Zugunglück in Meerbusch (Foto: dpa)

Zugunglück mit Güterzug aus Dillingen

  06.12.2017 | 16:00 Uhr

Bei der Suche nach der Ursache für die Zugkollision am Niederrhein zeichnet sich ein erstes Bild ab: Laut Unfallermittlern hätte der Regionalzug halten müssen. Wie die Bahn dem SR bestätigte, war der leere Güterzug von Dillingen aus nach Rotterdam unterwegs. Er hatte zuvor Erz an die Dillinger Hütte geliefert.

Am Mittwochmorgen wird in Meerbusch-Osterath bei Krefeld das Ausmaß der Kollision zwischen einer Regionalbahn und einem Güterzug deutlich: Tonnenschwere Güterwaggons sind wie Spielzeug von den Gleisen gepurzelt. Der Triebwagen des Regionalzugs ist vom Aufprall zusammengestaucht. Die Unfallermittler haben nun einen ersten Hinweis auf die Ursache des Unglücks: Der Regionalzug hätte halten müssen und den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen, sagt ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn. Der vor dem Personenzug fahrende Güterzug habe dagegen ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet.

Dies sei aber keine Schuldzuweisung an den Lokführer der Regionalbahn. Noch ist nicht klar, ob die Signale an der Strecke richtig geschaltet waren. Waren sie falsch geschaltet, könnte es auch noch ein technischer Defekt oder ein Bedienungsfehler im Stellwerk gewesen sein.

Zahlreiche Menschen verletzt

Zur Zahl der Verletzten gibt es auch Stunden nach dem Unfall unterschiedliche Angaben: Die Bundespolizei spricht von 50 Verletzten, neun von ihnen schwer. Die Feuerwehr berichtete dagegen von 33 Leicht- und sieben Schwerverletzten. Dass die Zahlen so schwanken, liege auch daran, dass beispielsweise einige Betroffene erst später einen Arzt aufsuchten. "Die Medizin ist ein bisschen grau und eine Verletzung wie eine Verrenkung tritt in einigen Fällen auch erst später auf", sagte Marc Zellerhoff, der ärztliche Leiter Rettungsdienst im Rhein-Kreis.

Bergungsarbeiten dauern an

Im Laufe des Tages soll der verunglückte und stark beschädigte Güterzug in Meerbusch bei Neuss mit einem schweren Kran beseitigt werden. „Wir werden zunächst die zerstörte Oberleitung beseitigen müssen“, sagte Bahnsprecher Dirk Pohlmann am Mittwochmorgen. Danach werde versucht, die entgleisten Waggons aufs Gleis zu stellen und abzutransportieren.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 06.12.2017 berichtet.

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