Ein Schild vor der SHG-Klinik in Völklingen (Foto: imago/Becker&Bredel)

SHG feuert Whistleblowerinnen

Thomas Gerber   13.08.2017 | 12:37 Uhr

Der SHG-Konzern hat zwei Mitarbeiterinnen fristlos entlassen. Sie hatten die mutmaßliche Diplomurkunde des Lehrbeauftragten Edgar Spengler-Staub an die Uni Münster geschickt und so aufgedeckt, dass diese gefälscht war. Für die Entlassung führt die SHG arbeitsrechtliche Gründe an.

SHG-Geschäftsführer Alfons Vogtel sagte dem SR, die beiden Mitarbeiterinnen hätten unberechtigterweise Personalakten von Spengler-Staub eingesehen und weitergeleitet. Spengler-Staub selbst habe die Urkundenfälschung eingeräumt und einen Auflösungsvertrag unterzeichnet, der keinerlei Abfindungszahlungen beinhalte. Wegen der Urkundenfälschung habe die SHG Strafanzeige gegen den 50-Jährigen erstattet.

Studiogespräch: "Dilettantische" Hochstapelei an der SHG-Klinik
Audio [SR 3, Interview: Siegfried Lambert / Thomas Gerber, 14.08.2017, Länge: 02:29 Min.]
Studiogespräch: "Dilettantische" Hochstapelei an der SHG-Klinik

Die beiden Mitarbeiterinnen hatten zuvor unter anderem die mutmaßliche Diplomurkunde Spengler-Staubs kopiert und an die Universität Münster geschickt. Die Theologische Fakultät wies darauf hin, dass diese vermutlich gefälscht ist. Demnach hat Spengler-Staub offenbar nie an der Fakultät studiert. Auf der Urkunde befindet sich zudem angeblich ein Logo der Uni Münster, das es zum Zeitpunkt der vermeintlichen Diplomprüfung noch gar nicht gegeben haben soll. Außerdem sollen Professoren aufgeführt sein, die zu dem Zeitpunkt noch gar nicht an der Uni Münster tätig waren.

Video [aktueller bericht, 14.08.2017, Länge: 1:49 Min.]
SHG-Konzern feuert Whistleblowerinnen

Unterricht als Dozent

Spengler-Staub war zuletzt Referent des Rektors der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen. Die SHG ist Mehrheitsgesellschafter der Akademie. Dort unterrichtete er als Dozent im Fach Pflege. Dabei war er auch für die Abnahme von Prüfungen zuständig. Derzeit prüft das Landesamt für Gesundheit und Soziales, ob diese Prüfungen weiterhin anerkannt werden können. Die SHG geht davon aus, dass dies möglich ist. Spengler-Staub sei lediglich einer von zwei Prüfern gewesen. Beschwerden von Schülern oder Studenten über mangelnde Kompetenz Spengler-Staubs hat es laut Vogtel nicht gegeben.

Die beiden fristlos entlassenen Mitarbeiterinnen wollen ihre Kündigungen nicht akzeptieren und Kündigungschutzklage einreichen. Die Gewerkschaft Verdi hat unterdessen Aufklärung gefordert. Gewerkschaftssekretär Michael Quetting sagte dem SR, es sei durchaus zu hinterfragen, dass ausgerechnet diejenigen, die den Skandal aufgedeckt haben, bestraft worden seien.

Missio canonica ebenfalls gefälscht?

Spengler-Staub hatte sich bei der SHG unter anderem als Diplom-Theologe und Altenpfleger beworben. SHG-Geschäftsführer Vogtel geht inzwischen davon aus, dass Spengler-Staub lediglich über einen mittleren Bildungsabschluss verfügt. Der 50-Jährige hatte sich darüberhinaus auch als Religionslehrer ausgegeben. Die entsprechende Lehrbefugnis – die so genannte "missio canonica" – des Erzbistums Köln war offenbar auch gefälscht. Spengler-Staub war Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD. Dieses Amt hat er zwischenzeitlich niedergelegt.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 13.08.2017 berichtet.

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