G8 und G9 an einer Schultafel (Foto: dpa/Armin Weigel)

Zusätzliche Hürden für Volksbegehren

Caroline Uhl   05.10.2017 | 12:16 Uhr

Die Stadt Saarbrücken will bei der Organisation des Volksbegehrens zum neunjährigen Gymnasium nachbessern. Sie reagiert damit auf Kritik der Elterninitiative, die das Volksbegehren auf den Weg gebracht hatte. Diese hatten verwirrende Öffnungszeiten beklagt und zudem kritisiert, dass in Saabrücken bisher nur an einem Standort eine Teilnahme möglich ist.

Egal ob beispielsweise Saarbrücken-Zentrum, Dudweiler oder Brebach-Fechingen, wer in Saarbrücken wohnt und sich am Volksbegehren für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium im Saarland beteiligen will, muss derzeit den Weg zum Wahlamt nach St. Johann antreten. In den übrigen Bürgerämtern in der Landeshauptstadt können Unterstützer der Initiative ihre Stimme nicht abgeben.

Hinzu kommt: Die Stadt hat das Wahlamt in den Räumen des Bürgeramts eingerichtet, denn dieser Standort ist barrierefrei und verkehrstechnisch gut zu erreichen. Aber die Öffnungszeiten dieses Wahlamts stimmen nicht mit den Öffnungszeiten des dortigen Bürgeramts, in dessen Räumen sich das Wahlamt ja befindet, überein.

Schreiben an die Rathauschefin

"Das alles verwirrt", fürchtet Katja Oltmanns, die Sprecherin der Elterninitiative "G9-jetzt! Saarland", die das Volksbegehren auf den Weg gebracht hat. Per E-Mail habe die Elterninitiative am Mittwochabend deshalb ein Schreiben an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) geschickt, um auf ihre Kritikpunkte hinzuweisen.

Die Stadt ihrerseits nimmt die Kritik der Elterninitiative ernst. Die Verwaltung sei dabei, die bemängelten Punkte zu prüfen und zu klären, "was wir konkret nachbessern können", sagt Stadtsprecher Robert Mertes. In den kommenden Tagen könne es möglicherweise schon erste Änderungen geben.

Saarbrücken ist offenbar aber nicht die einzige Gemeinde im Saarland, in der Irritationen drohen. "In Saarlouis war das gestern Nachmittag auch der Fall: Das Bürgeramt hatte auf, das Wahlamt nicht", erzählt Oltmanns von Rückmeldungen einzelner Unterstützer. Doch auch ein nach ihrer Ansicht positives Beispiel in Sachen Bürgernähe weiß sie zu nennen: die Gemeinde Illingen. Das Volksbegehren wird dort im Bürgerbüro abgewickelt. Dieses hat einmal im Monat sogar samstags auf.

Streitthema von Anfang an

Das Volksbegehren für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium im Saarland hat am Mittwoch begonnen und läuft bis zum 3. Januar. Bis dahin müssen 54.000 bis 55.000 Unterschriften zusammenkommen. Danach wäre der Landtag am Zuge. Würden die Parlamentarier das Begehr der Unterzeichner ablehnen, käme es zum Volksentscheid. Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) sagte am Mittwoch, er rechne damit, dass es vermutlich noch in dieser Legislaturperiode zu – noch nicht näher genannten – Veränderungen beim Thema G8/G9 kommen werde.

Das Saarland hatte 2001 als erstes westliches Bundesland das Abitur nach acht Jahren an allen Gymnasien eingeführt. An Gemeinschaftsschulen und berufsbildenden Gymnasien ist das Abitur weiterhin nach neun Jahren möglich. Seit Einführung der verkürzten Gymnasialzeit war die Kritik daran allerdings nie verstummt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung aktuell in 100 Sekunden vom 05.10.2017 berichtet.


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1 Kommentare

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Anonym 05.10.2017, 15:49 Uhr

G8 wäre erfolgreich, wenn die Lehrpläne entsprechend angepasst worden wären. Man kann die Schulzeit nicht einfach verkürzen ohne auch Abstriche beim Lernpensum zu machen