Ein Kind steht im Kinderzimmer und spielt am Smartphone (Foto: dpa/Jens Kalaene)

Digitale Gefahren im Kinderzimmer

Janine Arendt   14.04.2018 | 09:53 Uhr

99 von 100 Spiele-Apps für Kinder weisen Mängel bei Kinder-, Daten- und Verbraucherschutz auf. Das ergaben Recherchen von jugendschutz.net. Deshalb hat das Kompetenzzentrum für Jugendschutz im Internet die Website app-geprüft.net als Informationsangebot für Eltern und pädagogische Fachkräfte gestartet.

Spiele-Apps sind bei Kindern beliebt, doch auch alles andere als ungefährlich. Laut den Jugendschützern sind 99 der 100 untersuchten Spiele als kritisch einzuschätzen. Über 60 Prozent zeigten sogar so gravierende Mängel auf, dass sie als „sehr riskant“ eingestuft wurden. Durchgeführt hat jugendschutz.net die Recherchen im Rahmen eines Projekts für das Bundesfamilienministerium und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Keine Sicherheitskonzepte

Besonders gefährlich für Kinder seien solche Spiele-Apps, die mit einer integrierten Kommunikationsfunktion ausgestattet sind. Dabei zeigt die Recherche, dass keine einzige dieser Apps ein ausreichendes Sicherheits- und Moderationskonzept bot. Cybermobbing und Cybergrooming, bei dem Minderjährige gezielt zu sexuellen Handlungen überredet werden, können dadurch begünstigt werden.

Informationsangebote für Eltern

  • Die Website app-geprüft.net von jugendschutz.net bewertet die Sicherheit beliebter Spiele-Apps über ein Ampelsystem

  • Karin Bickelmann empfiehlt außerdem die Seiten spieleratgeber-nrw.de und internet-abc.de

  • Die Landesmedienanstalt bietet einen Online-Elternabend zur Frage "Welche App für mein Kind?" an

Diese Entwicklung kann auch Karin Bickelmann von der Landesmedienanstalt des Saarlandes bestätigen: „Über Chatfunktionen von Apps werden gerade ältere Kinder angesprochen und aufgefordert, ihre Handynummer oder auch Fotos von ihnen zu schicken.“ Auf diese Gefahrenquelle müsste gezielt aufgepasst werden.

Viele Spiele seien so angelegt, dass man Geld investieren müsse, um schneller zu Spielerfolgen zu kommen, erklärt Bickelmann. Auch jugendschutz.net hält fest, dass viele Apps Kinder und Jugendliche zu In-App-Käufen animierten.

Audio [SR 1, (c) SR, 20.04.2018, Länge: 07:37 Min.]
Risiken und Nebenwirkungen von Apps
Spiele-Apps sind bei Kindern beliebt, aber laut jugendschutz.net auch sehr oft riskant. Damit Eltern und Erzieher besser durchblicken, hat Jugendschutz.net die Internetseite app-geprüft.net entwickelt: Diese bewertet den Kinderschutz bei beliebten Spiele-Apps und gibt Tipps zur sicheren Nutzung. Mehr Informationen dazu von Marlen Korn von jugendschutz.net

Handy-Spiele als Babysitter

Neben Sicherheitslücken der Apps müsse auch dem Trend, dass Kinder zu viel am Handy spielen dürfen, entgegengewirkt werden: „Man darf das Gerät nicht als Babysitter missverstehen“, fordert Bickelmann. „Jeder, der sich bewusst mit den Apps auseinandersetzt, weiß, dass es damit nicht getan ist“, sagt sie. Umso wichtiger sei es deshalb, dass Eltern auf dem Laufenden blieben und gute Spiele, wie Wissensquizze für Kinder, auswählten.

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