Stromzöhler (Foto: dpa-Bildfunk)

Strompreise: Anstieg der Netzentgelte im nächsten Jahr

Felicitas Fehrer   05.11.2017 | 08:39 Uhr

Zum Jahreswechsel 2017/2018 werden sich die Netzentgelte im Saarland voraussichtlich um fast 50 Prozent erhöhen. Müssen Stromzahler deshalb nächstes Jahr tiefer in die Taschen greifen? Fragt man die größten Stromanbieter des Saarlandes, so lautet die Antwort "Nein". Zumindest zum Jahreswechsel sollen die Preise erst einmal stabil bleiben.

Eine zuverlässige Prognose für die Strompreise im Jahr 2018 lässt sich nur schwer wagen. Denn zum jetzigen Zeitpunkt liegen den verschiedenen Anbietern noch keine verbindlichen Angaben über die Veränderung der einzelnen Preisbestandteile von Strom- und Gaspreisen vor. Dazu gehören die Netzentgelte der vorgelagerten Netzbetreiber, Umlagen für EEG oder Haftungsumlagen. Diese müssen vom jeweiligen Netzbetreiber bis zum 31.12.2017 im Internet veröffentlicht werden.

Schon jetzt gibt es allerdings vorläufige Netzentgelte, die jeder Übertragungsnetzbetreiber frühzeitig angeben muss. Laut diesen Werten erhöht der für das Saarland zuständige Netzbetreiber Amprion die Entgelte im kommenden Jahr voraussichtlich um rund 44 Prozent.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Um zu verstehen, warum die Erhöhung der Netzentgelte für den Verbraucher so eine große Rolle spielt, muss man einen Blick auf die Zusammensetzung der Strompreise werfen. Den größten Teil machen mit 56 Prozent Steuern und Umlagen aus. Genauer gesagt, Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgaben und Umlagen wie die bundesweit einheitliche Ökostromumlage zur Förderung der Energiewende (EEG), die jeder Verbraucher über den Strompreis mitbezahlt. Letztere ist auch der Hauptgrund für die im vergangenen Jahr gestiegenen Strompreise. Im kommenden Jahr soll sie um 1,3 Prozent sinken. Das macht für die Kunden allerdings kaum einen Unterschied – sie sparen so höchstens zwei Euro im Jahr.

Weitere 19 Prozent sind Kosten für die Energiebeschaffung, also den Einkauf des Stroms an der Börse und den Vertrieb. Nur diesen Teil können die verschiedenen Stromanbieter aktiv beeinflussen.

Das letzte Viertel des Strompreises besteht aus den Netzentgelten. Die werden durch die Regulierungsbehörden für jeden Netzanbieter festgelegt und müssen von privaten und gewerblichen Stromverbrauchern gezahlt werden. Und genau diese Entgelte werden jetzt enorm ansteigen.

Preisstabilität zum Jahreswechsel

Laut den größten saarländischen Stromanbietern sollen die hohen Netzentgelte keinen spürbaren Einfluss auf die Kunden haben. Der Grund hierfür ist die sogeannte Kostenwälzung. Das bedeutet, dass die Endverbraucher nicht die kompletten Entgelte zahlen müssen, sondern nur eine "abgespeckte" Version davon. Denn die Entgelte werden vorab zu einem großen Teil den vorgelagerten Netzbetreibern des lokalen Verteilnetzes angelastet. Durch je mehr "Instanzen" - in Form von Netzbetreibern - diese Entgelte also gehen, desto günstiger wird es am Ende für den Verbraucher.

Bei der KEW Neunkirchen wird ein hoher Teil der Netzentgelte auf den Netzbetreiber VSE übertragen. „Für die Kunden der KEW ändert sich nichts, denn die KEW wird die Preise sowohl für Strom als auch für Erdgas durch Kostenoptimierung für gesamt 2018 stabil halten“, sagt ein Sprecher der KEW. Der Stromanbieter versichert eine offizielle Preisgarantie bis zum 31.12.2018.

Auch energis und Energie SaarLorLux planen keinen zusätzlichen Anstieg der Preise durch Energiebeschaffung und Vertrieb. Da die meisten Stromtarife bei Energie SaarLorLux eine Preisgarantie bis zum 31. März 2017 beinhalten, werden die Kunden zumindest zum Jahreswechsel sowieso erst einmal keine böse Überraschung erleben. Von dieser Preisgarantie ausgeschlossen ist die Grundversorgung.

Ähnlich äußerten sich die Stadtwerke Homburg und St. Ingbert. Auch hier sollen die Strom- und Gaspreise zum Jahreswechsel stabil bleiben. Denn die Stromanbieter planen, durch interne Kostenoptimierung alle gestiegenen Kosten auszugleichen.

Stromverbraucher müssen also nicht befürchten, direkt zu Beginn des kommenden Jahres mehr Geld für Strom zu investieren - insbesondere nicht, wenn eine Preisgarantie besteht. Wie sich die Preise im späteren Verlauf des nächsten Jahres entwickeln, werden die kommenden Monate zeigen.

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