Ein Arzt hält eine Spritze in der Hand. (Foto: Imago/Mito)

Uniklinik warnt vor Methadon-Einsatz

  29.08.2017 | 12:32 Uhr

Das Schmerzmittel Methadon ist die neue Hoffnung vieler Krebspatienten. Die Methadon-Expertengruppe am Universitätsklinikum des Saarlandes warnt allerdings vor einem zu schnellen Verschreiben des Medikaments. Es habe bereits mehrere lebensbedrohliche Notfälle im Zusammenhang mit einem Fehlgebrauch gegeben.

Panorama
Einsatz von Methadon bei Krebspatienten
Das ARD-Magazin plusminus mit weiteren Hintergrundinformationen zum Thema "Einsatz von Methadon bei Krebspatienten".

Methadon gehöre nicht ohne Grund zu den verschreibungspflichtigen Betäubungsmitteln, heißt es von Seiten des Universitätsklinikums des Saarlandes. Zwar sei Methadon für erfahrene Ärzte auf diesem Gebiet ein unschätzbar wertvolles Medikamt, doch erforderen einige Fallstricke in der Dosierung und Therapiesteuerung eine Behandlung nur durch erfahrene Spezialisten.

"Methadon sollte nur von damit wirklich erfahrenen Ärzten in einer Methadon-Spezialsprechstunde verordnet werden", fordert Benjamin Gronwald, leitender Oberarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie in Homburg. Er hat bereits Erfahrung auf diesem Gebiet und behandelt besonders schwere Schmerzzustände mit Methadon und kennt die komplexen Eigenschaften dieses Medikamentes.

Druck auf Ärzte

Allerdings führe der Druck, der aktuell auf viele Ärzte ausgeübt werde, zunehmend zu Verordnungen durch Ärzte, die mit dem Medikament keine Erfahrung haben. "Es gibt bereits tödliche Verläufe einer Methadon-Anwendung in Deutschland und auch wir haben bereits lebensbedrohliche Notfälle im Zusammenhang mit Methadon-Fehlgebrauch behandeln müssen", betont Gronwald. Daher sei eine Beratung und Behandlung von Patienten nur durch ausgewiesene und erfahrene Spezialisten wichtig.

Daneben fordert die Methadon-Expertengruppe rund um Gronwald eine Behandlung nur bei begründeter eindeutiger Indikationsstellung. Hintergrund sei die gestiegene Anzahl von Patienten-Anfragen in letzter Zeit. "Die Medienberichte über das neueste 'Krebswundermittel' in den letzten Monaten haben einen Methadon-Tsunami ausgelöst", sagt Sven Gottschling, Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie. Patienten hofften nun auf Lebensverlängerung oder gar Heilung. "Es gibt allerdings keine Studienbelege dazu, dass Methadon ohne eine zusätzliche Chemotherapie den Krebs besiegen könnte", betont Gottschling. "Es steckt weniger dahinter, als behauptet wird."

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