Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Kramp-Karrenbauer für medizinischen Alterstest bei Flüchtlingen

Katharina Döppler   02.01.2018 | 10:42 Uhr

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer unterstützt den Vorstoß der Union, bei allen jungen Flüchtlingen verbindliche medizinische Alterstests durchzuführen. Die Clearing-Stelle im Saarland könne dabei als Vorbild dienen.

Video [aktueller bericht, 02.01.2018, Länge: 3:29 Min.]
Altersbestimmung bei minderjährigen Flüchtlingen

Kramp-Karrenbauer verwies auf die zentrale Clearing-Stelle im Saarland, wo seit 2016 alle minderjährigen Flüchtlinge aufgenommen würden. Dort werde schon jetzt in Zweifelsfällen mit schonenden medizinischen Verfahren das Alter bestimmt. „Wir haben, seitdem diese Clearingstelle Anfang 2016 die Arbeit aufgenommen hat, rund 35 Prozent der Fälle als älter als im jugendlichen Alter identifizieren können“, so Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin plädierte dafür, in jedem Land eine solche zentrale Vorclearing-Stelle einzurichten.

Eingriff in die körperliche Unversehrtheit

Ärztevertreter weisen die Forderungen nach verbindlichen medizinischen Alterstests zurück. Das dafür nötige Röntgen sei ohne medizinische Notwendigkeit ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, der Süddeutschen Zeitung. Nach den Regeln des Strahlenschutzes sei eine Altersfeststellung mittels Röntgen nur im Rahmen eines Strafprozesses zulässig.

Interview: "Es geht um Kinder- und Jugendhilfe"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner/Hubert Meusel, 02.01.2018, Länge: 03:30 Min.]
Interview: "Es geht um Kinder- und Jugendhilfe"

Der Jugendarzt Thomas Nowotny verwies im Morgenmagazin zudem auf die Ungenauigkeit der medizinischen Verfahren zu Altersschätzung. Durch Röntgen sei ein Alter nicht konkret zu bestimmen, es könne allenfalls geschätzt werden. Das sogenannte Knochenalter könne vom tatsächlichen Alter eines Menschen mehr als zwei Jahre abweichen.

Auslöser für die Debatte war die tödliche Messerattacke auf eine Jugendliche in Kandel in Rheinland-Pfalz. Tatverdächtig ist ein afghanischer Asylbewerber, an dessen Altersangabe von 15 Jahren Zweifel bestehen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 02.01.2018 berichtet.