Demonstranten von "Bunt statt Braun" vor dem Saarbrücker Schloss (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Mehrere Tausend Teilnehmer bei Großdemo gegen NPD

  11.03.2017 | 19:00 Uhr

In Saarbrücken sind am Samstagmittag mehrere Tausend Demonstranten gegen die NPD auf die Straße gegangen. Die Polizei zählte rund 4000 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von bis zu 5000. Seit dem Morgen schon liefen in der Innenstadt Aktionen gegen die NPD, die im Saarbrücker Schloss zu ihrem Bundesparteitag zusammengekommen war.

Großdemo gegen NPD-Bundesparteitag in Saarbrücken
Video [Pasquale D'Angiolillo, 11.03.2017, Länge: 0:29 Min.]
Großdemo gegen NPD-Bundesparteitag in Saarbrücken

Die Proteste blieben friedlich, wie die Polizei dem SR mitteilte. Nach einer Kundgebung vor dem Staatstheater waren die Demonstranten zum Saarbrücker Schlossplatz weitergezogen – unter ihnen Vertreter der Landesregierung, Vereine, Verbände und Vertreter der Kirchen. Zu der Großdemonstration gegen den Bundesparteitag der rechtsextremen NPD hatte das Bündnis "Bunt statt Braun" aufgerufen.

Nach Angaben der Veranstalter waren mehrere Redebeiträge sowie Musikauftritte geplant. Parteien-Vertreter sollten zwei Wochen vor der Landtagswahl aber extra nicht zum Mikrofon greifen, stattdessen Vertreter etwa von Kirchen oder von Jugendverbänden. Zu "Bunt statt Braun" gehören gut 30 verschiedene Organisationen, darunter Gewerkschaften, Sozialverbände, Parteien, kirchliche Organisationen oder auch Vertreter aus der Wirtschaft.

Video [aktueller bericht am Samstag, 11.03.2017, Länge: 3:12 Min.]
"Bunt statt Braun" demonstriert gegen NPD-Bundesparteitag

Antifa hält Mahnwache

Schon seit dem Samstagmorgen hatte es außerdem mehrere Protestaktionen gegen die NPD gegeben. Die Antifa Saar hatte am Morgen eine Mahnwache vor dem Schloss abgehalten. In der Spichererbergstraße fand die Lesung "Texte gegen Rechts" statt, bei der Teilnehmer Texte von Erich Kästner und Berthold Brecht lasen. Die Veranstalter der Aktion wollten damit den NPD-Delegierten "Texte entgegenhalten und sie nicht kommentarlos ins Schloss gehen lassen". Wie SR-Reporter vor Ort berichteten, hatten sich an diesen ersten Aktionen rund 250 Personen beteiligt.

Demonstration der NPD-Gegner in Saarbrücken

Aktivisten versperren den Weg

Auch die NPD selbst bekam den Protest gegen sie zu spüren: Als am Vormittag Partei-Funktionäre wie Bundeschef Frank Franz, der saarländische Landeschef Peter Marx und der Fraktionsvorsitzende im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, durch die Talstraße ins Schloss gelangen wollten, versperrten ihnen rund 40 Antifa-Aktivisten den Weg. Die Politiker mussten sich einen anderen Weg ins Schloss suchen. Nach Angaben der Polizei verliefen die Blockaden größtenteils friedlich.

SR 3-Studiogespräch: "Mehrere Hundert Beamte werden im Einsatz sein"
Audio [10.03.2017, Länge: 1:59 Min.]
SR 3-Studiogespräch: "Mehrere Hundert Beamte werden im Einsatz sein"

Die Pressekonferenz der NPD startete mit einer Stunde Verspätung. Von ihrem Parteitag schloss die NPD die Presse später aus. Wichtigstes Thema des Delegiertentreffens ist die Wahl eines neuen Bundesvorstands. Nach dem gescheiterten Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht könnte sich die NPD bei ihrem Treffen am Samstag neu und noch radikaler aufstellen. Der Saarländer Franz erklärte, er werde erneut für den Parteivorsitz kandidieren. Konkurrenz bekommt er vom thüringischen Landesvorsitzenden Thorsten Heise. Dieser sagte dem SR, er trete an, um die Partei komplett neu auszurichten. Heise ist kein unbeschriebenes Blatt. Mehrfach wurde er unter anderem wegen Volksverhetzung und schwerer Körperverletzung verurteilt, zudem ist er einer der führenden Aktivisten der rechten Kameradschaftsszene.

Straßensperrungen in der City

Neben Parteitag und Gegen-Demo fand an der Saarbrücker Schlossmauer auch noch der Flohmarkt statt. Mehrere Straßensperrungen, die in der Innenstadt eingerichtet worden waren, wurden am Abend wieder aufgehoben.

Video [aktueller bericht, 10.03.2017, Länge: 2:14 Min.]
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei NPD-Gegendemo

Über dieses Thema wurde in den Hörfunknachrichten vom 11.03.2017 berichtet.

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