Jochen Senf (Foto: Imago/Sven Lambert)

Ex-Tatort-Kommissar Jochen Senf ist tot

Kai Forst mit Informationen des Munzinger Archivs   19.03.2018 | 12:00 Uhr

Im Alter von 76 Jahren ist der Schauspieler Jochen Senf gestorben, der als SR-Tatort-Kommissar Max Palu im Saarland bekannt wurde. Senf starb in der Nacht zum Sonntag in Berlin.

Audio [SR 3, Barbara Grech, 18.03.2018, Länge: 03:37 Min.]
Jochen Senf ist tot

Der 1942 in Frankfurt geborene Senf kam im Alter von zehn Jahren nach Saarbrücken. Sein Vater, der Ökonom Paul Senf, war nach dem Krieg 1954/1955 saarländischer Finanzminister. Nach dem Abitur im Nobelinternat Salem studierte Senf an der Saarbrücker Universität Germanistik und Romanistik. Da er bereits als Student gerne Theater gespielt hatte, besuchte er nach seinem Universitätsexamen für drei Jahre die Saarbrücker Schauspielschule.

Soziales Engagement

Nach dieser Ausbildung war er freiberuflich als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig, von 1969 bis 1978 auch als Hörspieldramaturg beim Saarländischen Rundfunk. Als Mitbegründer des Kinder- und Jugendtheaters "Überzwerg" machte sich Senf in der Saarbrücker Kulturszene einen Namen. Zudem arbeitete er in einem Jugendzentrum, in den ersten Drogen-WGs und mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Er leistete sich aber daneben auch immer wieder größere Arbeitspausen und verbrachte u. a. ein Jahr in Zentralamerika.

"Salü Palu"

"Er war das Gesicht des Saarlandes"
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Klaus-Peter Weber, 19.03.2018, Länge: 06:12 Min.]
"Er war das Gesicht des Saarlandes"
Einer der Wegbegleiter von Jochen Senf war der Kameramann und Regisseur Klaus Peter Weber. Im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger sprach er über seine erste Begegnung mit dem eigenwilligen Star, über das zwiespältige Verhältnis der Saarländer zur Figur Palu.

Ende der 80er Jahre wurde Senf schließlich SR-Tatort-Kommissar. 1988 flimmerte er als kauziger Ermittler Max Palu erstmals über die deutschen Bildschirme. "Salü Palu", so der Titel der ersten "Tatort"-Folge, handelte von Mädchenhandel und Prostitution im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet. In der Mitte 1996 gedrehten Folge "Der Entscheider" betätigte sich der Schauspieler neben Michael Seyfried auch als Drehbuchschreiber. Zudem ließ Senf autobiographische Züge in die Rolle von Palu einfließen. Seine Ideen waren das Rennrad, mit dem Palu auf Verbrecherjagd ging und das zu seinem Markenzeichen wurde, oder die Vorliebe für gutes Essen und Rotwein.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 18.03.2018, Länge: 3:50 Min.]
Nachruf auf Jochen Senf

Auch nach seiner Zeit als Tatortkommissar war der Vater zweier Kinder immer wieder auf dem Bildschirm präsent, meist aber in kleineren Rollen. So etwa 2009 in der Rolle des Ludwig Erhard in Thomas Schadts Biopic "Der Mann aus der Pfalz" über den Aufstieg des jungen Helmut Kohl oder 2012 in Kai Wessels Krimi "Mord in Ludwigslust". Zuletzt sah man ihn 2015 noch einmal auf der Kinoleinwand in dem Kriegsdrama "Letnie przesilenie" (dt. "Unser letzter Sommer") des polnischen Regisseurs Michal Rogalski.

Im Dezember 2015 erkrankte Senf lebensbedrohlich, erholte sich aber wieder. Anfang 2016 zog er sich einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch zu und kam nach längerem Krankenhausaufenthalt in ein Berliner Pflegeheim.

Kleist: "Prägende Figur für den SR"

SR-Intendant Thomas Kleist würdigte Senf und seine Tatort-Rolle Max Palu als prägende Figuren für den Saarländischen Rundfunk. "Dem Fahrrad fahrenden Palu mit dem Baguette unterm Arm, der nie ein Glas französischen Rotwein stehen ließ, ist es mit zu verdanken, dass das Saarland in Deutschland bis heute und zurecht als sehr frankophil wahrgenommen wird", sagte Kleist. Der sperrige Kommissar habe in den 19 SR-Tatorten den Puls der Zeit getroffen. Das zeigten auch die durchgängig guten Quoten. Kleist: "Dafür sind wir beim SR sehr dankbar und sagen: 'Salut, Palu!'"

Tatort "Alibi für Amelie" im SR-Fernsehen

Anlässlich des Todes von Jochen Senf hat das SR Fernsehen am Montagabend um 20.15 Uhr sein Programm geändert und den Tatort „Alibi für Amelie“ gesendet.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten am 18.03.18 berichtet.

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