Krankenhäuser im Saarland: Marienklinikum in Dillingen (Foto: Pasquale D’Angiolillo)

Krankenhaus in Dillingen wird bis 2019 geschlossen

Uli Hauck / Onlinefassung: Markus Person   23.08.2017 | 12:57 Uhr

Nach dem Aus für den Krankenhausstandort Wadern wird der Träger, die Marienhaus GmbH, auch den Klinikstandort Dillingen schließen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die medizinische Versorgung soll am Standort Saarlouis konzentriert werden.

Unternehmenssprecher Heribert Frieling teilte in einer schriftlichen Stellungnahme mit, die Schließung werde bis Anfang 2019 erfolgen. Den Angaben zufolge werden die letzten verbleibenden Stationen in Dillingen, die innere Medizin und die Neurologie, in das Marienhaus Klinikum Saarlouis umziehen. Bis dahin will man dort mit den Baumaßnahmen fertig sein, um die beiden Abteilungen in die Klinik zu integrieren.

Video [aktueller bericht, 23.08.2017, Länge: 3:13 Min.]
Krankenhaus in Dillingen wird bis 2019 geschlossen

Millioneninvestitionen in Saarlouis geplant

Nach Angaben aus dem CDU-geführten Sozialministerium will die Marienhaus GmbH rund acht Millionen Euro investieren, den Großteil am Standort Saarlouis. Dafür hat der Träger, wie im Fall Wadern, ebenfalls einen Antrag auf Fördergelder aus dem Krankenhausstrukturfonds gestellt. Von Ministeriumsseite heißt es weiter, von der Schließung in Dillingen seien 48 Angestellte betroffen.

Video [aktueller bericht, 23.08.2017, Länge: 3:34 Min.]
Kollegengespräch mit Nelly Theobald, SR-Reporterin

Weiter medizinisches Angebot in Dillingen

Trotz der Krankenhausschließung soll in Dillingen weiter ein medizinisches Angebot erhalten bleiben. Zu bestehenden Praxen im Altbau des Krankenhauses soll ab Dezember eine internistische Gemeinschaftspraxis kommen. Dagegen soll das Bettenhaus mit rund 110 Plätzen, das sich baulich in einem schlechten Zustand befindet, abgerissen werden.

Das Krankenhaus Saarlouis/Dillingen war erst im Jahr 2012 aus der St.-Elisabeth-Klinik Saarlouis und dem Caritas-Krankenhaus Dillingen entstanden. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Frieling kommt die Schließung nicht überraschend. Schon früh sei eine mögliche Umstrukturierung kommuniziert worden. Seit 2014 beschäftige sich eine Projektgruppe - unter anderem mit dem Dillinger Bürgermeister und Ratsmitgliedern - mit einer Nachnutzung des Gebäudes.

Kritik an Klinikschließung

Das Dillinger Krankenhaus schließt 2019: Erste Reaktionen
Audio [SR 3, Steffani Balle, 23.08.2017, Länge: 03:08 Min.]
Das Dillinger Krankenhaus schließt 2019: Erste Reaktionen

Die Opposition im Landtag und der Landkreis haben die angekündigten Krankenhaus-Schließungen kritisiert. Die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Petra Berg bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf die erwähnte Projektgruppe. Diese sei bei der Schließungsentscheidung "völlig übergangen" worden. Für den Saarlouiser Landrat Patrick Lauer (SPD) kommt die Schließung des Dillinger Krankenhauses „Knall auf Fall“. Sie sei ein riesiger Verlust für die Versorgungsqualität im Raum Dillingen, Nalbach und Rehlingen-Siersburg. Für die CDU sagte die Dillinger Landtagsabgeordnete Dagmar Heib, jetzt gehe es darum, die medizinische Versorgung für die Menschen vor Ort sicherzustellen. Es ist daher erfreulich, dass es mit dem geplanten Gesundheitszentrum auch in Zukunft ein medizinisches Leistungsangebot in Dillingen geben werde.

Armin Lang (SPD): "Die Versorgung für die Menschen wird nicht schlechter.“
Audio [SR 3, Interview: Frank Hofmann / Armin Lang, 24.08.2017, Länge: 05:07 Min.]
Armin Lang (SPD): "Die Versorgung für die Menschen wird nicht schlechter.“

Auch die Landtagsfraktion der Linken wurde von der Schließung überrascht. Sie fordert von der Landesregierung eine wohnortnahe Notfallversorgung, sowie eine ausreichende Versorgung in Spezial-Kliniken sicherzustellen. Die Landtagsfraktion der AfD hat die geplante Schließung ebenfalls kritisiert. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Marienhaus GmbH systematisch Krankenhaus-Standorte plattmache und dafür noch finanzielle Hilfen bekomme. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Rudolf Müller forderte die Landesregierung auf, das Geschäftsmodell des Trägers intensiv zu prüfen.

Die saarländischen Grünen haben von Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) "Transparenz" verlangt. Künftig sollten die Bürger an der Zukunftsplanung der Krankenhauslandschaft beteiligt werden. Die FDP weist darauf hin, dass , es die Pflicht der Landesregierung gewesen wäre, auch auf die Subventionierung der endgültigen Schließung des Krankenhauses Dillingen hinzuweisen. Der Landesvorsitzende Oliver Luksic sagte, "Frau Bachmann und ihr Staatssekretär Kolling haben die Öffentlichkeit und vor allem die von der Schließung betroffenen Bürger und Mitarbeiter wochenlang hinters Licht geführt." Ein neuer Krankenhausplan sei seit 2015 überfällig.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 23.08.2017 berichtet.

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