Fähnchen zum Equal Pay Day (Foto: dpa)

Equal Pay Day: Frauen in der Politik selten am Ruder

Kai Forst   19.03.2017 | 09:25 Uhr

In saarländischen Rathäusern und Kreisverwaltungen finden sich kaum Frauen auf den Chefposten. Hier klaffen bei den Parteien Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Dabei kritisiert auch die saarländische Politik zum gestrigen Equal Pay Day wieder hörbar die großen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, für die eine Ursache der Mangel von Frauen in Führungspositionen ist.

Jedes Jahr aufs Neue melden sich am Equal Pay Day Parteien und Politiker zu Wort, um auf die eklatanten Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen. Mehr Lohngerechtigkeit fordert etwa aktuell Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Für SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger bleibt der "Kampf gegen die Lohnlücke" eine Daueraufgabe. Und in der Tat: 2016 war der Bruttostundenverdienst von Frauen um 21 Prozent niedriger als der von Männern.

Interview mit Melanie Vogel
Audio [SR 3, 18.03.2017, Länge: 04:25 Min.]
Interview mit Melanie Vogel

Schaut man sich die Berechnungsgrundlagen genauer an, fällt dabei vor allem eines auf: Die große „Gender Pay Gap“ ist in besonderem Maße auf strukturelle Unterschiede zurückzuführen. Rechnet man diese Faktoren heraus, beträgt der Gehaltsunterschied laut Statistischem Bundesamt nur noch sechs Prozent. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeit sowie in schlechter bezahlten Branchen. Hinzu kommt, dass Frauen es immer noch selten in Führungspositionen schaffen, die gut bezahlt sind.

Frauen selten in politischen Führungsämtern

Und hier kommen wieder die Parteien ins Spiel: Denn gerade in der Politik sind Frauen besonders selten in Führungspositionen zu finden. Zwar wird nach der anstehenden Landtagswahl mit Kramp-Karrenbauer oder Rehlinger aller Voraussicht nach eine Frau die Regierungsgeschäfte im Saarland führen. Doch auf der kommunalen Ebene sind die Männer im Grunde unter sich.

Lohnunterschiede im Saarland
Audio [SR 3, 18.03.2017, Länge: 01:24 Min.]
Lohnunterschiede im Saarland

Ein Blick auf die Rathäuser im Saarland verrät: Während deutschlandweit jedes zehnte Rathaus von einer Frau geführt wird, ist es im Saarland nur gut jedes 20. Anders ausgedrückt: Nur in drei Gemeinden im Saarland hat eine Frau das Sagen – eine mickrige Frauenquote von gerade einmal 5,8 Prozent. Auch die Landräte sind fast eine reine Männertruppe: Mit Daniela Schlegel-Friedrich gibt es im Saarland lediglich eine Landrätin. Die übrigen vier Landkreise und der Regionalverband Saarbrücken führen Männer.  

Parteikultur ist männlich geprägt

Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Saar-Uni macht zudem deutlich, dass der eigene Anspruch der Parteien und die Wirklichkeit weit auseinander klaffen. Denn in den parteieigenen Firmen sind Frauen so gut wie nie am Ruder – weder in den Führungsetagen noch in den Aufsichtsräten. Ein Ergebnis, das überrascht, fordern doch die Parteien seit vielen Jahren mehr Frauen in den Chefetagen von Unternehmen.

Doch warum sind Frauen in politischen Führungsämtern so selten vertreten? Laut der europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin ist es schwer für Frauen, in aussichtsreichen Situationen nominiert zu werden. So werde eine Partei, die sich Hoffnungen auf den Bürgermeisterposten mache, selten eine Frau vorgeschlagen. Das liege vor allem daran, dass die Parteikultur männlich geprägt sei.

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