Dennis Lander (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Jung, links und ein Bündel voller Fragen

Caroline Uhl   17.06.2017 | 08:48 Uhr

Er ist akuell der wissbegierigste Abgeordnete im Landtag. Keine drei Monate im Parlament macht der Linken-Politiker Dennis Lander von seinem Fragerecht gegenüber der Landesregierung rege Gebrauch. Das lässt aufhorchen und verleiht Lander Aufmerksamkeit. „Gut so“, werden sie in seiner Partei denken, denn Lander ist das Gesicht der neuen jungen Linken an der Saar.

Dennis Lander braucht ein bisschen, um in dem tristen Besprechungsraum in Fahrt zu kommen. Er knetet die Hände, wechselt die Sitzposition. „Ich bin ja eher zufällig hier reingekommen“, wird er im Laufe des Gesprächs erzählen – „hier“, das ist der Landtag –  Lander sitzt seit der Wahl Ende März im Parlament – und das mit dem Zufall ist eine Untertreibung.

Video [aktueller bericht, 30.03.2017, Länge: 3:38 Min.]
Neue Abgeordnete im saarländischen Landtag

Mit ihm hat die Partei viel vor – und er gibt Gas. Mit 23 Jahren zum Abgeordneten gewählt, ist Lander der jüngste Parlamentarier im aktuellen Landtag. Das hatte ihm unmittelbar nach der Wahl schon ein bisschen Aufmerksamkeit beschert. „Wenn es den Leuten jetzt hilft, mich einordnen zu können, dann ist das okay“, sieht er sein Prädikat als „Der Jüngste“ aktuell gelassen. „Aber in fünf Jahren möchte ich natürlich an meiner Arbeit gemessen werden.“ Seine Partei wird Landers Aufstieg mit Wohlwollen beobachtet haben, denn die saarländische Linke will sich ganz offiziell aktiv verjüngen.

Die Jugend siechte

Die Linke ist – wie alle großen Parteien – überaltert. Das Durchschnittsalter ihrer Mitglieder lag deutschlandweit zuletzt bei 59 Jahren, nur knapp hinter SPD und CDU mit jeweils 60. Im Saarland kam erschwerend hinzu, dass die eigene Jugendorganisation Solid lange dahinsiechte, mit nichts von sich hören machte.

Es ist mit Landers Verdienst, dass die Linksjugend zuletzt wieder an Aktiven und innerhalb der Linken auch an Bedeutung gewann. „Der Jugendverband lag vor einigen Jahren brach, ihn wieder aufzubauen und dann Anerkennung zu bekommen, das hat etwas gedauert“, erinnert sich Lander, der selbst erst 2015 in die Partei eintrat.

Prominent in Szene gesetzt

Dennis Lander (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Lander will für Themen bekannt werden, nicht für sein Alter

Zwei Jahre und einen steilen Aufstieg später ist der Saarbrücker das Gesicht der jungen Linken an der Saar – auch wenn er selbst das so nicht gelten lassen will. Lander, der bevor er Berufspolitiker wurde, in der Rechtsmedizin am Saarbrücker Winterberg-Klinkum gearbeitet hatte, gibt sich lieber bescheiden. Es sei nicht nur er, der die Verjüngung anführe. Immerhin hätten ja zwei junge Linke auf den Listen für den Landtag gestanden. Ebenfalls zwei hat die Partei auf – wenngleich aussichtslose – Listenplätze für die Bundestagswahl gewählt. Doch als einziger in der Öffentlichkeit steht aktuell aber nun mal er, der Abgeordnete Lander.

Ganz prominent hatte Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine Ende März auch Landers Einzug ins Parlament in Szene gesetzt. Gemeinsam waren beide am Tag nach der Landtagswahl vor die Presse getreten. Dennis Lander als Anschauungsobjekt – er saß einfach da, präsentiert vom Chef als Exempel zu dessen Ankündigung, dass die Partei künftig im ganzen Land um „mehr Junge werben“ wolle.

Vier Ausschüsse und viele Fragen

Dörr, Lander, Zeyer: Generationentreffen im neuen Landtag
Audio [SR 3, Marc Hoffmann, 25.04.2017, Länge: 02:49 Min.]
Dörr, Lander, Zeyer: Generationentreffen im neuen Landtag

Doch nicht nur mit seinem Alter sorgt Dennis Lander für Aufmerksamkeit, auch mit seiner Rührigkeit. Er sitzt für die kleine Linksfraktion in vier Ausschüssen und einem Unterausschuss: Inneres, Soziales, Justiz, Europa und Datenschutz. Fünf Anfragen an die Landesregierung hat er schon gestellt, seine sechste „ist schon in der Pipeline“, wie es aus der Fraktion heißt. So umtriebig war in der noch jungen Legislaturperiode bisher kein anderer Abgeordneter, bei Weitem nicht. Lander zuckt nur mit den Schultern, kann sich ein Grinsen nicht ganz verkneifen. Gar nicht gewusst.

Er hat Fragen an die Regierung zur automatischen Kennzeichenerfassung gestellt, zur Arbeitsbelastung im Rettungsdienst oder der Sportförderung. „Das sind Dinge, die mich interessiert haben.“ Und wenn ihm sonst eben keiner seine Fragen beantworten könne, „warum sollte ich dann nicht anfragen?“ Unschuldsmiene.

Aber Kalkül dahinter. Er ist auf der Suche nach den Sachen im Land, „die nicht so gut laufen momentan. Durch solche Anfragen kann man natürlich sehen, wie die Regierung auf gewisse Dinge reagiert.“

Und für Aufmerksamkeit sorgen die Anfragen obendrein. „Gerade wenn man so eine kleine Opposition ist, muss man schauen, dass man ja trotzdem öffentlichkeitswirksam auf gewisse Defizite hinweist.“ Und erklärtes Ziel ist es ja, mit der eigenen Arbeit aufzufallen und nicht auf ewig mit dem Beinamen „der Jüngste“.

Artikel mit anderen teilen