Ein Streikender mit Trillerpfeiffe (Foto: dpa)

Keine Klinik-Streiks – aber auch nicht überall Verhandlungen

Steffani Balle   18.03.2017 | 11:57 Uhr

Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) will sich nicht an Verhandlungen über mehr Pflegepersonal an den Saar-Kliniken beteiligen. Dieser sieht sich dafür nicht zuständig, wie die KAV-Geschäftsführerin Beckmann-Roh sagte. Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor geplante Streiks abgesagt und dies mit Gesprächsbereitschaft der Arbeitgeber über einen Entlastungstarifvertrag begründet.

Die Geschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV), Barbara Beckmann-Roh, stellte klar: Wir verhandeln keine Tarifverträge! Da habe Verdi wohl etwas falsch verstanden, denn es bleibe dabei: Ihr Verband sei kein Ansprechpartner für Tarifverhandlungen. Die müssten auf Bundesebene mit dem übergeordneten Verband der kommunalen Arbeitgeber geführt werden. Allein der habe die Tarifhoheit.

Dass die Pflege im Krankenhaus ein Problem sei, das wüssten auch die kommunalen Arbeitgeber, betonte Beckmann-Roh. Miteinander reden, um einen Lösungsansatz zu finden, das könnten KAV und Gewerkschaft immer, aber eben nicht über Tarifverträge.

Streik nur letztes Mittel

Verdi-Gesundheitssekretär Michael Quetting bedauerte, dass es nun doch so komme, wie befürchtet: Nämlich dass die Krankenhäuser in kommunaler Hand jetzt alleine dastünden. Alle anderen Träger hätten Gespräche über einen Tarifvertrag zur Entlastung des Pflegepersonals zugesagt. Auch von den Kommunalen sei das signalisiert worden, aber wohl nicht so gemeint gewesen.

Dennoch, fügte Quetting an, werde am Montag nicht gestreikt. Streik sei das letzte Mittel und solange man wenigstens rede, sollte dieser ausgesetzt bleiben.

Die Uniklinik in Homburg, das Caritas-Klinikum in Saarbrücken und die Marienhauskliniken hatten sich zuvor gesprächsbereit gezeigt. Die Uniklinik in Homburg und Verdi wollen am nächsten Donnerstag Verhandlungen aufnehmen.

Verdi: Über 3000 Stellen zu wenig

Die Gewerkschaft fordert mehr Personal, verlässliche Arbeitszeiten, einen Belastungsausgleich und einen Tarifvertrag "Entlastung" für alle Krankenhäuser. Nach Verdi-Berechnungen fehlen in saarländischen Krankenhäusern rund 3350 Stellen, bundesweit sogar 162.000. Der Mangel erstrecke sich über alle Berufsgruppen. Die Folge sei eine starke Überlastung des Personals.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 18.03.2017 berichtet.