Das Areal Betzenhölle bei Neunkirchen (Foto: SR/Alexander M. Groß)

LIK Nord: Attacke gegen Projekt-Gegner

Christoph Grabenheinrich / Onlinefassung: Caroline Uhl   06.03.2017 | 19:57 Uhr

Die Mehrheit der Bewohner im Landkreis Neunkirchen spricht sich einer Umfrage zufolge für eine Ansiedlung der Warenhauskette Globus in Neunkirchen aus. Thema der Befragung war allerdings nicht der umstrittene geplante Standort im Naturschutzprojekt LIK Nord. Gegner der Warenhaus-Pläne sehen sich unterdessen Anfeindungen ausgesetzt.

Die Neunkircher Stadtverwaltung will nach eigener Aussage zur Versachlichung der Diskussion um die umstrittenen Baupläne in der Neunkircher Betzenhölle beitragen. Sie gab deshalb eine repräsentative Befragung in Auftrag. Diese ergab: 58 Prozent der 1000 befragten Bürger im Landkreis Neunkirchen sind für eine Globus-Ansiedlung.

Standortdebatte ausgespart

Bevölkerung mehrheitlich für Globus-Ansiedlung in Neunkirchen
Audio [SR 3, 06.03.2017, Länge: 3:03 Min.]
Bevölkerung mehrheitlich für Globus-Ansiedlung in Neunkirchen

Der kritische Standort dafür, nämlich auf einem Teilgebiet des jetzigen Naturschutzprojektes LIK Nord, wurde allerdings gar nicht thematisiert. "Den Standort haben wir nicht thematisiert, weil wir ja nicht wissen, ob der Standort endgültig derjenige ist, wo möglicherweise die Ansiedlung stattfinden wird", sagt Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD).

Die Neunkircher Betzenhölle sei zwar momentan der von Globus bevorzugte Standort, "allerdings könnte es durchaus sein, dass zunächst das Bundesamt für Naturschutz sagt, 'Nein, wir sind mit dem Flächentausch nicht einverstanden', oder dass die Landesplanung zu dem Ergebnis kommt, aus raumordnerischen und landesplanerischen Gesichtspunkten passt der Standort auch nicht", erklärte Fried. Dann müsste ja sowieso über einen anderen Standort nachgedacht werden.

15.000 Euro Schaden

Mitglieder der noch jungen Bürgerinitiative Pro Betzenhölle sehen sich derweil Anfeindungen ausgesetzt. Unbekannte beschädigten ihr Privatfahrzeug. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf 15.000 Euro. Ob ein Zusammenhang zur Globus-Ansiedlung besteht, ist völlig unklar. Aufgrund des Tathergangs und des abgelegenen Tatorts geht die Polizei von einer gezielten Tat aus, will sich zu einem möglichen Hintergrund aber nicht äußern.

Die Familie hat Angst. "Wir spüren im Rahmen unserer Aktivität für die Bürgerinitiative eben schon, dass da sehr viel Aggression gegen uns besteht, dass wir jetzt Anfeindungen ausgesetzt sind. Und wir können jetzt nicht an einen Zufall glauben, wenn wir das jetzt hier sehen", sagt Daniela Kirsch von der BI Pro Betzenhölle. Im Vorfeld habe es schon Aussagen gegeben, "dass man vorsichtig sein muss, wenn man sich gegen ein solches Vorhaben zu Wehr setzt", erzählt sie.

Video [aktueller bericht, 06.03.2017, Länge: 3:40 Min.]
Streit um LIK Nord spitzt sich zu

Fünf Anläufe für einen Raum

Die Bürgerinitiative hatte es von Anfang an schwer. Erst im fünften Anlauf gelang es, einen Raum für eine Podiumsdiskussion anzumieten, im Vorfeld hatte es selbst von offizieller Seite Absagen gehagelt. "Wir hatten erst eine Zusage der Stummschen Reithalle, die dann kurz darauf wieder abgesagt wurde, weil der Raum besetzt sei. Wir haben dann aber nachrecherchiert, der Raum war nicht besetzt an dem Tag", erzählt Kirsch. Auch eine schriftliche Zusage für die Nutzung einer Schule habe die BI gehabt. "Als dann die Einladung an die Stadtverantwortlichen kam, ist interveniert worden, ist der Raum wieder abgesagt worden", erinnert sie sich.

Bis heute konnte die BI auch noch kein Unternehmen finden, das eine Umweltanalyse für sie erstellt. Vier Betriebe hätten sich nach anfänglichem Interesse wieder zurückgezogen – aus Angst, wie es heißt.

Stadt will Geländetausch

Globus plant auf dem jetzigen Gelände der LIK Nord einen neuen Standort. Dafür müsste ein kleiner Teil der LIK Nord-Fläche aus dem Naturschutzprojekt an der Betzenhölle herausgelöst werden. Die Stadt Neunkirchen hatte sich vehement für den Geländetausch eingesetzt, die Mehrheit der LIK-Verbandsversammlung war dem Ansinnen gefolgt. Nun entscheidet das Bundesamt für Naturschutz über die Auslösung der Flächen aus dem LIK-Nord-Gelände. Illingens Bürgermeister Armin König (CDU), Einzelhändler und die Bürgerinitiative gehören zu den Gegnern des Projekts.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 06.03.2017 berichtet.

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