Flüssigkeit tropft aus einer Spritze (Foto: picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Drogensüchtige erhalten Notfallmedikament

Thomas Braun / mit Informationen von Nelly Theobald   13.12.2017 | 18:30 Uhr

27 Drogentote gab es im Saarland im vergangenen Jahr, 26 bereits in diesem Jahr. Jetzt steuert die Landesregierung gegen. Ärzte, Apotheker und Politik haben am Mittwoch eine Vereinbarung zur Drogennotfallvorsorge unterschrieben. Ein Gegenmittel, Naloxon, sollen im absoluten Notfall nicht mehr nur Notärzte verabreichen können.

Im Notfall zählt jede Sekunde: Kommt es nach einer Überdosis zum Atemstillstand, ist schnelle Hilfe erforderlich. Ein Mittel, das bei einer Vergiftung durch Opiade wie Heroin helfen kann, ist Naloxon. Es wird bereits seit über 40 Jahren in der Notfallmedizin eingesetzt.

Bislang durfte Naloxon aber nur von Notärzten eingesetzt werden. Das soll sich nun ändern. Auch ausgewählte Drogenkonsumenten sollen künftig im Rahmen eines Modellprojektes eine kleine Box mit dem Mittel erhalten. Die Box enthält neben Naloxon auch eine Spritze, einen Nasalzerstäuber und Handschuhe. Im Notfall kann ein Anwesender das Naloxon auf die Spritze aufziehen. Mit dem Aufsatz kann das Mittel dann über die Nase verabreicht werden.

Video [aktueller bericht, 13.12.2017, Länge: 3:00 Min.]
Modellprojekt zur Drogennotfallprophylaxe

Notfallbox nur nach Schulungsteilnahme

"Wir wollen im Saarland die Zahl der Drogentoten verringern. Das gelingt uns nur dann, wenn alle Beteiligten miteinbezogen werden und dadurch aktiv und direkt vor Ort helfen können; denn nicht immer ist medizinisch geschultes Personal in Reichweite, häufig allerdings andere Konsumenten oder Bekannte“, sagt der Drogenbeauftragte der Landesregierung Stephan Kolling.

Die Notfallbox erhält nur, wer vorher eine Schulung am Drogenhilfezentrum in Saarbrücken absolviert. Welche Drogenabhängigen die Schulung machen werden, entscheidet das Zentrum. Nicht alle seien dafür geeignet. Insgesamt können 50 Betroffene pro Jahr an der Schulung teilnehmen. Das Modellprojekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig

Ärztekammerpräsident Dr. Josef Mischo verweist darauf, dass Naloxon alleine keine Leben retten kann. Wichtig seien auch Erste-Hilfe-Maßnahmen. Deshalb lernen die teilnehmenden Drogenabhängigen in der Schulung auch, wie man richtig beatmet und wie man eine Herzdruckmassage durchführt.

Mischo betont, dass zusätzlich der Notarzt verständigt werden muss. "Ich muss die Situation als Laie richtig erkennen und ich muss die Rettungskette in Gang setzen. Erst in dieser Kombination macht das Medikament Sinn", so Mischo.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 13.12.2017 berichtet.

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