, dass im Moment die Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen an allen Schulen sehr, sehr hoch ist. Wir fordern konsequente Doppelbesetzung in allen Klassen", betonte sie.

SR 3 - Eltern und Lehrer beklagen Situation an den Schulen
Audio [SR 3, Nelly Theobald, 20.03.2017, Länge: 03:00 Min.]
SR 3 - Eltern und Lehrer beklagen Situation an den Schulen

Postkarten "ein bisschen albern"

Im Bildungsministerium weiß man nicht, wie viele Karten angekommen sind. Commerçon selbst bezeichnete die Aktion als "ein bisschen albern" und dem Personalrats-Wahlkampf geschuldet. In dem Anschreiben zu der Aktion habe gestanden, es sei eine Unverschämtheit, dass Lehrer jetzt bis in den Nachmittag hinein in der Schule sein müssten. "Da sage ich: Da tut man den Lehrern keinen Gefallen mit dem öffentlichen Ansehen", sagte der Minister. Antworten will er aber trotzdem.

Der SLLV wies am Abend Commerçons Äußerungen zurück. Seit Jahren kämpfe der Verband für Verbesserungen in den Schulen. „Wer in der Öffentlichkeit die Protestaktion als albern bewertet, deren Inhalte verquer wiedergibt und die Anzahl der vielen eingegangenen Protestkarten bewusst nicht nennt", muss sich die Frage gefallen lassen, wer hier Wahlkampf betreibt“, erklärte die Landesvorsitzende Lisa Brausch. Am Sonntag wählt das Saarland einen neuen Landtag.

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