Der IT-Gipfel in Saarbrücken: Gäste (Foto: D'Angiolillo)

Kein Entkommen vor der Digitalisierung

Caroline Uhl   18.11.2016 | 09:08 Uhr

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und wird alle Lebensbereiche durchdringen. Das war die vorherrschende Meinung auf den Podien des Nationalen IT-Gipfels, der am Mittwoch und Donnerstag in Saarbrücken stattfand. Namhafte Vertreter aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren zu der Veranstaltung in die Landeshauptstadt gekommen.

Eines steht nach zwei Tagen Nationalem IT-Gipfel in Saarbrücken fest: Der Digitalisierung kann keiner entkommen. „Die Veränderung, die uns in den nächsten zehn Jahren erwartet, gehen weit über das hinaus, was wir in der letzten Dekade erlebt haben“, prognostizierte der Präsident des Hightech-Verbands Bitkom, Thorsten Dirks. Die Technologie werde der Treiber der Veränderung sein, deren Auswirkungen werde jeder erleben.

Video [aktueller bericht, 17.11.2016, Länge: 3:06 Min.]
Bundeskanzlerin lobt IT-Standort Saarland

Die Wirtschaft beispielsweise, so die einhellige Meinung in den Gesprächsrunden, müsse sich für die Mensch-Maschine-Interaktion, die Industrie 4.0, fit machen. Das gelte ausdrücklich nicht nur für Großkonzerne, sondern auch für den Mittelstand. Gesellschaftlich bisher feste Maxime gehörten zudem überdacht: Aus dem reinen Datenschutz beispielsweise müsse Datensouveränität werden, also der kompetente Umgang damit, wem der Einzelne welche seiner Daten zur Verfügung stellt. In der Schule schließlich müssten Kinder und Jugendliche lernen, sich in einer Welt im digitalen Wandel zurechtzufinden.

Mini-Computer und smarte Schulen

Der Bereich Bildung war der Schwerpunkt des zehnten IT-Gipfels, der in diesem Jahr mit 1100 Teilnehmern zum ersten Mal im Saarland stattfand. Schon am Mittwoch hatte es deshalb vor allem an der Saarbrücker Uni eine ganze Reihe von Veranstaltungen zur digitalen Bildung gegeben. Drittklässlern etwa wurde ihr neuer Mini-Computer für den Unterricht vorgestellt und zwei saarländische Schulen wurden offiziell zur „Smart School“ ernannt.

Von klein auf, lebenslang, digital
Audio [SR2, 18.11.2016, Länge: 04:20 Min.]
Von klein auf, lebenslang, digital

„Kompetenz und Orientierung“ – auf diese beiden Schlagworte setzte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), dessen Ressort den IT-Gipfel federführend veranstaltete, beim Thema Digitalisierung und Bildung. Genauso wichtig wie die Kompetenz, sei die Orientierung. „Diese Neuvermessung der Welt gestalten zu können, heißt erst einmal, sie verstehen zu können“, betonte der Minister.  „Orientierung in einer veränderten Welt, das ist die Voraussetzung dafür, souverän zu sein.“

Tafeldienst und Tablet

Schüler der Gemeinschaftsschule Bellevue in Saarbrücken, eine der beiden neuen „Smart Schools“, hatten am Donnerstag einen ganz besonderen Auftritt: Per Videochat wurden sie zum Gipfel in die Saarbrücker Congresshalle geschaltet, um vor großem Publikum mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu plaudern. So erfuhren Kanzlerin und Publikum dann, dass die Saarbrücker Schüler lieber mit als ohne Tablet-Computer lernen und dass es in einer „Smart School“ auch noch immer einen ganz analogen Tafeldienst gibt.

Für eineinhalb Stunden war Merkel zum IT-Gipfel gekommen. Danach ging es wieder zurück nach Berlin, wo, ebenfalls ganz analog, der scheidende US-Präsident Barack Obama zum Gespräch wartete.

Neuer Name, neues Thema

Der nächste Gipfel in der Region Rhein-Neckar soll das Thema E-Health, also Digitalisierung der Gesundheitssysteme, zum Schwerpunkt haben. Die Veranstaltung selbst soll dann den Namen „Digitalisierungs-Gipfel“, statt „IT-Gipfel“ tragen. Um der während der beiden Tage so eindringlich beschriebenen rasanten Geschwindigkeit in der digitalen Welt Rechnung zu tragen, dürfte das nicht der einzige Impuls bleiben, der von dem diesjährigen Treffen übrig bliebe.

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