ICE und TGV am Bahnsteig (Foto: Daniel Weiland)

Ein TGV nach Paris fällt künftig weg

red   30.05.2014 | 19:23 Uhr

Bei einem Bahngipfel in Saarbrücken sind die Weichen für die Zuganbindung des Saarlandes an Paris neu gestellt worden. Künftig soll ein Zugpaar in die französische Hauptstadt beziehungsweise nach Frankfurt wegfallen. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer spricht von einem Kompromiss.

Die Anbindung des Saarlandes an den europäischen Schienenverkehr wird sich ab 2016 weiter verschlechtern. Statt der bisher fünf Verbindungen zwischen Frankfurt und Paris wird es dann nur noch vier geben. Das haben die französische Bahngesellschaft SNCF und die Deutsche Bahn auf einer Pressekonferenz in Saarbrücken mitgeteilt.

Betroffen von den Kürzungen werden die Frühverbindung um 6.00 ab Paris, Ankunft 8.58 in Saarbrücken – und die Verbindung um 19.03 ab Saarbrücken nach Paris sein. Dafür werde ein TGV-Zugpaar abgezogen. Die vier dann noch bestehenden Zugpaare werden vertraglich bis 2020 festgeschrieben, so Bahnchef Rüdiger Grube.

Kompensation für die Frankfurt-Strecke

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einem „klassischen Kompromiss“. Ursprünglich seien sämtliche TGV-Verbindungen in Gefahr gewesen. Sie kündigte an, man wolle beim Bundesverkehrsministerium intervenieren, damit der Ausbau der Strecke beschleunigt umgesetzt werde. Zudem solle über eine attraktive Fahrpreisgestaltung für den über Saarbrücken verlaufenden Nordast verhandelt werden. In Gesprächen mit der Bahn wolle man auch über einen Ausgleich für den Wegfall von zumindest einem TGV von Saarbrücken nach Frankfurt verhandeln.

600.000 Fahrgäste auf dem Nordast

Wenn der Südast über Straßburg im Frühjahr 2016 in Betrieb geht, wird die Fahrzeit von Paris über Straßburg nach Frankfurt um 30 Minuten kürzer sein als über den Nordast, sagte der Bahnchef. Er fügte hinzu, dass man auf der Strecke Paris Richtung Straßburg vier Millionen Reisende habe – auf dem Nordast seien es 600.000, was „wirtschaftlich nicht auskömmlich sei“.     

Der Kommentar

"Das Saarland hat einen Anspruch darauf, fair behandelt zu werden"

Mit dem Verlust eines TGV-Zugpaares bei der Verbindung Paris - Frankfurt über Saarbrücken in der Tagesrandzeit droht das Saarland den Anschluss an das europäische Schienenverkehrsnetz zu verlieren. Die Strecke über Straßburg ins Rhein-Main-Gebiet wird 30 Minuten schneller sein. Als Trostpflaster fordert die saarländische Wirtschaftsministerin Rehlinger einen künstigereren Tarif für die in Kilometern gemessene kürzere Strecke über Saarbrücken. Doch davon will man bei der Bahn und der SNCF bisher nichts wissen. Ein Kommentar von SR -Landespolitikchef Michael Thieser.

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