Ein Stapel Briefe (Symbolbild) (Foto: Imago/Westend61)

Briefe im Altpapier entsorgt

Sandra Schick   04.01.2017 | 13:31 Uhr

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist im Saarland ein Fall von nicht zugestellten Briefen aufgefallen. Ein Bürger aus Altenwald entdeckte beim Entsorgen seines Altpapiers stapelweise nicht zugestellte Briefe im Container. Ärgerlich für Verbraucher: Geht ein Brief verloren, so hat man kaum rechtliche Handhabe.

Als Michael K. (Name geändert) aus Altenwald am 2. Januar seinen Papiermüll an einen Container bringen wollte, fand er dort inmitten des Altpapiers einen Stapel verschlossener, nicht zugestellter Briefe. Wie er SR.de berichtet, kontaktierte er zunächst die Post in Sulzbach. Dort stellte sich heraus, dass die Briefe über den privaten Briefdienstleister„Saarriva“ aufgegeben worden waren.

Video [aktueller bericht, 04.01.2017, Länge: 2:43 Min.]
Briefe im Altpapier entsorgt

Das Unternehmen hat die Briefe zwischenzeitlich erhalten wie Frank Klein, Geschäftsführer von Saarriva, SR.de bestätigte. "Wir recherchieren jetzt den verantwortlichen Mitarbeiter." Sobald dieser gefunden ist, will das Unternehmen Anzeige erstatten und arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen. Die Briefe werde man den Empfängern zustellen oder zum Absender zurückschicken.

Ähnlicher Fall in Neunkirchen

Der Fall in Altenwald ist bereits der zweite Fall im Saarland innerhalb weniger Wochen:

Mehr Beschwerden über Post

Bundesweit steigt die Zahl der Beschwerden über mangelhafte Brief- oder Paketzustellungen. Die Bundesnetzagentur meldete für 2016 bundesweit 3858 Beschwerden. Das seien 16 Prozent mehr als 2015.          

Mitte Dezember hatte ein Mann aus Neunkirchen in seiner Altpapiertonne einen Stapel nicht zugestellter Briefe entdeckt und die Polizei eingeschaltet. Wie die „Saarbrücker Zeitung“ berichtete, erstattete er Anzeige bei der Polizei wegen Verstoßes gegen das Postgeheimnis und Sachbeschädigung. Als Tatverdächtiger wurde dem Bericht zufolge ein 22-jähriger Aushilfszusteller der Deutschen Post identifiziert.

"Verbraucher haben keine Handhabe"

Doch was können Verbraucher tun, wenn ein weggeschickter Brief sein Ziel nicht erreicht? Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland sagt SR.de: "Bei verlorenen Briefen ist das schwierig, weil man keine Sendenummer hat, mit der man eine Nachforschung in Auftrag gegben könnte." Eine Ausnahme seien Einschreiben. Für sie könne ein sogenannter „Nachforschungsauftrag“ gestellt werden, wenn sie vermisst werden. Allerdings könne dieser nur vom Absender und nicht vom Empfänger gestellt werden, da der Absender das Porto bezahlt hat und damit der Auftraggeber ist.

Paket-Aerger.de

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale gibt es eine Beschwerde-Pinnwand für verloren gegangene Pakete oder Ärger mit der Zustellung. http://www.paket-aerger.de/

Kommen Rechnungen oder wichtige Schreiben zum Beispiel vom Finanzamt nicht an, ist man "als Verbraucher recht hilflos", sagt die Expertin. "Letztlich hat derjenige, der den Brief abgeschickt hat, damit die Zahlungsfrist in Gang gesetzt." Als Empfänger könne man nicht nachweisen, dass der Brief nicht angekommen sei. "In einem solchen Fall sollte man sich an den Absender wenden, den Umstand erklären und um eine Fristverlängerung bitten. Aber man ist hier ganz klar auf dessen Kulanz angewiesen."

Umgekehrt sollten Verbraucher wichtige Dokumente wie z.B. Kündigungen, bei denen Fristen eingehalten werden müssen, per Einschreiben schicken, rät Elif Tanto. Den Beleg mit der Sendenummer sollte man aufbewahren, um im Zweifelsfall beweisen zu können, dass der Brief abgeschickt wurde. Dasselbe gilt für Pakete. Auch sie sind durch die Nummer auf dem Einlieferungsbeleg nachverfolgbar.

Artikel mit anderen teilen