Justizia (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Terrorverdächtiger: Zwei Jahre Haft wegen Betrugs

  11.08.2017 | 11:16 Uhr

Der terrorverdächtige Syrer Hassan A., der an Silvester in Saarbrücken-Burbach festgenommen worden war, ist zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 39-Jährigen des versuchten Betruges schuldig. Dem Mann war vorgeworfen worden, Anschläge mit Autobomben geplant zu haben.

Das Gericht geht in seinem Urteil davon aus, dass der Syrer zu keinem Zeitpunkt konkrete Anschläge geplant hat. Dafür habe die Beweisaufnahme keine Hinweise erbracht. Konkrete Tatvorbereitungen habe es nicht gegeben. "Der Angeklagte war weder fähig noch willens, die angekündigten Anschläge durchzuführen", sagte der Vorsitzende Richter.

Video [aktueller bericht, 11.08.2017, Länge: 2:30 Min.]
Terrorverdächtiger: Zwei Jahre Haft wegen Betrugs

Nach Ansicht des Gerichts wollte der Syrer vielmehr den IS betrügen, indem er 180.000 Euro für Anschläge forderte. Auch der Mann selbst hatte ausgesagt, dass er die Anschläge nicht wirklich begehen, sondern lediglich den IS um das Geld betrügen wollte. Zudem gab es keine konkreten Hinweise auf Komplizen und Autos zum Ausführen der Pläne. Auch war bei dem Mann nach seiner Verhaftung in seiner Burbacher Wohnung an Silvester kein Sprengstoff gefunden worden.

Interview zum Urteil gegen Hassan A.: "Der Münchhausen aus Damaskus"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger / Thomas Gerber, 11.08.2017, Länge: 02:52 Min.]
Interview zum Urteil gegen Hassan A.: "Der Münchhausen aus Damaskus"

Revision denkbar

Mit der zweijährigen Haftstrafe ohne Bewährung blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für Hassan A. zehn Jahre Haft wegen mehrfachen versuchten Mordes gefordert. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte die Anschläge tatsächlich begehen wollen. Die Verteidiung hatte in ihrem Plädoyer Freispruch für den Syrer gefordert.

Staatsanwaltschaft und die Verteidigung haben nach dem Urteil angekündigt, in Revision zu gehen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 11.08.2017 berichtet.

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