Der Pingusson-Bau in Saarbrücken (Foto: Axel Burmeister)

Opposition geht beim Pingusson-Bau die Geduld aus

Uli Hauck / Onlinefassung: Caroline Uhl   08.11.2017 | 10:08 Uhr

Die Opposition im saarländischen Landtag fordert eine schnelle Entscheidung über die Renovierung des Pingusson-Baus in Saarbrücken. Bauminister Bouillon hatte am Dienstag die Renovierung des Gebäudes infrage gestellt. Hintergrund sind offenbar nicht nur Geld-, sondern auch Personalsorgen.

Eines Tages soll das Kultusministerium wieder zurückziehen in das denkmalgeschützte Gebäude unweit der Saar. Doch zuvor muss der Bau, einst französische Botschaft in Saarbrücken, umfassend saniert werden. 32 Millionen Euro sind dafür bisher vorgesehen, doch ob die reichen, bezweifelt Saar-Bauminister Klaus Bouillon (CDU) augenscheinlich. Er will den Pingusson-Bau trotz gegenteiligen Kabinettsbeschlusses offenbar nicht um jeden Preis erhalten und erst einmal eine Kostenanalyse erstellen lassen. Bis Mitte 2018 soll es damit auf die Kostenfrage eine Antwort geben.

Kosten laufen weiter

Renovierung des Pingusson-Baus - Kommentar von Barbara Grech
Audio [SR 3, (c) SR, 08.11.2017, Länge: 02:56 Min.]
Renovierung des Pingusson-Baus - Kommentar von Barbara Grech

Der Opposition im Saar-Landtag ist das Hin und Her um das Baudenkmal offensichtlich leid. Der baupolitische Sprecher der Linken, Jochen Flackus, forderte von der Landesregierung nun eine schnelle Entscheidung für den Bau. In den letzten dreieinhalb Jahren seien allein in den Erhalt des leerstehenden Gebäudes 215.000 Euro geflossen. Hinzu kämen jährlich 1,4 Millionen Euro Miete für die Alte Hauptpost, indem das Kultusministerium derzeit untergebracht ist. Auch dem AfD-Abgeordneten Lutz Hecker fehlen klare Aussagen zu Zeitrahmen und Finanzierung der Renovierung.

"Würden uns lächerlich machen"

Commerçon: "Herrn Bouillon sind die Gäule durchgegangen"
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 08.11.2017, Länge: 05:37 Min.]
Commerçon: "Herrn Bouillon sind die Gäule durchgegangen"

Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) reißt offenbar ebenfalls langsam der Geduldsfaden. Der Bau-Minister habe zu bauen "und nicht ständig irgendetwas infrage zu stellen", sagte Commerçon im Gespräch mit SR 2 KulturRadio. Die Grundsatzentscheidung für eine Sanierung des Gebäudes sei gefallen. "Alles andere wäre auch ein Unding. Wir würden uns nicht nur im Saarland, sondern weit über die Grenze in ganz Europa lächerlich machen, wenn wir dieses ganz bedeutende historische Gebäude dem Abriss zuführen würden."

Bauchschmerzen bereitet dem Bauminister aber offenbar nicht nur das Geld. Im zuständigen Landtags-Ausschuss wurde am Dienstag offenbar auch deutlich, dass das Bauministerium nicht genügend Mitarbeiter hat: So wurde Personal vom Pingusson-Bau für ein anderes Projekt an der Uni abgezogen.

Kulturprojekte ohne Bleibe

Hintergrund
Pingusson-Bau: Bouillon geht auf Konfrontationskurs
In der großen Koalition gibt es Streit um den sogenannten Pingusson-Bau. Grund sind die Renovierungskosten, die wohl deutlich teurer werden als angenommen. Das schmeckt Bauminister Klaus Bouillon (CDU) überhaupt nicht. Er nahm am Mittwoch sogar das Wort "Abriss" in den Mund. Doch damit hat sich der pragmatische Minister offenbar zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Staatskanzlei reagierte prompt.

Außerdem ist aktuell die Nutzung des leerstehenden Pingusson-Baus für Kultur-Veranstaltungen fraglich. Das ist nicht nur für das Theater-Projekt Korso-Op-Kollektiv ein Problem – die Theaterleute mussten sich kurzfristig eine neue Spielstätte suchen. Auch das Kultusministerium wollte das Gebäude im Rahmen des Europäischen Kulturerbe-Jahrs 2018 für Projekte nutzen. Vom Bund gab es dafür 200.000 Euro.

Wie sich die Haftungsproblematik bei Veranstaltungen klären lässt, ist offen. Kultusminister Commerçon bleibt aber entspannt: Er sei "guter Dinge", sagte der Minister. "Es gibt keine besondere Gefährdung in den Räumlichkeiten, die bespielt werden", sagte der Minister. Für ihn geht es darum, dass in einem Notfall Menschen geschützt werden. Das sei in den Griff zu kriegen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 08.11.2017 berichtet.

Artikel mit anderen teilen