Eine Frau sucht in einer Zeitung nach Stellenangeboten. (Foto: dpa)

Der Arbeitsmarkt: Was heißt was?

 

Arbeitslosenquote, Unterbeschäftigung und offene Stellen: Jeden Monat beugt sich die Wirtschaftswelt über die neuen Arbeitsmarkt-Zahlen. Regelmäßig fallen dabei Fachbegriffe, deren Unterscheidung mitunter im Detail liegt. Manchmal kann ein Begriff sogar zwei Bedeutungen haben. Eine Übersicht.

Erwerbstätige

Als erwerbstätig gelten alle Personen ab 15 Jahren, die eine bezahlte Tätigkeit ausüben. Zu ihnen zählen neben Arbeitern und Angestellten beispielsweise auch Beamte, Selbständige oder Leute mit Minijob. Eine ehrenamtliche Arbeit gilt hingegen nicht als Erwerbstätigkeit.


Abhängig Beschäftigte/abhängig Erwerbstätige

Diese Begriffe fassen laut Statistischem Bundesamt alle Beschäftigen – also beispielsweise Angestellten, Beamten, Arbeiter oder Azubis – zusammen, die mit einem Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag geschlossen haben. Selbständige gehören also nicht zu dieser Gruppe.


Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Darunter fasst das Statistische Bundesamt alle Arbeitnehmer zusammen, die kranken-, renten- und pflegeversicherungspflichtig sind und in die Arbeitslosenversicherung einzahlen oder für die zumindest der Arbeitgeber Beitragsanteile entrichtet. Das betrifft in der Regel alle Arbeiter und Angestellte sowie die Azubis. Nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen hingegen Beamte, Wehr- und Zeitsoldaten und Familienangehörige, die im heimischen Betrieb unentgeltlich mithelfen, sowie in der Regel auch Selbständige.


Erwerbslose

Als erwerbslos gelten laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO diejenigen, die in den letzten vier Wochen weniger als eine Stunde pro Woche gegen Vergütung gearbeitet haben und aktiv auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind. Sie müssen außerdem binnen kürzester Zeit auch eine Beschäftigung aufnehmen können. Es spielt dabei keine Rolle, ob sich die betreffenden Personen bei einer Arbeitsagentur als arbeitslos gemeldet haben.


Arbeitslose

Als arbeitslos gelten für die Bundesagentur für Arbeit (BA) alle erwerbsfähigen Personen in Deutschland zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter, die dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung stehen, gerade aber keine Stelle mit mehr als 15 Wochenstunden haben. Sie haben sich bei der BA als arbeitslos gemeldet, damit diese bei der Jobvermittlung hilft.

Die Arbeitslosenstatistik der BA ist dabei zu unterscheiden von der Erwerbslosenstatistik der ILO: Zum einen können Leute erwerbslos sein, die bei der BA aber nicht als arbeitslos gemeldet sind. Zum anderen gelten Arbeitslose, die noch eine geringfügige Tätigkeit ausüben, für die ILO nicht mehr als Erwerbslose, sondern als Erwerbstätige.


Langzeitarbeitslose

Das sind alle arbeitslos gemeldeten Personen, die am Stichtag einer Zählung ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren.


Erwerbspersonen/Erwerbsbevölkerung

Für das Statistische Bundesamt ist das die Gesamtheit aller Erwerbstätigen und Erwerbslosen zusammen. Die Bundesagentur für Arbeit definiert Erwerbspersonen als die Summe aus Erwerbstätigen und Arbeitslosen. Ist von zivilen Erwerbspersonen die Rede, sind vor allem kasernierte Soldaten aus der Aufstellung ausgeschlossen.


Erwerbsleben

Diese statistische Größe gibt die Jahre an, die eine 15-jährige Person aller Voraussicht nach eine Arbeit ausüben kann. Das durchschnittlich erwartete Erwerbsleben von Männern in Deutschland lag zuletzt bei 40 Jahren, das von Frauen bei 35 Jahren.


Erwerbsquote

Sie sagt aus, wie viel Prozent der Bevölkerung als Erwerbspersonen gelten. Die Quote wird entweder für die Gesamtbevölkerung oder für die erwerbsfähige Bevölkerung (Personen im Alter zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter) berechnet.


Erwerbslosenquote

Die Erwerbslosenquote sagt aus, wie viel Prozent aller zivilen Erbwerbspersonen erwerbslos sind.


Arbeitslosenquote

Sie sagt etwas über das Verhältnis der bei der BA registrierten Arbeitslosen zur Gesamtheit der zivilen Erwerbspersonen aus.


Jugendarbeitslosigkeit

Sie bezeichnet die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen. Betroffen sind vor allem solche jungen Leute, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz finden oder nach der Lehre keine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder deren befristeter Arbeitsvertrag ausläuft.


Erster Arbeitsmarkt

Der Begriff bezeichnet das "normale" Zusammentreffen von Arbeitsplatz-Angebot und -Nachfrage. Unternehmen suchen Mitarbeiter und bieten daher – ohne staatliche Zuschüsse – Arbeitsstellen an, auf die sich Interessierte auf Jobsuche bewerben.


Zweiter Arbeitsmarkt

Der zweite Arbeitsmarkt bezeichnet Angebot und Annahme von öffentlich geförderten Arbeitsstellen. Ohne Zuschüsse würden es diese Arbeitsplätze nicht geben. Sie sollen betroffenen Arbeitslosen vor allem helfen, perspektivisch den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu meistern.


Unterbeschäftigung

Als unterbeschäftigt gelten für die ILO diejenigen Erwerbstätigen, die gerne mehr Arbeitsstunden arbeiten würden und sich auch aktiv darum bemühen.

Die Bundesagentur für Arbeit hingegen bezeichnet als Unterbeschäftigte all diejenigen, die entweder als arbeitslos registriert sind oder die beispielsweise an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, am zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt sind, aus Gründen wie Krankheit oder Alter nicht am Arbeitsleben teilnehmen oder in Kurzarbeit sind.


Stille Reserve

Zur Stillen Reserve zählen für die ILO all diejenigen Erwerbspersonen, die sich zwar grundsätzlich einen Arbeitsplatz wünschen, die allerdings in den letzten vier Wochen keinen Job aktiv gesucht haben und/oder innerhalb der nächsten zwei Wochen keine Stelle antreten können.

Auch hier unterscheiden sich die Definitionen von ILO und BA. Für die BA zählen zur Stillen Reserve all diejenigen, die ohne Beschäftigung und verfügbar, aber nicht als arbeitslos registriert sind, außerdem solche, die die Arbeitssuche aufgegeben haben, aber bei guter Arbeitsmarktlage wieder Stellen nachfragen würden. Zur Stillen Reserve zählt die BA außerdem Personen, die in Maßnahmen der Arbeitsförderung stecken und solche, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, weil sich der Arbeitsmarkt verändert hat.


Nichterwerbspersonen

Das sind all diejenigen, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, die also weder erwerbslos noch erwerbstätig sind.


Gemeldete Arbeitsstellen

Das ist ausschließlich die Zahl derjenigen freien Arbeitsstellen, die Betriebe der BA gemeldet haben, damit diese Bewerber vermittelt. Offene Stellen, die Unternehmen der BA nicht mitteilen, sondern auf eigene Faust zu besetzen versuchen, fallen nicht in diese Statistik. Sie ist damit nur ein Ausschnitt des gesamten Stellenangebots. Um einen Gesamtüberblick zu erhalten, führt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) quartalsweise zusätzlich eine Betriebsbefragung durch.


Neu eingestellte Arbeitskräfte

Darunter verstehen Arbeitsmarkt-Statistiker diejenigen Erwerbstätigen, die ihren aktuellen Arbeitsplatz seit maximal einem Jahr haben. Ihr Anteil wird an der Gesamtheit aller Erwerbstätigen gemessen.

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