Das neue SR-Parfum  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Eau Lèque: ein eigener Duft für den SR

Felicitas Fehrer   09.01.2018 | 10:05 Uhr

Betörend, einladend und irgendwie auch geheimnisvoll: Die Geschichte des Parfums ist fast so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Aber wie aufwändig ist es, einen solchen Duft herzustellen? SR-Volontärin Felicitas Fehrer wollte es wissen und hat gemeinsam mit einem saarländischen Parfumdesigner einen eigenen SR-Duft kreiert. Der wird momentan für einen guten Zweck ersteigert.

Von würzig-orientalisch bis blumig-süß: In der Welt der Düfte ist einfach alles möglich. In unserem Themen-Special „Riech mal: die Wissenschaft der Gerüche“ sind wir gemeinsam mit Zellphysiologe Elmar Krause aus Homburg Fragen rund um das Thema Riechen auf den Grund gegangen. Und was würde sich in diesem Zusammenhang besser anbieten, als einmal selbst bei der Entstehung eines Parfums dabei zu sein? Die Idee: Einen eigenen SR-Duft kreieren, der im Rahmen der Aktion Herzenssache für einen guten Zweck versteigert wird. Die Facebook-Community von sr.de hat abgestimmt: "Eau Lèque" soll das SR-Parfum heißen.

Video [aktueller bericht , 05.12.2017, Länge: 4:01 Min.]
SR-Parfum: Parfum selbst herstellen

Bei der Suche nach einem Parfum-Experten aus der Region stieß ich auf den 29-jährigen Etienne Sand aus Blieskastel. Er ist Junior-Sales-Manager und Produktentwickler im Parfum-Unternehmen seines Vaters Jean-Pierre Sand, der seit 27 Jahren Duftwasser entwickelt.

Etienne Sand arbeitet im väterlichen Parfum-Betrieb. (Foto: Etienne Sand)
Etienne Sand arbeitet im väterlichen Parfum-Betrieb.

Nach seinem Abitur hat Etienne studiert und letztendlich im Familienbetrieb eine kaufmännische Ausbildung absolviert. „Ich habe schon immer gewusst, dass ich mal in die Fußstapfen meines Vaters treten will“, sagt der Saarländer. „Bereits als kleiner Junge nahm mich mein Vater mit nach Grasse im Süden Frankreichs, der Geburtsstätte des Parfums, und zeigte mir schon im jungen Alter die wundervolle Welt der Düfte. Er war und ist auch heute noch mein Mentor und ich lerne viel von ihm.“ Inzwischen leitet Etienne selbst einige Projekte, die sich mit neuen Duftkreationen befassen.

Als würde man ein Lied komponieren

Aber welcher Duft passt zum SR? Süßlich-rosig? Oder vielleicht der Geruch von frischer Meeresbrise, um das Thema Blau aufzugreifen? Die Redaktion stimmte ab: Zitronig-frisch und holzig-waldig soll es sein. Und sowohl für Männer als auch für Frauen geeignet. Dieses freudige Ergebnis teile ich Etienne sofort via Telefon mit. „Da lässt sich was machen“, sagt der angehende Parfumdesigner in zuversichtlichem Tonfall.

Aufgeklärt
Riech mal - Die Wissenschaft der Düfte
Ob frisch gebackene Croissants am Morgen, Sommerregen auf dem Asphalt oder der süßliche Blumenduft von Klatschmohn - ohne all diese Eindrücke wäre die Lebensqualität nicht dieselbe. Aber wie funktioniert das eigentlich mit dem Riechen? Elmar Krause, Neurophysiologe am Physiologischen Institut in Homburg, gibt Antworten.

Und wie entsteht jetzt so ein Parfum? „Ein Parfum ist ein Gemisch aus verschiedenen Duftölen“, erklärt Etienne. „Es besteht aus Kopf-, Herz- und Basisnote. Die Basisnote ist sozusagen das Fundament. Die Herznote zeigt den Charakter des Parfums und die Kopfnote vervollständigt das Ganze.“ Um den Duft herzustellen, werden ätherische Öle zusammengemischt. „Die einzelnen Duftnoten muss man wie ein Lied komponieren, bis das Ganze stimmig ist“, sagt Etienne. Einfach mal so zusammenschütten ist also nicht drin.

Um das von der Redaktion gewünschte Ergebnis zu erzielen, hat Etienne gemeinsam mit seinem Vater Jean-Pierre vorab einen Basisduft hergestellt. Die Zutaten: Schwarze Johannisbeere, Orangenblüten und Safran für die Kopfnote, Mairose, Pfingstrose und arabischer Jasmin für die Herznote und Sandelholz, Kaschmirholz, Oud, Vanille und Moschus für die Basis. Klingt schon mal nicht schlecht. Dann kann es jetzt ja an die Fertigstellung gehen. Dafür fahre ich zusammen mit Kameramann Pasquale ins französische Grosbliederstroff in das Produktionslager der Parfumdesigner.

Ein leerer Flakon und große Erwartungen

Bei unserer Ankunft staunen wir nicht schlecht: Wir stehen vor einer riesigen gelben Halle, die ein bisschen an einen überdimensionalen Container erinnert. Etienne steht bereits in der Tür und begrüßt uns mit den Worten „Hallo, schön dass ihr da seid!“.

Und prompt haben wir schon auf schweren, dunklen Ledersesseln Platz genommen, die um einen massiven Tisch aus rötlichem Marmor aufgereiht sind. Vor uns eine Tasse Kaffee, ein Glas Wasser und eine riesige leere Parfumflasche, die am Ende des Tages hoffentlich mit 650 Millilitern feinstem SR-Parfum befüllt sein wird. Wir sind buchstäblich umringt von breiten Regalen, die von oben bis unten mit hunderten bunten, extravaganten Glasfläschchen und Flakons bestückt sind. In der Luft liegt eine Mischung aus Rose und Moschus.

Auch Jean-Pierre sitzt mit am Tisch. Im hochgeschlossenen schwarzen Rollkragenpullover und mit ernster Miene lauscht der 60-Jährige aufmerksam dem Gespräch. Er erzählt von edlen Substanzen, von Herz- und Kopfnoten und zeigt uns verschiedene Flakons. „Da bekommt man ja fast Angst, etwas anzufassen“, sage ich, während ich ein kleines Parfumfläschchen schüttle, sodass die winzigen Blattgold-Stückchen darin durch das apricotfarbene Duftwasser wirbeln. 

„So, ich lass euch jetzt mal machen. Sonst wird Etienne nur noch nervöser, wenn ich dabei bin“, sagt Jean-Pierre lächelnd, packt seine Sachen und geht. Weiser Vater, der sein eigenes Kind kennt.

Jeder Handgriff muss sitzen

Das rote Kameralicht leuchtet auf und Pasquale gibt das Kommando: Das Experiment geht los. Etienne stellt die Parfum-Zutaten vor: 95-prozentiger Alkohol, Wasser, die vorbereitete Basismischung und zu guter Letzt – ein extra für uns angefertigter blauer Farbstoff, passend zum SR.

Er gießt die Basismischung mit dem Alkohol auf und verrührt das Ganze. Bereits jetzt strömt eine Aromawolke durch den ganzen Raum – so intensiv ist der Duft. Jetzt das Wasser. Etienne verwendet dafür ganz spezielle Gefäße. Damit dem roten Marmortisch nichts passiert, findet das Ganze auf einer schützenden Tischunterlage statt. Ganz vorsichtig gießt Etienne die Mischung jetzt in den riesigen Parfum-Flakon, der ehrlich gesagt ein bisschen an einen XXL-Flachmann erinnert. Ich weiß jetzt schon, dass mich der ein oder andere Spruch erwartet, wenn das Teil in der Redaktion auf meinem Schreibtisch steht.

Etienne Sand mit dem SR-Parfum (Foto: SR)
Etienne Sand mit dem SR-Parfum

Endlich geht’s ans Einfärben. Dafür zieht sich Etienne blaue Gummihandschuhe an. „Wenn von dieser Farbe was auf meinen Finger kommt, kann ich ihn abschneiden.“ Ob das jetzt Spaß war oder nicht, ist mir nicht so ganz klar. Jedenfalls sieht das Blau in dem kleinen Fläschchen sehr blau aus. Etienne träufelt sechs Tröpfchen in den Flakon. Sobald die Tropfen im Duftwasser landen, lösen sie sich auf und schwärmen in alle Richtungen aus – ein wahres Wunderwerk für die Augen. Gebannt beobachte ich diesen bunten Prozess – und bin schwer angetan. Etienne begutachtet stolz den Flakon. „Ich finde, das kann sich sehen lassen." Finde ich auch. Jetzt fehlt nur noch das Etikett.

Und natürlich der Riech-Test. Wie ein professioneller Chemiker wedle ich mir mit der Hand den Geruch in die Nase. Wow. Es riecht. Und zwar sehr intensiv. Nach Blumen, nach Süße, nach Orient, aber auch zitronig und nach Meeresbrise. Dafür gibt’s ein High Five an Etienne.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht am 5. Dezember berichtet.

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