Rentnerpaar (Foto: dpa)

Familie nimmt syrischen Flüchtling auf

Uwe Jäger   10.08.2015 | 17:40 Uhr

Acht Monate lang lebte ein syrischer Flüchtling bei einem Rentnerpaar in Quierschied. Er wohnte in einer kleinen Wohnung im ersten Stock ihres Hauses. Auf Anhieb haben die drei sich gut verstanden.

Hildegard Strauß umarmt Mazen herzlich und gibt ihm liebevoll ein Küsschen.  Acht Monate lang hat sie dem 42-jährigen Syrer gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Werner Engel ein Zuhause gegeben. Er wohnte in einer kleinen Wohnung im ersten Stock ihres Hauses im saarländischen Quierschied.

Auf Anhieb haben die drei sich gut verstanden. Die Rentner helfen ihm beim Deutsch lernen und bringen ihm Rommé bei. Abends, wenn im Fernsehen nichts Spannendes läuft, spielen sie in ihrem Wohnzimmer immer ein paar Partien. „Es ist eine richtige Freundschaft entstanden“, sagt Werner Engel.

Eigene Erfahrungen mit Krieg und Flucht

Die Nachrichtenbilder aus Syrien und von den Menschen auf der Flucht bewegen die beiden Rentner sehr. Sie wollen helfen. Als die Gemeinde Quierschied dann Wohnungen für Flüchtlinge sucht, bieten sie ihre kleine Wohnung an. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Vollausgestattet vom Kaffeelöffel über die Waschmaschine bis hin zum Farbfernseher.

Sie selbst haben in ihrem Leben schon Krieg und Flucht erlebt. Hildegard Strauß musste mit 18 über Nacht ihre Heimat Mittelwald in Niederschlesien verlassen. Nur mit einem Koffer Gepäck. „Das habe ich nicht vergessen und aus dem Grund helfe ich gerne“,  sagt die 86-jährige. Ihr Werner war vier Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft. So konnten sie ein Stück weit nachempfinden, was Mazen fühlt.

Er ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. Dort hat er Bombenkrieg, Leid und Elend erlebt. In seiner Heimat gab es für ihn und seine Familie keine Zukunft mehr.

"Mama und Papa" statt "Hildegard und Werner"

Der Syrer ist dem Rentnerpaar für deren Hilfe dankbar. „Ich war sehr glücklich, wenn ich war mit Mama und Papa.  Sie sind wie meine Familie  in Deutschland“, sagt er auf Deutsch. Da Hildegard und Werner anfangs zu schwer auszusprechen waren, nennt er beide liebevoll Mama und Papa.

Sie nehmen ihn auf wie einen eigenen Sohn, trösten ihn, wenn er seine Frau und die vier Kinder vermisst. Er musste sie in Ägypten zurücklassen. „Sie hat ihn ab und zu einmal in den Arm genommen, das hat ihm gut getan. Ich habe ihn auch einmal gedrückt, damit es wieder besser wird“, sagt Werner Engel.

Kaffee und Kuchen zur Begrüßung

Seit zwei Wochen ist Mazens Familie endlich auch im Saarland. „Ich bin sehr glücklich. Ich habe mir sehr große Sorgen gemacht“, sagt er strahlend. Der Sohn und die Tochter von Hildegard Strauß haben seine Frau und die Kinder am Frankfurter Flughafen abgeholt. „Montag habe ich Kuchen gebacken, Dienstag habe ich sie dann zum Kaffee eingeladen“, sagt Hildegard Strauß.

Inzwischen lebt der Syrer mit seiner Familie in einer eigenen Wohnung, ebenfalls in Quierschied. Aber er und seine Familie kommen Mama und Papa regelmäßig besuchen. Und die freuen sich, dass die Familie jetzt noch größer ist. Zu den eigenen zwei Enkeln und einem Urenkel, kommen die vier Kinder von Mazen dazu. „Die haben erst Mama gesagt, ,nein' sage ich, ,Oma'. Er hat ganz fantastische Kinder.“ Mazen strahlt als Mama Hildegard das sagt. Und bevor er wieder nach Hause zu seiner Familie geht, spielen sie noch eine Partie Rommé. Der 42-jährige gewinnt wieder einmal.  „Der Lümmel gewinnt immer“, sagt Hildegard Strauß lachend.

Das Rentnerpaar will seine kleine Wohnung, jetzt wo sie wieder frei ist, gerne erneut an einen Flüchtling vermieten. Denn Mazen hat ihr Leben bereichert, sagen sie. „Wir sind froh mit ihm, ganz einfach. Er hat an uns eine Familie und wir haben bei ihm eine Familie.“

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